Adventskalender Minikrimi am 19. Dezember


Foto: Polarnacht

Heute noch ein Krimi von meiner Autorenkollegin Mona Moldovan. Sie reist regelmäßig in den hohen Norden. Das Foto ist von ihr. Danke, liebe Mona.

Nordlichter

1.
Ich wache leicht verkatert auf, habe gestern den letzten Rest „Linie“ Aquavit getrunken. Die Flasche habe ich aus Deutschland mitgebracht und sie für ganz besondere Notsituationen aufbewahrt. Wie absurd: Der Inhalt wurde hier in Norwegen hergestellt, zweimal über die „Linie“ (Äquator) verschifft (das soll den besonderen Geschmack verleihen), dann exportiert, dann nach Süddeutschland geliefert, und schließlich in meinem Gepäck über Oslo nach Tromsø und mit dem Schneemobil hierher transportiert, ins Nirgendwo. So eine Flasche bewahrt man für besondere Fälle auf. Gestern war es soweit. Zum Glück ist sie heute leer, weil Alkohol nicht beim Denken hilft; zumindest mir nicht, und ich muss verdammt nochmal denken. Nicht, dass es eilt; bis es taut, wird es Mai. 

Aber gerade das ist auch mein Problem: die Erde und alle Seen, die ganze Welt um mich herum: alles weiß und hart und tiefgefroren. Die Leiche auch. Daher muss ich nachdenken: wie werde ich sie los, sodass niemand sie jemals findet. Wie werde ich ihn los. Wären wir weiter südlich, hätte ich mehr Ideen. Norwegen hat sehr tiefe Fjorde und nicht alle frieren in Winter zu, die wenigsten eigentlich. Näher am Atlantik hätte ich auch keine großen Probleme damit. Aber hier in diese weiße Wüste wird es ungleich schwieriger. Bei minus zwanzig Grad ist es einfach unmöglich, ein Loch zu graben, um einen erwachsenen Mann darin zu beerdigen. Auch, wenn er in den letzten Jahren etwas geschrumpft und abgemagert ist. Ihn in einem See zu versenken kann ich auch vergessen. Ich weiß nicht, wie dick das Eis ist, aber egal ob dreißig Zentimeter oder drei Meter. Es ist auf jeden Fall zu dick. 

2.
Diese verdammte Einsamkeit. Ich habe immer mit der Illusion gelebt, dass es mir nichts ausmacht, alleine zu bleiben. Dass die Einsamkeit sich hier genauso anfühlt wie in den letzten Jahren, wie im Rest der Welt. Aber hier ist sie noch härter, rauer und jetzt absolut endgültig. Ichdenke darüber nach, wie es dazu kam, eigentlich ist es keine komplizierte Geschichte. Die Jahre sind gekommen und gegangen. Wir hatten uns immer weniger zu sagen, und die Liebe ist versickert, das Ende nah, aber nie zum Greifen. Wir teilten eine Wohnung, aber waren irgendwie nie am selben Ort zusammen; wir teilten Erinnerungen, aber nicht mehr die Gegenwart und schon gar keine Pläne für die Zukunft. Die Stille war so laut, dass ich auf die Idee kam, uns für den Winter eine Hütte in Lappland zu mieten, um, weit abseits von Zivilisation, Internet und anderen Ablenkungen, endlich ehrlich miteinander zu sein. Das ist dann leider gründlich misslungen. Oder vielleicht ist es auch gründlich gelungen: Jedenfalls waren wir irgendwann viel zu ehrlich miteinander. Ein Wort ergab das anderen, und irgendwann habe ich mich dann vergessen. Oder gehenlassen? „Provoziere nie eine Frau, wenn sie ein Messer in der Hand hält“, habe ich früher oft gescherzt, ohne zu ahnen, dass daraus irgendwann bitterer Ernst werden würde. Es ist so leicht und ging so schnell. Ein Stich – und dann Stille. Für immer. Ich bin nicht wirklich allein. Sein Körper ist ja noch hier. Aber irgendwie fühle ich mich plötzlich verlassen. Einsam.

3.
Der Wintersturm hat viele Stunden heftig gewütet, aber nun ist es ruhig geworden. Am Vormittag versucht die Sonne, hinter dem Horizont aufzusteigen. Sie schafft es nicht, es ist Polarnacht. Die wenigen Stunden, bis sie aufgibt, sieht der Himmel in allen Nuancen von Pink und Orange wie gemalt aus. Auf einmal weiß ich, was ich tun werde. Es ist ziemlich schwer, aber irgendwie schaffe ich, die Leiche auf dem Schneemobil festzubinden. Ich habe vor, ganz weit zu fahren und ihn irgendwo abzulegen, wo es schön ist und weiß und wo niemand je hinkommen wird. Vielleicht. Hoffentlich. 

Als ich losfahre, ist es schon wieder dunkel. Ich bin bereits lange unterwegs und beginne zu frieren, als ich merke, dass mein GPS nicht mehr funktioniert. Der Akku ist leer oder einfach eingefroren. Der Sturm hat die Wege verschüttet. Die Spuren meines Schneemobils verschwinden in der glänzenden Wüste und ich weiß nun, dass ich die Orientierung endgültig verloren habe. Aber das macht mir keine Angst. Ich fahre lange, ohne Ziel und ohne die Zeit zu beachten, bis mein Sprit fast alle ist, dann halte auf einer Lichtung, oder vielleicht auf einem gefrorenen See, wer weiß das schon. Die Nacht glänzt und funkelt magisch im Sternenlicht. 

Und dann sehe ich die ersten grünen Strahlen am Himmel. Zunächst schwach, wie die Finger einer Zauberfee. Dann eine hellere Flamme, die schnell verschwindet, bevor die nächste erscheint. Bald brennt der gesamte Himmel: tanzende, kalte, atemberaubende Nordlichter überall. Die Luft fühlt sich klar an und hart. Ich bin so müde. 

Es ist so wunderschön.

4.
Als eine raue Hundezunge über mein Gesicht leckt, wehre ich mich fast gegen die Stimmen, die mich ins Leben zurückrufen. In die Verantwortung. 

Adventskalender Minikrimi am 17. Dezember


Foto: Bessi

Da ich momentan fast jeden Abend beruflich unterwegs bin, bin ich Birgit Schiche SEHR dankbar dafür, dass sie ihre minikriminalistische Ader entdeckt hat! Obwohl ich mit dem Mord an der süßen Katze nicht einverstanden bin….

Nachts sind alle Katzen grau

Die Nacht war vorbei, aber die Dunkelheit klebte noch am Morgen und wollte nicht weichen. Wie es eben so ist in den längsten Nächten des Jahres. Sie ließ sich davon nicht beirren und schlich vorsichtig, ganz vorsichtig durch das tote Laub, damit kein Rascheln sie verriet. Ihr Opfer ließ sie dabei nicht aus den Augen. Still verharrte sie und wartete auf den richtigen Moment. Ihr Opfer war völlig ahnungslos, doch Mitgefühl kannte sie nicht. Ein schneller Sprung, ein Biss, der Tod. 

Millie war eine gute Jägerin. Die getigerte Samtpfote brachte ihrem Herrchen immer wieder Beutetiere als Geschenk mit und legte sie ihm auf die Fußmatte vor der Terrassentür. Auch heute lief sie zufrieden mit der erbeuteten Kohlmeise zurück zu ihrem Zuhause.

„Verdammtes Katzenvieh!“, dachte Cora, die die Szene beobachtet hatte – nicht zum ersten Mal. Sie liebte die Natur und die kleinen Vögel und Eichhörnchen, die sie ganzjährig im hinteren Bereich ihres kleinen Gartens fütterte. Aber so sehr sie die Wildtiere liebte, so sehr hasste sie die Katze ihres Nachbarn, die eine ständige Bedrohung für die Kleintiere war. „Warum kann der Idiot seine Katze nicht einfach im Haus behalten“, schimpfte Cora, „Oder ganz abschaffen – das wäre das Beste!“ 

In ihr reifte eine Idee und für einen Moment lang sah ihre Mimik genauso aus wie vorher die der Katze nach einer erfolgreichen Jagd.

