Adventskalender Minikrimi am 8. Dezember


Foto von Coyot

Last Christmas  – Ein Krimi von meiner Co-Autorin Lydia H.

Schon wieder!  Wenn sie dieses verdammte Weihnachtslied noch einmal hören müsste, würde sie…..

Leider war Katja so gar nicht in der Situation,  irgendetwas zu unternehmen.  Nicht mehr. 

„Last Christmas….“. und noch einmal.  Obwohl die Verkäuferinnen des großen Warenhauses sich mit der Geschäftsführung geeinigt hatten,  das Lied nur noch dreimal pro Stunde zu spielen,  erklang es alle 10 Minuten.  Die Kunden liebten es eben.  Auch Katja,  die bis vor einem Jahr mehrmals pro Woche als Kundin hier gewesen war, hatte es immer gemocht. Schließlich hatte dieses Lied sie seit seinem Erscheinen zu Weihnachten 1984 durch eine glückliche Jugend und später eine ebenso glückliche Ehe hindurch begleitet.  Behütet, gut situiert, mit zwei entzückenden Kindern gesegnet. 

Bis last christmas. und zwar wortwörtlich. Die Kinder, längst aus dem Hause,  verbrachten die Weihnachtstage immer noch in der heimischen Villa.  Ausgerechnet an Heiligabend, unter dem stattlichen Weihnachtsbaum, ließ Markus,  Katjas Ehemann,  die Bombe hochgehen. Für Katja nicht unerwartet,  wie sie sich eingestehen musste. Selbst für einen so erfolgreichen Schlagerproduzenten wie Markus waren es in den letzten Monaten  einfach zu viele Überstunden und Geschäftsreisen gewesen. Der wahre Grund hieß Michelle,  war süße 24 und im sechsten Monat schwanger.  

Katja hatte bei ihrer Eheschließung der Gütertrennung zugestimmt und war sogar dankbar dafür gewesen. Damals wollte Markus, der erfolglose Musiker, sie damit schützen..  Zumal Katja als erfolgreiche Lektorin für den gemeinsamen Lebensunterhalt sorgte. Dann wurde Markus als Produzent sehr erfolgreich,  die Kinder kamen und Katja gab ihren Job auf. Es fiel ihr nicht mal schwer.

Die Abwicklung der letzten 20 Jahre ging dementsprechend schnell. Katja musste die Villa verlassen. Während sie sich jeden Anspruch auf Unterhalt, geschweige denn auf einen Teil des beträchtlichen Vermögens, abschminken konnte, galt das nicht für ihr Äußeres. Stark geschminkt stand sie alsbald, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, als Verkäuferin in der Kosmetikabteilung des Warenhauses, dessen geschätzte Kundin sie bislang war. Die Highheels hatte Katja gegen flache Schuhe getauscht.  Dennoch taten ihr die Füße nach 9 Stunden stehen weh. Und die offene oder auch versteckte Häme ihrer früheren Bekannten zu ertragen,  die sie nun bedienen musste,  war beschämend.

Endlich Feierabend.  Gerade in der Vorweihnachtszeit kostete der Job als Verkäuferin viel Kraft.  Begleitet von den letzten klängen der hundertsten Wiederholung von Last Christmas wurde Katja aus dem Kaufhaus hinausgespült, mitten in die überfüllte Fußgängerzone.  Sie schlängelte sich zwischen genervten Menschen und  Weihnachtsbuden bis zur befahrenen Kreuzung durch.  In 5 Minuten würde sie im Bus sitzen, auf dem Weg in ihr Einzimmerapartment  am Rande der Stadt. Sie erkannte Markus‘ Wagen sofort am personifizierten Nummernschuld: M-BIG 1. Und daran, dass er ohne abzubremsen auf die inzwischen für ihn rote Ampel zufuhr – immer auf der Überholspur, eben. Und dann stand da neben ihr diese blonde Frau im pinkfarbenen Pelzmantel, wedelte aufgedreht mit ihrem designertaschenbewehrten Arm und schrie: „Schaatzimaus, hiiier bin ich!!“ Dabei knallte eine der Tragetaschen Katja ins Gesicht. Es mussten ein Schuhkarton drin sein, dem Schmerz nach zu urteilen. Den Buggy mit Kleinkind neben der Frau registrierte Katja gar nicht.