Robert liebte seine Millie, nur auf ihre Liebesgaben in Form toter Tiere hätte er gern verzichtet. Doch das gehört zur Natur der Katzen nun mal dazu, und die Samtpfoten trugen durch ihre Jagderfolge schließlich dazu bei, ein gesundes Gleichgewicht in der Natur zu erhalten, erbeuteten sie doch meistens schwache oder kranke Tiere. Und Millie war die liebste, klügste Katze überhaupt, man musste sie einfach gern haben. Robert dachte so wie jeder Haustierbesitzer und wie jedes Haustier es von seinem Herrchen bzw. Frauchen verdient hat.

Am nächsten Morgen lag keine Liebesgabe vor Roberts Terrassentür, und bis zum Mittag war auch Millie nicht aufgetaucht. Robert machte sich Sorgen. Am Abend fragte er überall in der Nachbarschaft herum, vergeblich. Am nächsten Tag lag seine Katze dann auf der Fußmatte. Tot, ganz steif, und mit Milchspuren rund um das Mäulchen. „Millie, nein!“, ihr Tod traf ihn tief und er weinte lange, bevor er sie in ein schönes Tuch wickelte und hinten im Garten begrub. Jemand hatte Millie vergiftet, das war klar. Und dafür kam auch nur eine in Frage, die immer schon gegen Katzen geschimpft, ja geradezu intrigiert hatte. Die Wut weckte seine Lebensgeister wieder. Damit würde er sie nicht durchkommen lassen.

Die Nacht war vorbei, aber die Dunkelheit klebte noch am Morgen und wollte nicht weichen. Trotzdem war Cora schon wach und ging, nur mit einem altmodischen Plüschbademantel und Pantoffeln bekleidet, nach hinten in ihren Garen, um die verschiedenen Vogelhäuschen mit Futter und Nüssen zu bestücken wie jeden Tag. 

Er ließ sich davon nicht beirren und schlich vorsichtig, ganz vorsichtig durch das tote Laub, damit kein Rascheln ihn verriet. Sein Opfer ließ er dabei nicht aus den Augen. Still verharrte er und wartete auf den richtigen Moment. Jetzt! Cora war abgelenkt und stand mit dem Rücken zu ihm. Er schlich leise wie auf Samtpfoten durch ihre Terrassentür hinein. Der Grundriss glich dem seines Hauses wie ein Ei dem anderen – sie lebten in einer Reihenhaussiedlung. Im Erdgeschoss gab es nur Wohnzimmer und Küche. Cora liebte es, auf ihrem Gasherd zu kochen. Und im Wohnzimmer hatte sie einen künstlichen Kamin, der über eine kleine Gasleitung entzündet wurde, daran konnte sich Robert von seinem ersten und einzigen Besuch noch erinnern. Damals war Cora gerade eingezogen, das musste wohl etwa ein Jahr her sein. Schnell drehte er sämtliche Gashebel auf. Cora würde gleich vor dem Kamin frühstücken, es war schon alles eingedeckt, perfekt. So unsichtbar wie Robert hereingeschlichen war, verschwand er auch wieder. Er würde heute ins Tierheim fahren und einer neuen Katze ein Zuhause schenken.

Blaulichtkegel kreisten und warfen flackernde Lichter an die Wände der Reihenhäuser, als er drei Stunden später zurückkam. Rettungssanitäter und Notarzt kamen gerade aus dem Haus. Der Körper auf der Trage war vollständig bedeckt. Ein Streifenwagen der Polizei traf gerade ein, um mit der Reinigungshilfe zu sprechen, die Cora tot aufgefunden hatte.

Am nächsten Morgen las Robert im Tageblatt, dass sich wieder einmal eine alleinstehende Person in der Adventszeit das Leben genommen hätte. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung nehmen sich tatsächlich relativ wenige Menschen in dieser Zeit das Leben, die meisten Suizide geschehen in der hellen, warmen Saison. Doch die arme Cora starb im Dezember.

„Cora!“, rief Robert einige Wochen später in seinen Garten hinein. Die kleine, dreifarbige Katze kam flink herbeigelaufen. Eine Glückskatze namens Cora, die hoffentlich lange leben würde.

Nebenan zog gerade eine neue Nachbarin in das frei gewordene Reihenhaus ein, die dritte alleinstehende Frau nach Millie Weber und Cora Neuhaus, seit Robert hier wohnte. Ob sie Katzen mochte?

Adventskalender Minikrimi vom 16. Dezember


Foto: kerplode

Heute gibt es hier noch einmal einen weihnachtlichen Krimi von Birgit Schiche. Viel Freude beim Lesen!

Schneemannschicksal

Er räkelte sich wohlig in seinem warmen Bett. Durchs Fenster drängelte helles Tageslicht – er hatte verschlafen! Es war so ungewohnt still. Absatzklackern, Autogeräusche, Fahrradklingeln, murmelnde Stimmen drangen nur gedämpft herein. Verdammt, es hatte geschneit! Er fluchte leise. Im Gegensatz zu den meisten Menschen wünschte er sich keine weiße Weihnachtszeit. Mildes, graues Nuschelwetter war ihm lieber. Denn bei Kälte konnte er seine Arbeit kaum verrichten, und dabei war jetzt Hochsaison. 

Er eilte zur U-Bahn und fuhr zum Weihnachtsmarkt. Menschen schoben sich dichtgedrängt an kleinen Buden mit heißen Getränken und duftenden Leckereien, kitschigem Weihnachtsschmuck, vorgetäuschtem Kunsthandwerk und überteuertem Schnickschnack entlang. Ein kleines Karussel ließ Kinderaugen leuchten, während die Erwachsenen ein paar Runden lang frierend davor ausharrten. Er stellte sich unauffällig neben die Wartenden, rempelte wie zufällig bummelnde Weihnachtsmarktgäste an, mischte sich unter die glühweintrinkenden, bratwurstessenden Menschen, und schon nach kurzer Zeit hatten jede Menge Geldbörsen, Handys und Kreditkarten ihre Besitzer gewechselt. So viele, dass er sie irgendwo bunkern musste, bevor er weiter seinem Job nachgehen konnte.

Er sah sich um. Ein verliebtes Pärchen bewarf sich neckend mit Schneebällen. Zwei Kinder bauten am Rande des Weihnachtsmarktes an einem Schneemann. 

„Mia, Luis – kommt, wir müssen nach Hause!“

Nachdem der Vater mehrmals gerufen hatte, brachen die Kinder ihr Spiel missmutig ab und trotteten protestierend neben ihren mit Einkaufstüten beladenen Eltern davon. Das brachte ihn auf eine Idee: Er würde seine Diebesbeute im Schneemann verstecken! 

„Genial!“, lobte er sich selbst und grub unauffällig eine Höhlung in die große Schneekugel, die den Körper des Schneemannes bilden sollte. Wasserdicht in einer Plastiktüte verpackt wanderte seine Beute hinein und wurde mit Schnee bedeckt. Zur besseren Tarnung baute er den Schneemann fertig. Ohne dass er selbst es merkte, fingen seine Augen an zu leuchten und er war in seine Aufgabe ebenso versunken wie vorher die Kinder. Er spürte gar nicht, dass seine Finger – das wichtigste Werkzeug eines erfolgreichen Taschendiebes – eiskalt wurden, so war er darin vertieft, den Schneemann auszuschmücken, mit einer verloren gegangenen Wollmütze, Augen, Mund und Nase aus bunten Spielsteinen, die er an einem Sand stibitzt hatte, und einem dicker, roter Wollschal. Am Schluss betrachtete er stolz sein Werk – und seine vor Kälte tauben Finger. Mehrere Polizisten flanierten paarweise über den Weihnachtsmarkt. Er war in all den Jahren noch nie geschnappt worden und wollte auch jetzt nicht damit anfangen. Für heute konnte er seinen Job vergessen. Er trottete zur U-Bahn – nicht ohne noch einen stolzen Blick auf seinen verschmitzt lächelnden Schneemann zu werfen. Der war ihm wirklich gut gelungen. 

Zufrieden mit Decke und heißem Tee auf dem Sofa sitzend schaute er sich die Meldungen des Tages im Regionalprogramm an und traute seinen Augen nicht: Ein Kamerateam hatte ihn gefilmt, sein Gesicht in Großaufnahme, und von allen Seiten den besonders gelungenen Schneemann. Mehrere Minuten berichtete die Journalistin über den „Zauber, den der Schnee und die Weihnachtsstimmung auch auf einen „einsamen Mann im fortgeschrittenen Alter“ ausübte. Man bezeichnete ihn als „Weihnachtself“ und startete einen Suchaufruf, um ihn in die Sendung einzuladen. Sie wussten nicht, was sie damit anrichteten. Er seufzte.

Sein Telefon klingelte, er ging gar nicht erst ran, ahnte er doch schon, worauf es hinauslief. Morgen würde er gleich wieder hingehen, seine Beute aus dem Schneemann holen und verschwinden.

Doch als er am nächsten Tag, es war der 4. Advent, zum Weihnachtsmarkt kam, stand bereits eine Menschentraube vor seinem Schneemann. Schülerinnen, Touristen, ein Liebespaar – alle wollte ein Selfie mit dem Schneemann. Er nutzte die Gelegenheit, ihnen ein paar Sachen aus den Taschen zu fischen. Und dann geschah es: „Das ist er!“ rief jemand aus der Menge und zeigte auf ihn. Ein Horrormoment für jeden Taschendieb. Alle Köpfe drehten sich zu ihm um, Handys wurden für Aufnahmen in die Höhe gestreckt. Wildfremde Menschen zupften an seiner Kleidung, wollte ihm die Hand schütteln und nun auch Selfies mit ihm machen. „Der Weihnachtself!“, kicherten ein paar Mädchen und schmiegten sich für ein paar Fotos an seine Jacke. Die Menschen lieben eben kitschige Geschichten zur Weihnachtszeit, und es braucht heutzutage nicht viel, um plötzlich berühmt zu werden. Den Clip vom Vortag hatte längst jemand auf Youtube gestellt und durch die Social Media gejagt. Er war bekannt wie ein bunter Hund. Er flüchtete zur U-Bahn, raus aus der Menschenmasse, seine Mütze tief ins Gesicht gezogen. 

„Die Fahrkarten, bitte!“, damit konnte man ihn nicht schocken, er hatte ein Abo … aber wo war sein Portemonnaie? „So ein Mistkerl hat mich beklaut, mich!“, wurde ihm klar. Und es fehlte nicht nur seine eigene Geldbörse, sondern auch alles, was er heute erbeutet hatte. Er hatte es nicht einmal bemerkt, wie er mit seinen eigenen Tricks beklaut wurde. Das nagte heftig an seiner Taschendieb-Ehre – und hätte ihn beinahe 60 Euro fürs Schwarzfahren gekostet. Aber der Kontrolleur erkannte ihn, bedauerte den „Weihnachtself“ ob seine Verlustes und ließ ihn kostenfrei weiterfahren – im Gegenzug wünschte er sich nur ein gemeinsames Selfie. Na prima – soweit war es schon gekommen. In tiefschwarzer Stimmung erreichte er seine Wohnung.

Am nächsten, ziemlich grauen Morgen weckten ihn die gewohnten Großstadtgeräusche. Tauwetter! Es schien gar nicht richtig hell zu werden. Wie von der Tarantel gestochen sprang er aus dem Bett, um noch vor den Menschenmassen zu seinem Schneemann zu kommen und die Beute zu holen. In der nass-grauen Pampe, zu der der Schnee in der Nacht bereits geschmolzen war, rutschte er mehrmals aus und wäre beinahe gefallen. Der Tag fing ja gut an. Streufahrzeuge waren unterwegs, und die Stadtreinigung mühte sich damit ab, die nassen Massen beiseite zu räumen, damit die Leute sicher von A nach B kommen konnten. Am Weihnachtsmarkt angekommen sah er, dass die Budenbesitzer bereits mit dem Abbau begonnen hatten. Gestern war der letzte Tag des Weihnachtsmarktes gewesen! Er schaute sich suchend um. Wo war sein Schneemann? Und noch viel wichtiger: Wo war seine Beute? Schneeschieber kratzten über Gehwegplatten, auch hier war die Stadtreinigung bereits bei der Arbeit. Seinen halb geschmolzenen Schneemann hatten sie schon weg geschaufelt. Von der Beute keine Spur. 

„Hallo, Weihnachtself!“

„Nicht schon wieder“, dachte er und wollte schnell verschwinden. Doch die Journalistin hielt ihn am Ärmel fest. Nach einem kurzem Gespräch lächelten beide. Er würde für mehrere TV-Auftritte als Weihnachtself ein nettes Sümmchen bekommen, ehrlich verdient. Er musste sich nun ohnehin einen neuen Job suchen, sonst würde er noch im Knast enden. Oder in der Gosse, wie der alte Mann in abgetragener Kleidung, der bettelnd zwischen den Buden herum schlurfte, auf der Suche nach ein wenig Geld oder etwas zu essen.Schließlich ging der Alte weiter, mit hängenden Schultern, herabgezogen vom Gewicht seinerPlastiktüten. Erst viel später, In der Sicherheit eines windgeschützten Ladeneingang, öffnete er staunend die Tüte, die er in letzter Minute vor der Stadtreinigung aus den matschigen Überresten des Schneemannes gerettet und schnell eingesteckt hatte. Das war eine schöne Bescherung!

Adventskalender Minikrimi vom 15. Dezember


Foto: Kirahoffmann

Ein Hauch von Marilyn

Ihr Bruder war schon immer ein großer Marilyn Monroe Fan gewesen. 1962 hatte er als 12jähriger in der Wochenschau gesehen, wie die amerikanische Skandalschönheit „Happy birthday, Mr. President“ ins Mikrophon gehaucht hatte. Seither bevölkerte Marilyn alle Träume des Teenagers, und auch als Erwachsener war es Bernhard nie gelungen, sich ganz von seinem Idol zu lösen. Er besaß unzählige Bildbände über sie, sammelte Artikel und TV-Beiträge. Selbstverständlich standen in seiner Bibliothek auch all ihre Filme. Als Fotograf hatte er immer wieder Models in die Verzweiflung getrieben, weil er sie als Marilyn-Double in erotischen Posen porträtiert hatte.  Drei Ehen waren an seiner „Marilynitis“, wie seine Schwester Dorothea die Verehrung nannte, gescheitert. 

Aber dann war Rosi gekommen. Eine dralle Brünette ohne ausgeprägte Persönlichkeit, aber mit viel Geld und der Fähigkeit leidenschaftlicher Hingabe. Sie hatten sich an der Rennbahn kennengelernt, wo Bernhard, schon ziemlich abgebrannt, darauf lauerte, ein paar Paparazzi-Fotos von zufällig auftauchenden Promis zu machen. Rosi hatte ihren Vater begleitet, um das erste Rennen seines neuesten Pferdes 007 zu sehen.  Es waren die „wilden Siebziger“. Rosi verliebte sich auf den ersten Blick in Bernhard, zog ihn in das nächste Gebüsch hinter den Stallungen – und damit war seine Zukunft besiegelt. 

Rosis Vater knüpfte nur zwei Bedingungen daran, seine minderjährige Tochter in die Hände oder besser die Arme des guten, aber nicht sonderlich erfolgreichen Fotografen zu geben: erstens musste Bernhard fortan alle anfallenden Fotoarbeiten für die Baufirma Herbert Huber übernehmen – kostenfrei! Zweitens durfte er Rosi nie betrügen. 

Die zweite Bedingung bereitete Bernhard anfangs Kopfzerbrechen. Denn einem Künstler wie ihm wurde auf Dauer sogar ein Leben im Luxus zu langweilig. Aber Rosi liebte ihn heiß und innig, und da sie keinen anderen Lebensinhalt hatte, tat sie alles, um ihrem Bernhard zu gefallen. Er ließ ihr Haar wasserstoffblond färben, züchtete ihr soweit es ging eine Marilyn-Figur an und ersteigerte sogar ein paar Original Monroe-Kleider. Hier gebot der Schwiegervater, der immer noch die Hand auf dem Vermögen der Tochter hatte. allerdings schnell Einhalt.

So lebten Bernhard und Rosi ein trautes Leben zu zweit, oder eigentlich zu dritt. Sie gab für ihn die Marilyn, und er für sie den Ehemann. Eigentlich, dachte Dorothea, hatten die beiden sich redlich verdient.

Leider starb Rosi unvermittelt und unerwartet, nachdem sie um 1 Uhr nachts, mit einer Flasche Champagner in der Hand, in 10 cm High-Heels auf dem Garagendach balanciert war. Nicht aus Übermut, sondern für Bernhards neuestes Fotoprojekt. Mit 55 und Arthrose in den Beinen hatte sie sich nicht gut genug aufrecht halten können.