Es war nur ein kleiner Schubs. Genau genommen hatte die Blondine ja grün. Aber Markus war zu schnell, um abzubremsen.  Die Polizei fand leider keine Augenzeugen für dieses schreckliche Unglück. Die Menschen waren einfach weitergegangen. Auch Katja. 

Das Kleinkind im Buggy schaute mit großen Augen interessiert auf den pinkfarbenen Fleck auf dem Zebrastreifen, drehte sich zu seinem Au-Pair-Mädchen um und sagte klar und lächelnd: Mama.

Adventskalender MiniKrimi vom 9. Dezember 2018


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Ihr Liebhaber gepflegter Adventskriminalistik: heute mal was Preisgekröntes. Mit dieser explosiven Adventstragödie habe ich mal den Krimipreis Goldbroiler gewonnen. Viel „Spaß“ beim Lesen….

Der Tod eines Traums. Adventstragödie in vier Akten.

1.

„Dicke rote Kerzen, Tannenzapfenduft..“ „Marie, leise, Papa schläft. War so viel los in der Schule!“. Sie legte sich aufs Bett, stöpselte das Lied ins Ohr. Die Wohnung duftete nach Zimt und Plätzchen. Marie liebte den Advent, die gemütliche Heimlichzeit.

Sieht aus wie eine dicke rote Kerze. Passt perfekt in den Adventskranz.  Keiner bemerkt, wer sich vor dem Blumenladen eine Zigarette anzündet und den Docht dazu.  Jetzt schnell weg und weiter, ein sichtlich unsichtbarer Schatten in der Menge wogender Mäntel. Der Kirchturm wird zum Logenplatz, die Straße zur Arena. Ein Knall, klirrendes Glas von zerberstenden Scheiben. Schreie. Schreie und Blut.

2.

„…Man begegnet hin und wieder schon dem Nikolaus“ Er hatte immer was Süßes im Sack. Anziehend und unheimlich zugleich. Ein geheimnisvoller Fremder. Bis er ihr zu nahe kam.

Bunt und laut und weihnachtsdurstig wimmelt die Samstagsmenge in der jubelbeschallten Einkaufsmeile. Alle freuen sich und viele nehmen gern den Glühwein, den ihnen der dick vermummte Nikolaus freundlich lächelnd anbietet. Sie kommen nicht weit. Rattengift wirkt schnell.

3.

„Lieb verpackte Päckchen, überall versteckt“. Am letzten Schultag wurde gewichtelt. Marie hatte Jo ein Schokoherz gekauft. Und er? Als sie ihr Päckchen auspackte, grölte die ganze Klasse. Ein kaputter Vibrator für „Lehrers Liebling“!

Am letzten Schultag strömen alle in die Aula. Neunhundert Schüler bestaunen die Riesentanne mit den Paketen für arme Kinder darunter. Halleluja singt der Chor der Ehemaligen. Ritual und Tradition. Diesmal mit Feuerwerk. Ein Handy klingelt, und schon wirbeln Sänger, Äste, Kerzen durch die Luft. Wie vorgezogenes Silvester.

4.

„Alte Lieder, Dunkelheit, Bald ist es so weit!“ Es war so einfach. Internet sei Dank. Erst der Flirt, dann die Kalaschnikow. Ein volles Magazin. Drei Treppen und ein Flur. „Schöne Bescherung, Papa, jetzt ist Schluss mit Weihnachtsmann“, und sie entsichert die Waffe.

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