Sicher hätte Herbert Huber Bernhard daraufhin stante pede enterbt. Er war jedoch kurz vor seiner Tochter gestorben, und so war Bernhard mit 65 Alleinerbe eines zwar nicht atemberaubenden, jedoch so umfangreichen Vermögens, dass er einem genussvollen Lebensabend entgegenträumen konnte. Und auch für Dorothea waren himmlische Zeiten angebrochen. Ihr Bruder lud sie ein, zu ihm in die geräumige Villa am Starnberger See zu ziehen. Aus Dankbarkeit kümmerte sie sich um den Haushalt, das heißt sie achtete darauf, dass die Angestellte alle Arbeiten zu ihrer Zufriedenheit erledigt, und fuhr einmal die Woche nach München, um bei Dallmayr und Käfer das Nötige einzukaufen. Natürlich wären Filet Wellington, Kaviar, Champagner & Co. auch angeliefert worden. Aber Dorothea genoss die Fahrten in Rosis Jaguar XJ 220, einer Sonderanfertigung in metallic-beige. Und sie fuhr bei solchen Gelegenheiten auch gerne bei ihren Freundinnen vor, um mit ihnen ein Käfer-Törtchen und eine Tasse Dallmayr Kaffee zu teilen. Dorothea, die nach einem Leben als Arbeitsvermittlerin für Künstler keine üppige Rente erhalten hatte, war überglücklich. Die Marilyn-Leidenschaft ihres Bruders störte sie nicht, im Gegenteil. Sie genoss die ruhigen Stunden, während er sich im Atelier Filme, Fotos oder was auch immer ansah.

Doch dann kam die Wende. Danica, die treue Haushaltsperle, brach sich den Arm. Pflichtbewusst, wie sie war, schickte sie ihre Nichte Dajana als Ersatz. Dajana war 20, hatte hellblond gefärbte Haare und eine nostalgische 90-60-90 Figur. Nach ihrem ersten Arbeitstag brannte Bernhard bereits lichterloh. Nach einem Monat eröffnete er Dorothea, dass er Dajana heiraten wollte. Die Verlobung sollte an seinem 67.Geburstag stattfinden. Denn Dajana, so erklärte er seiner Schwester, sei streng katholisch, und ein gemeinsames Leben müsse mit dem Heiligen Bund der Ehe besiegelt werden. Ohne Gütertrennung, ergänzte Dorothea bitter, denn sie hatte Dajanas Zielstrebigkeit schnell erkannt. Auch hegte sie keinen Zweifel daran, dass das „junge Glück“ seine Liebe ungestört genießen wollte. Für sie wäre da kein noch so kleines Plätzchen geblieben.

Dorothea überlegte, plante und verwarft. Mit dem Jaguar in den Starberger See fahren? Einen wunderschönen jungen Gärtner einstellen und sich mit der Kamera auf die Lauer legen? Schließlich entschied sie sich dafür, Bernhard zum Geburtstag mit einer echten „Marilyn-Torte“ zu überraschen.

Sie kannte eine Tortenmacherin, die in der Lage war, ein wunderbares, riesengroßes und dabei äußerst schmackhaftes Gebäck herzustellen, das zudem noch Dorotheas besonderen Anforderung entsprach. Drei Etagen, feinster Biskuit, Sahnefüllungen mit exotischen Früchten, weiße Schokolade, Nougat, Baiser – nur das Beste vom Besten. Einfach unwiderstehlich.

Ein etwas tieferer Griff in Rosis Portokasse, und die Torte war verbindlich bestellt. Pünktlich am Morgen von Bernhards Geburtstag brachte die Tortenmacherin das Kunstwerk wie besprochen zum Hintereingang der Villa. Das Geburtstagskind schlummerte noch tief – wahrscheinlich träumte ihr Bruder von seiner rosigen Zukunft mit Dajana, dachte Dorothea und schmunzelte über ihre Wortwahl.

Ab 20 Uhr kamen die Gäste, und kurz vor Mitternacht endlich die Torte. Dorothea hatte alle Sicherungen persönlich ausgeschaltet. Der offene Wohnbereich wurde ausschließlich von unzähligen Wunderkerzen erleuchtet, die um die Torte herum flimmerten. „Ah“s und Oh“s von allen Seiten. Dajana, festlich glitzernd in einer von Rosis Brillantketten, dachte, die Torte sei Teil von Bernhards Verlobungsüberraschung. Aber nein. „Happy Birthday, Mr. President“ hauchte es plötzlich aus dem Innern des Gebäcks. Und aus der Torte stieg Marilyn höchstselbst, eingehüllt in ein hautfarbenes Nichts, übersäht mit 2500 Glassteinen. Natürlich war es nicht die echte Monroe, aber sie sah ihr so verblüffend ähnlich, dass alle Gäste berauscht, begeistert, betäubt den Atem anhielten. Am längsten Bernhard. Er hatte den ganzen Abend getrunken, und als er die Vision seiner Kindertage leibhaftig auf sich zugerollt kommen sah, war die Euphorie grenzenlos. So groß, dass sein Herz stehenblieb.

Der eilends herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod durch Herzversagen feststellen. Und das, bevor Bernhard die Möglichkeit gehabt hatte, seine letzte Marilyn zu heiraten oder sie auch nur zur Alleinerbin einzusetzen. Selbst wenn Dajana auf einer Obduktion bestehen und man Barbiturate in Bernhards Blut finden sollte – bis tatsächlich über Mord spekuliert wurde, würden ganz sich, wie bei der echten Monroe, viele Jahrzehnte vergehen. 

Dorothea als seine einzige lebende Verwandte hatte vor, diese so ausgiebig wie möglich zu nutzen. 

Adventskalender Minikrimi am 9. Dezember


Foto: 8Moments

Dieser Minikrimi wurde von Mona Moldovan geschrieben. Er ist eine Variation zum gestrigen Thema – Last Christmas und die Männer. Und Frauen… Danke, liebe Mona!

Die Weihnachtsfeier

Die Einladung liegt ganz unten in dem Stapel mit Weihnachtskarten, die sie aus dem Postkasten geholt hat. Christine will sie schon achtlos wegwerfen, als ihr Blick auf den Absender fällt. Den Namen der Steuerkanzlei in Grünwald kennt sie gut. Es ist der Name, den sie einmal zu tragen gehofft hatte. Wenn sie daran denkt, wie es dazu kam, dass es dann doch nicht dazu kam, versetzt ihr das immer noch einen Stich ins Herz. Sie erinnert sich an diesen Dezembernachmittag vor zwei Jahren, als sei es gestern gewesen.

Sie kam früher nach Hause, vollgepackt mit Geschenken. Leise schlich sie hinein, um die Geschenke zu verstecken, so dass Matthias sie nicht vor der Bescherung finden würde. Aber dann entdeckte SIE etwas, was sie nicht hätte finden sollen, und zwar ihn. Im Bett mit dieser Blondine, einer Kollegin… wie hieß sie nochmal?

„Das ist doch nun sowas von egal“, denkt sie. Aber das ist nur so dahin gedacht, egal ist es ihr immer noch nicht. Matthias zog unmittelbar danach aus, und sie verbrachte sehr traurige Weihnachten. Die Monate danach waren auch nicht leichter. Die Trennung, der finanzielle und gesellschaftliche Abstieg. Er war nun fest mit dieser Frau zusammen, der Kollegin und Steueranwältin. „Schwamm drüber“, versucht sie sich einzureden. Es klappt nicht.  

Wenige Tage später hat sie die Münchner Innenstadt kreuz und quer auf der Suche nach dem passenden Kleid für die Feier abgesucht. Am Ende findet sie es in einem großen, luxuriösen Kaufhaus. Rot, lang, sexy. Sie hat noch nie so viel Geld für ein Kleidungsstück ausgegeben, fast eine Münchner Monatsmiete. Leisten kann sie sich das eigentlich nicht, mit ihrem kleinen Gehalt als Angestellte im sozialen Bereich. Aber sie will Matthias zeigen, was er verloren hat. Aus Liebeskummer hat sie damals etliche Kilos abgenommen, die nur zum Teil wieder drauf sind. Ihre Haare sind jetzt auch blond. Und das Kleid steht ihr wirklich ausnehmend gut.

In den Tagen vor der Weihnachtsfeier hat es geschneit, und die großen Villen in Grünwald sehen aus wie auf einer Weihnachtspostkarte. Die Adresse findet sie schnell, Google Maps sei Dank, und zum Glück ist sie auch nicht weit von der Tram entfernt, sonst würde sie womöglich mit den geliehenen High Heels im Schnee steckenbleiben. Ein blutroter Teppich führt durch den verschneiten Garten zum Haus, links und rechts davon brennen Fackeln. Am Eingang zeigt sie die Einladungskarte mit dem goldenen Rahmen und dem mit Füller geschwungenen „M“ als Unterschrift. Der Portier verbeugt sich, nimmt ihr den Mantel ab und zeigt ihr den Bereich, wo Glühwein und Caipirinhas stehen. Der Caipirinha ist heiß und sehr stark. Und drinnen erst… überall laufen Kellner mit Tabletts voller Cocktails und Leckereien herum. Das ist schon ein Unterschied zu ihrem Büro, wo die Kolleginnen sich mit selbst gebackenen Plätzchen und Glühwein von Aldi eine kleine Feier nach der Arbeit organisieren müssen.

Sie weiß, dass sie nicht zu viel trinken sollte. Alkohol macht sie immer leicht aggressiv, sie bekommt Lust, sich zu streiten und etwas kaputt zu machen… Aber wie sollte sie den Abend sonst überstehen? Sie kennt niemanden und niemand ist daran interessiert, sich mit ihr zu unterhalten. Das teure Kleid ist hier eines von vielen, und die Männer scheinen nur Frauen interessant zu finden, die gerade der Pubertät entwachsen sind. An einer Mittvierzigerin hat offenbar niemand Interesse. Auch Matthias scheint sie nicht zu beachten. Sie hat ihn nur flüchtig gesehen, aber er hat sie offensichtlich nicht wahrgenommen. Und nun ist er ganz verschwunden. Die Blondine hat sie den ganzen Abend nicht zu Gesicht bekommen (und wie sie heißt, daran erinnert sie sich immer noch nicht). Vielleicht ist es besser so. Sie könnte sie immer noch umbringen, auch wenn das alles jetzt schon zwei Jahre her ist.

Nach dem dritten Cocktail (oder vielleicht nach dem vierten?) sucht sie eine Toilette, aber alle sind besetzt. „Vielleicht müssen sich die jungen Frauen ihre Cocktails nochmal durch den Kopf gehen lassen. Zu viel Alkohol ist schließlich nicht gut für die Figur“, denkt sie garstig. Und geht die Treppe hinauf. Im oberen Stockwerk ist es dunkel und merkwürdig still. Sie versucht, eine Tür zu öffnen. Abgeschlossen. Auch die nächste. Und die übernächste. Dann kommt sie zu einer, die einen Spalt offen steht. Dahinter hört sie unmissverständliche Geräusche. Sie erstarrt, als eine junge Frau mit langen roten Locken heraus kommt, aber die Frau sieht Christine nicht. 

Die Tür steht nun weit offen, und sie erkennt den Mann dort im Zimmer sofort.

Und er sie. 

„Matthias…“ flüstert sie. „Christine?…“ lallt Matthias. „Was zum Teufel machst du hier? Wer hat dich eingeladen? Willst du wieder eine Szene machen? Ich hab‘ echt keine Lust auf euch alte Schachteln, die letzte habe ich gerade letzte Woche abserviert…“  Er versucht, seine Hose zu schließen, hat aber sichtlich Schwierigkeiten. Und nun weiß Christine, dass sie die ganze Zeit falsch lag. Nicht die andere Frau ist an ihrer Misere schuld. Sie macht einen Schritt ins Zimmer, und noch einen, plötzlich steht sie vor diesem Schreibtisch. Sie streckt ihre Hand aus – und dann sieht Matthias den Brieföffner in ihrer Hand. „Nein! Christine! Ich hab’s doch nicht so gemeint…!“

Er schreit nur einmal, ganz kurz und zu leise. Unten hat der DJ grade Helene Fischer aufgelegt, und die Menge gröhlt: „Atemlos…!“

Als Christine durch die glänzende Winternacht in Richtung Tram spaziert, geht es ihr auf einmal sehr gut. Ein Arschloch weniger auf der Welt. Jetzt soll ihr erst mal jemand etwas nachweisen. Sie hat sich ja mit niemandem unterhalten, und niemand hat sie beachtet. Ab vierzig werden Frauen irgendwie unsichtbar. Manchmal ist das gut so. 

Aber eine Frage lässt ihr keine Ruhe: wer hat sie zur Party eingeladen? Dann erinnert sie sich auf einmal. Die blonde Frau, mit der sie Matthias damals erwischt hat, heißt Marlena. Ein geschwungenes M als Unterschrift auf der Einladung. 

Als sie in die Trambahn Nummer 25 steigt, summt sie leise „Last Christmas“.  

Adventskalender Minikrimi am 5. Dezember


Keine Wahl

Sie ist wach, lange, bevor der Wecker klingelt. Früher hat sie sich nach dem ersten „Kikerikiiii“ nochmal tief in die Daunen geschmiegt, und wenn Mami um sieben mit einer Tasse Kakao ins Zimmer kam und gut gelaunt rief „Sofia, aufstehen, der Morgen lacht!“, lugte nur die Nasenspitze aus der Decke hervor. Früher. Da hatte Sofia nie verstanden, wie Mami es schaffte, immer gut drauf zu sein. Sogar, wenn es draußen noch dunkel war, oder wenn sie einen tierisch ekligen Tag vor sich hatte, mit lauter unangenehmen Meetings und so. Jetzt kommt Mami morgens nie in ihr Zimmer, sondern liegt in unruhigem Medikamentenschlaf bis mittags im Bett.

Sofia schält sich aus der Decke – die Daunen sind in der Waschmaschine verklebt und hängen in Klumpen im Bettbezug. „Aufstehen, Simon, der Morgen lacht“, flüstert sie ihrem kleinen Bruder ins Ohr. Eigentlich nervt es sie, dass er in ihrem Bett schläft, aber jetzt im Winter wärmen sie sich so wenigstens gegenseitig. Und Simon braucht alle Wärme, die er kriegen kann, denkt Sofia. Zärtlich streicht sie ihm das schlaffeuchte Haar aus der Stirn. Blonde Locken, wie Papa. Papa. Sofia schluckt etwas herunter, was wie Tränen schmeckt. Aber sowas kann sie sich nicht leisten. Nicht mehr. Sie ist ein großes Mädchen. Ein starkes Mädchen.

Sofia ist erst dreizehn, doch seit ihr Vater vor zwei Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist – „hit and run“ – heißt das in Amerika, ist sie es, die den Familienalltag am Laufen hält. So gut sie es eben kann. Die Mutter ist chronisch depressiv, zu Zeiten sogar suizidal. Wenn du kein Einkommen hast und keines verdienen kannst, geht der soziale Abstieg ganz schnell. Vaters Geld war in einem halben Jahr verbraucht. Haus und Möbel wurden versteigert, dann der Umzug in die Sozialwohnung.

Sofia hatte kein Problem damit, in eine neue Schule zu gehen, eine Gesamtschule, was anderes gibt es nicht in der Nähe. Die Freundschaften aus dem Mädchengymnasium hatte sie da bereits hinter sich gelassen. Du wirst uninteressant, wenn du nichts mitmachen kannst. Kein Shopping, keine Clubs, und nach den Ferien hast du keine Urlaubsabenteuer zu berichten, weder von den Seychellen noch vom Sprachkurs in England. Nein. Ganz so stimmte das nicht. Es gab da schon ein paar Mädchen, die nicht so waren. Die gerne weiter mit ihr befreundet gewesen wären, weil sie sich mochten. Aber Sofia hatte einen Schlussstrich unter ihr altes Leben gezogen. Und alle und alles hinter sich gelassen. Außerdem hat sie gar keine Zeit mehr für Freundschaften.

Schließlich muss sie sich nicht nur um Simon kümmern, sondern auch um ihre Mutter. „Mami, Simon braucht neue Schuhe“, hat sie erst gestern gesagt und versucht, die dicke Mauer aus Tabletten und Gleichgültigkeit zu durchdringen. „Mir geht’s grade nicht so gut, frag Papa“, war die Antwort.

Frag Papa. Was würde er machen? Er würde sich kümmern, eine Lösung finden. In diesem Fall wohl vor allem: Geld verdienen. Sofia ist dreizehn und geht noch zur Schule! Aber sie ist ein großes Mädchen. Ein starkes Mädchen.

In den letzten Wochen hat sie angefangen, in der Pause mit ein paar Typen aus ihrer Klasse rumzuhängen. Eigentlich, nachdem Mandy, sowas wie die Anführerin der Mädchen, versucht hatte, sie fertig zu machen. „Du glaubst wohl, du bist was besseres?“ „Du wohnst in genau so ner dreckigen Sozialwohnung wie wir, ich hab dich heimgehen sehen, du Lauch. Du Bitch, du bist so wack….“ Sofia hatte zwar nicht den Wortlaut verstanden, aber wohl die Absicht. Früher, da hatte Papa sie zum Muay Thai-Training gefahren („Ich fände Ballett ja besser, aber vielleicht musst du dich mal verteidigen können“). Genau. danke Papa. Mandy war zu Boden gegangen. Und Sofia hatte eine neue Clique.

Sie wollte es sich nicht eingestehen, aber die Bewunderung der Jungs tat ihr gut. Sie lernte, Zigaretten zu drehen und Shisha zu rauchen. Eines Tages schenkte ihr Ben einen Minirock aus Kunstleder und sagte: „Den hab ich für Dich gefunden. Mach dich schön, wir gehen zu ner Party, die is lit af.“ Sofia verstand, dass sie nicht nein sagen konnte. Schweren Herzens löste sie ein mini Stück von Mamis Schlaftabletten in Simons Saft auf, legte ihn ins Bett und ging. Ben hatte nicht zu viel versprochen. Die Party war „echt cool“, wie Sofia sich ausdrückte. Es gab Bier und Wodka und Red Bull und Tabletten. Alles umsonst. Zum ersten Mal nach Papas Tod fühlte sie sich frei. Und gut.

Das ist jetzt vier Wochen her. Inzwischen hat sie kein schlechtes Gewissen mehr, wenn sie Simon die aufgelösten Schlaftabletten gibt. Der Kindergärtnerin hat sie gesagt, er hätte eine verschleppte Erkältung und sei deshalb tagsüber so teilnahmslos. Die Schule bringt sie irgendwie hinter sich. Sie ist immer noch besser als der Rest der Klasse, auch, wenn sie nicht lernt und keine Hausaufgaben macht. Der Lehrer lässt sie in Ruhe, denn sie hebt den Durchschnitt. Mandy macht einen Bogen um sie. Sie gilt als Bens Girlfriend. Er kauft ihr Klamotten, was zu essen, genug für sie und Mami und Simon, am Abend die Drinks und die Tabletten. Mehr als knutschen war bislang nicht drin, aber Sofia weiß, irgendwann wird sie sich revanchieren müssen.

Irgendwann war vor drei Tagen. „Süße“, hatte Ben ihr ins Ohr geflüstert und dabei immer wieder daran genagt. „Süße, meine kleine Bitch. Es wird Zeit, dass du mir zeigst, wie lieb du mich hast.“ Sofia hatte genug Wodka und Tabletten intus, um ihm als Antwort die Zunge ganz tief in den Hals zu stecken und sich rhythmisch an seinem Köper zu reiben. Aber das war es gar nicht, was Ben wollte. Er schob sie ein Stück von sich weg auf der abgewetzten, fleckigen Kunstledercouch und sagte, plötzlich ganz Businessmann: „Siehst du die drei Betties da drüben? Die sind echt Boyfriend-Material. Aber sie müssen noch auftauen. Mach mal.“ Und er legte ihr ein paar von den blauen Pillen in die Hand. „Nein, mach ich nicht“, hatte Sofia gesagt. Denn sie ist ein großes Mädchen. Ein starkes Mädchen. Sie zieht andere nicht mit runter.

Erstaunlicherweise hatte Ben sie nicht gezwungen. Aber am nächsten Tag auf dem Schulhof hat er sie am Arm gepackt und zum Zaun gezogen. Da standen zwei Männer, schwarz gekleidet, solche, die ihr Muay Thai-Trainer immer mit ganz harten Augen weggeschickt hatte. „Süße, wenn du keinen Stoff verticken willst, dann musst du was anderes machen. Ich hab wegen dir so viel Schulden bei den beiden hier gemacht, da musst du jetzt bezahlen helfen….“, sagte Ben.

Sofia hatte sich losgerissen und war in das Schulgebäude gerannt. Hatte ihre Tasche geholt, dem Lehrer gesagt, ihr sei schlecht, und war nach Hause gegangen, immer mit dem Gefühl, verfolgt zu werden. Zuhause hatte Mami Spaghetti gekocht, und sie saßen sich am Küchentisch gegenüber, es war fast wie früher. „Mami, ich hab da ein Problem“, hatte Sofia begonnen, ihr Herz auszuschütten. Aber ihre Mutter hatte schon wieder versonnen in die Pasta geschaut, nichts gegessen und nur abwesend gemurmelt: „Schatz, frag Papa.“

Als sie Simon vom Kindergarten abholte, fuhr ein schwarzes Auto hinter ihnen her, ganz langsam. In der Wohnung schloss Sofia die Haustür ab, zog die Vorhänge zu und legte sich mit Simon ins Bett.

Gestern Morgen hatte sie in der Schule angerufen und gesagt, „meine Tochter ist krank.“ Das gleiche hatte sie mit dem Kindergarten gemacht. Sie rührte sich nicht aus der Wohnung. Simon protestierte, ihm war langweilig, und den blöden Saft wollte er plötzlich auch nicht mehr trinken. „Der schmeckt so bitter, und dann ist mein Kopf immer soooo schwer.“ Sofia schaute den Schatten zu, wie sie sich über die Wände legten, und den Ameisen, die Simons verschmähtes Marmeladenbrot in unzählige Transportbrocken zerlegten und durch die Küche schleppten, wer weiß wohin.

Gestern Abend, Sofia war grade im Bad, hatte es an der Tür geklingelt, und Simon war schneller gewesen. Als Sofia dazukam, stand Ben da. Nur Ben. Er kam nicht rein, gab ihr ein kleines Päckchen und sagte: morgen holen sie dich ab. Tu, was sie dir sagen. Du hast deinen Bruder doch lieb. „Simon?“ fragte Sofia. „Simon!“ rief sie. Aber Simon war verschwunden.

Später, als sie auf dem Bett saß und ungläubig auf die Waffe starrte, die sie ausgepackt hatte, klingelte ihr Handy. „Hast du es dir überlegt? ja? Dann komm runter. Dein Bruder wartet im Auto. Wenn wir dir erklärt haben, was du zu tun hast, kannst du ihn mit rauf nehmen. Aber wenn du es dir morgen anders überlegst, ist er für immer weg. Wir wissen, wo er spielt….Klar?“

Jetzt bringt Sofia Simon zum Kindergarten. Wie jeden Morgen. Gibt ihm einen Kuss. Wie jeden Morgen. Um die Ecke wartet der schwarze Wagen. Sie steigt ein. Die Männer fahren mit ihr zu einer Garage, dort muss sie die Waffe abfeuern. Zur Übung. Es ist gar nicht schwer. Sie wird aus nächster Nähe schießen und braucht nicht wirklich zu zielen. Sie ist ein großes Mädchen.

Das Auto hält vor einem riesigen Gebäude, Stahl und Glas. Sie steigt aus. In der einen Hand hält sie ein Foto, in der anderen, in einem Beutel versteckt, die entsicherte Waffe. Sie wartet, und als der Mann auf dem Foto die Treppe hinunter kommt, steht sie vor ihm, sagt „Hallo“. Er lächelt sie freundlich an: „Hallo, Kleine!“ Und Sofia drückt ab.

„Nur wenige Minuten nach seinem Freispruch ist „Ali G. das Oberhaupt eines von zwei konkurrierenden Drogenclans, auf den Stufen des Gerichtsgebäudes erschossen worden. Tatverdächtig ist ein Kind, zwölf bis dreizehn Jahre alt. Die Polizei sucht nach dem Mädchen, das allerdings noch nicht strafmündig ist.“

Adventskalender Minikrimi am 4. Dezember


In der Weihnachtsbäckerei

Die Wochen vor Weihnachten waren in der „Nice to meat you“-Agentur traditionell die stressigsten des gesamten Jahres. Jeder Kunde, so schien es den erschöpften Mitarbeitenden, hatte plötzlich noch eine zündende Idee für einen last-minute-Flyer, um mit phlippinischem Balut, gefülltem Meerschweinchen oder gegrillter Nutria-Ratte verwöhnten Gourmands die letzten Kröten aus der Tasche zu ziehen.

Kein Wunder, dass zumindest die weiblichen Angestellten mindestens Flexitarier waren, viele tendierten inzwischen sogar zu veganer Kost. Als Nervennahrung in dieser hochaktiven Zeit kursierten demzufolge auf den Schreibtischen des 500 qm open space Offices keine frittierten Insekten, sondern Schokoriegel in allen Variationen. Und Plätzchen, natürlich.

Eigentlich hatte niemand nach einem 15-Stunden-Tag im Büro noch die Kraft, sich in die Küche zu stellen, Teig auszurollen und Bleche mit Ausstecherlis zu belegen. Niemand – außer Frau Schmitt. Frau Schmitt arbeitete als Sekretärin für die Marketing-Abteilung, und zwar schon so lange, dass niemand sich an eine Zeit erinnern konnte, als sie noch nicht an ihrem Schreibtisch gleich hinter der Glastür, direkt neben Kopierer und Faxgerät, gesessen hatte. Immer makellos gekleidet in unfarbige Twinsets und knielange Stoffröcke. In flachdunklen Schuhen. Mit weißblondem Pagenschnitt, der im Verlauf der Jahre wohl blondweiß wurde, ohne dass ein Unterschied zu sehen gewesen wäre.

Frau Schmitt passte weder zu den schwarzen Kostümkreativen noch zu den jovial Kragenlosen. Sie schwebte zwischen den Gegensätzen von Tradition und Moderne, von allen gebraucht und von jedem belächelt.

Aber einmal im Jahr, in der hektischen Vorweihnachtszeit, wurde Frau Schmitt über Nacht zum magnetischen Mittelpunkt des Büros. Zwischen dem 30. November und dem 1. Dezember schien sie sich gleichsam zu verpuppen, um dann, pünktlich mit dem ersten Adventskalendertürchen, als vanilleduftende, zuckerbestäubte Makronenfee zu erscheinen.

Natürlich war sie immer noch Frau Schmitt, und sie sah auch so aus. Wie immer. Fast. Denn manchmal klebte ein wenig Eigelb an einer Strähne ihres Pagenschnitts. Oder sie trug Puderzucker auf der Nase, sie, die ganz sicher noch nie mit Make-Up in Berührung gekommen war.

Jeden Tag trug sie in ihrer braunen Tasche Plastikdosen voll zerbrechlicher Vanillekipferl, knuspriger Florentiner und saftiger Golatsch an ihren Arbeitsplatz. Stellte sie in die Küche – und lud alle ein, sich zu bedienen.

Warum tut sie das? hatten sich Generationen von silhouettierten Mitarbeitenden gefragt. Ohne eine befriedigende Antwort darauf zu finden. Die Legende besagte, dass Frau Schmitt, deren Privatleben in der Agentur völlig unbekannt war, ihr Herz an den früheren Chef verloren hatte. Dieser wiederum liebte Linzer Golatschn über alles. Und so hatte sie versucht, über seinen Magen seine Liebe zu erlangen. Alle Jahre wieder. Und immer umsonst.

Inzwischen war die Agentur an ein erfolgreiches Ehepaar verkauft worden und hatte sich auf die exklusive Fleischbranche spezialisiert. Im Oktober hatte die Chefsekretärin gekündigt – sie hatte sich einen lukrativeren Posten geangelt, als Ehefrau eines Garnelenimporteurs.

Nur war die Not groß. Wer konnte das immense Arbeitspensum der Vorweihnachtszeit erledigen, ohne zu murren, ohne zu schludern oder zusammenzubrechen und vor allem, ohne eine Gehaltserhöhung zu fordern?

Da kam nur eine in Frage. Frau Schmitt. Jeder wusste es. Auch sie. Und sie begann bereits, ihren Schreibtisch zu ordnen und sich nach Schuhen umzusehen, die für den weiten Weg vom Büro der Chefsekretärin bis zu Kopierer und Faxgerät tauglich wären.

Aber dann lernte der Chef in einer Hotelbar eine ebenso kurven- wie listenreiche Brünette kennen. Sie versicherte ihm, Überstunden seien für sie kein Problem. Und in punkto Bezahlung war sie flexibel und akzeptierte auch Gold und Silber. So hieß es.

Jedenfalls zog nicht Frau Schmitt in den verwaisten Vorraum zum Chefsessel, sondern die junge Dame aus der Hotelbar. So hieß es.

Und Frau Schmitt saß mit ihren neuen Schuhen am alten Platz. Das hätte in dem 500qm großen open space Office keinen gestört – wäre der Zeitpunkt nicht so überaus ungünstig gewesen. Denn selbstverständlich gingen alle Mitarbeitenden davon aus, dass Frau Schmitt angesichts dieser schlechten Behandlung auf Rache sinnen – und dieses Jahr keine Plätzchen backen würden. Oder vielleicht würde sie sie ja backen, aber mit Sicherheit würde sich keines davon ins Büro verirren. Wie schrecklich!

In den schlimmsten Albträumen wurden die Bäckerein und Konditoreien in der näheren und weiteren Umgebung heimgesucht. Und allesamt für unwürdig befunden. Sie hielten dem Vergleich zu Frau Schmitts Gebäck natürlich nicht stand.

Wie groß war die Verwunderung, und unmittelbar danach die Freude, als, pünktlich am 1. Dezember, Frau Schmitt mit ihrer braunen Tasche in der Hand und Puderzucker auf der Nase den Raum betrat – eingehüllt in eine Wolke süßen Vanilleduftes.

Alle stürzten sich sogleich auf die unbeschreiblich saftig glänzenden Linzer Golatschn und waren sich einig: so gut wie in diesem Jahr waren sie Frau Schmitt noch nie gelungen.

Frau Schmitt indes schaute von ihrem Arbeitsplatz gleich hinter der Glastür auf das gefräßige Treiben und lächelte. Verschmitzt.

Es war dieses Lächeln, das die Polizei auf ihre Spur brachte. In Hausmantel und Lockenwicklern öffnete sie einem grimmig dreinschauenden Kommissar samt Assistenten – denn nur in Kriminalfilmen kommen die Beamten alleine und lassen sich überwältigen.

Auf die Frage, womit sie die Golatschn gefüllt habe, antwortete Frau Schmitt zunächst gar nicht. Sie wurde sehr rot im Gesicht, blickte zu Boden und gestand schließlich, die fertigen Plätzchen und auch die Johannisbeer-Konfitüre, mit der sie die dürftige Füllung per Hand aufgepeppt hatte, in einem Discounter erstanden zu haben. „Ich bin dort so schlecht behandelt worden, ich wollte ihnen einen Denkzettel verpassen. Sie sollten am eigenen Leib erleben, wie das schmeckt. Schlechte Behandlung.“

„Und deshalb haben Sie die ganze Belegschaft vergiftet?“

„Vergiftet? Um Gottes Willen, nein! Ich habe nur billige Plätzchen und billige Konfitüre gekauft und ihnen statt meiner leckeren Golatschn dieses Industriegebäck hingestellt. Damit ihnen der Appetit vergeht.“

„Frau Schmitt – die Leute, die Ihre Plätzchen gegessen haben, liegen im Krankenhaus. Ihr Chef und seine Sekretärin werden wahrscheinlich nicht durchkommen. Gestehen Sie endlich, dass Sie das Zeug vergiftet haben.“

Frau Schmitt konnte ihre Unschuld beteuern, so oft sie wollte. Sie kam in Untersuchungshaft. Der Kommissar und sein Assistent wollten partout keinen Zusammenhang sehen zwischen ihren Linzer Golatschn und einer Charge verdorbener Konfitüre eines großen Discounters, die in verschiedenen anderen Städten zu schweren Lebensmittelvergiftungen geführt hatte.

Adventskalender Minikrimi am 3. Dezember


Image by Stefan Keller from Pixabay
Rapunzel, lass dein Haar herunter
München, die Singlehauptstadt. Andreas hätte es schlechter treffen können mit dem Ort seiner Facharztausbildung. Da würde er neben einem netten Job und einer schönen Wohnung auch bald eine hübsche Freundin sein Eigen nennen. Das hatte er zumindest gedacht. Doch heute, gut zwei Jahre nach seinem Umzug aus dem unter medizinischen und landschaftlichen Aspekten sicher reizvollen, aber für einen Endzwanziger mit entsprechender Testosteronlast nur bedingt aufreizenden Städtchen war in Sachen Beziehung enttäuschend wenig gelaufen. Im Gegensatz zu Samson, seinem roten Kater, hatte Andreas bisher nicht einmal so etwas wie eine leidenschaftliche Affäre gehabt. Auch Krankenschwestern waren heute offensichtlich nicht mehr unbedingt auf charmanten Ärztenachwuchs aus. 
 
Aber dann geschah es: eines Morgens klingelte jemand an seiner Wohnungstür im ersten Stock eines renovierten Altbaus im Münchner Stadtteil Bogenhausen. Sturm. Eine Frau stand vor ihm, mit schulterlangen blonden Locken, wutsprühenden grünen Augen und einem Scharlachmund, dem wunderbar modulierte Alttöne entsprangen. Im ersten Moment dachte er tatsächlich, sie sänge. Dann hörte sie abrupt auf und starrte ihn erwartungsvoll an. Er schwieg fasziniert. „Haben Sie mich nicht verstanden? Das ist Katzenkot“, und sie hielt ihm einen offenen Gefrierbeutel vor die Nase. Der Geruch war eindeutig. „Soeben auf frischer Tat ertappt! Wenn Ihr elender Kater noch einmal in meine Rosen scheißt, bringe ich Sie um. Haben Sie mich jetzt verstanden?“ 
„Warum mich?“ fragte Andreas, als er sich von seinem Stupor erholt hatte. Aber die Worte rieselten von den Wänden, ohne sie zu erreichen. Sie war schon den Gang entlang und die Treppe hinabstolziert. Auf 10 cm Absätzen.
 
Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Zumindest von seiner Seite aus. Nach einer Woche wusste er genau, wann sie die Wohnung verließ und  wann sie wieder nach Hause kam. Sie musste im medizinischen Bereich tätig sein, vielleicht war sie Ärztin, genau wie er. Wenn das kein Zeichen war. Wie gut, dass er seinen romantischen Traum von der großen Liebe nicht aufgegeben und sich irgendeiner Patientin an den Hals geworfen hatte. Er hatte sich für sie aufgehoben. Das musste ihr gefallen.
Wenn er ihr morgens „rein zufällig“ an der Haustür begegnete, hielt er ihr diese galant auf. Hatte sie eine Tüte mit Abfällen in der Hand, ging er ihr voraus zum Müllhäuschen und hob den Deckel der Restmülltonne für sie hoch. Sie bedankte sich mit einem Lächeln, noch knapper als ihr Lederrock. Andreas fand es absolut in Ordnung, dass sie reserviert war. Er hätte nichts anderes von ihr erwartet. 
 
Nur sein Kater machte ihm zu schaffen. Der Kerl war ein Despot. Schon immer gewesen, seit er ihn vor 20 Jahren von der Straße gekratzt und zum Entsetzen seiner Mutter ins Haus geschleppt hatte. Ohne besondere Pflege hatte sich das Tier erholt,  bis auf den Verlust eines Auges und ein leichtes Humpeln hatte es keinen Schaden davongetragen. Zumindest körperlich. Psychisch, davon war Andreas überzeugt, war der Kater seither ziemlich abgestumpft. Bzw. war er ein Menschenhasser geworden. Auch Andreas wurde von ihm nur geduldet. Er ließ sich nie streicheln. Aber nachts lag er auf einem eigenen Kopfkissen in dem optimistischen Kingsize-Bett. Obgleich sie einander keinerlei Liebe eingestanden, waren die beiden unzertrennlich. Allerdings hatte Andreas keine Macht über den Kater, der über die Katzentreppe vom ersten Stock in die Gärten ging und wieder kam, wie er wollte. Seltsamerweise aber machte er sein Geschäft nie wieder in den Garten von Dr. Verena Mießtal – den Namen hatte das Klingelschild preisgegeben.
 
Nach einem Monat intensiven Werbens zwischen Haustür und Müllhäuschen ging Andreas zum Angriff über. An einem Sommerabend um 20 Uhr stand er vor ihrer Tür. Während des Heimwegs auf dem Rennrad von der Klinik und dann unter der Dusche hatte er sich den Verlauf des Abends ausgemalt. Nein, vorgestellt. Er wusste genau, was passieren würde. Und hatte sicherheitshalber das Fenster, an dem die Katzentreppe montiert war, geschlossen, um jedwede Störung ihrer ersten gemeinsamen Nacht auszusperren.
 
Es dauerte eine ganze Weile, bis sie ihm die Tür öffnete. Aber dann wurden seine kühnsten Erwartungen übertroffen.Da stand sie vor ihm, mit tropfenden Haaren, nur in ein Badehandtuch gehüllt. „Ja`?“ fragte sie, während sich um ihre Füße eine kleine Wasserlache bildete, aus der der Duft von Jasmin aufstieg.“Da bin ich“, sagte er, hielt ihr die roten Rosen entgegen, beugte sich ein wenig zu ihr herab – sie war etwas kleiner als er, nicht zu viel, nicht zu wenig – und küsste sie innig auf die halb geöffneten Lippen, am Ziel seiner Träume, endlich.
 
Aber dann: Filmriss! 
„Sag mal spinnst du? Du tickst ja wohl nicht richtig“ „Aber – ich dachte…“ „Du dachtest WAS? Nein, danke. Ich bin nicht interessiert!“
Während Andreas noch versuchte, ein paar passende Worte zu sammeln, passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Aus der Tiefe der Wohnung rief eine Stimme – hell, weiblich – „Was ist, Vreni? Soll ich die Polizei rufen?“ Und eine Frau, jünger als Verena, mit kurzem braunem Haar und ebenfalls nur in ein Badetuch gehüllt, trat aus dem Schatten des Flures. Eine rote Kugel flog mit markerschütterndem Gekreische an Andreas vorbei, landete im Gesicht der jungen Frau und durchpflügte es mit scharfen Krallen, bevor sie pfeilschnell in den ersten Stock hinauf verschwand.
 
Als Andreas am nächsten Abend nach Hause kam, lag der rote Kater tot auf dem Kopfkissen, äußerlich unverletzt.
 
Dr. Verena Mießtal konnte nicht ahnen, dass ihr Verehrer kürzlich am Rande einer Fortbildung aufgeschnappt hatte, dass der Wirkstoff Minoxidil, der in einem äußerst beliebten Haarwuchsmittel enthalten ist, schon in geringsten Dosen für Katzen tödlich ist, und dass Tierärzte das sehr wohl wissen, ihren humanmedizinischen Kollegen aber nicht sagen. Warum auch. Und wann. Sie hatte außerdem keinen Gedanken daran verschwendet, dass Andreas beim Erforschen ihres Lebens auch Kenntnis von ihrem Beruf als Veterinärin erhalten hatte. 
 
Nachdem er den leisen Geruch im Fell seines Katers identifiziert hatte, wartete er, still, gefühllos, geduldig, so lange abends am Müllhäuschen, bis Verena schließlich mit einer Abfalltüte in der Hand auftauchte. Der Messerangriff, der nur dank Verenas Gegenwehr nicht tödlich ausging, wurde als versuchter Raub behandelt, der Täter nie gefasst.
 
Sowohl Verena als auch Andreas verließen den wunderschönen Altbau in Bogenhausen. Hoffentlich in entgegengesetzte Richtungen.

Adventskalender Minikrimi am 1. Dezember 2019


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Ich möchte diesen ersten Minikrimi @dieKali widmen, der Metahasenbändigerin, Onkobitch. Weil ich ihre Kreativität bewundert habe, die trotz, wegen und in ihrer Krankheit aus ihr sprudelte, ihren Esprit, ihren Witz, ihren Mut. Bis zuletzt. Chapeau.

Schwanensee

Im Radio hatte er gehört, der Advent sei eigentlich eine Zeit, in der die Menschen aus ihrer Komfortzone heraustreten sollten. Eine Zeit, die auf die Grausamkeiten, die Schrecken und die Ungerechtigkeit der Welt hinweist. In den Straßen der Stadt war davon nichts zu spüren. Im Gegenteil – alles schien in Zuckerwatte eingesponnen, mit Makronenduft besprüht und von Glitzerlicht erhellt. Eine unwirkliche Bühne für ein unrühmliches Spektakel, das die schlechtesten Seiten unserer Konsumgesellschaft zur Schau stellte.

Er floh – wie so oft und immer öfter – in die Stille, joggte fast schon hastig  den Weg zum Stadtpark, durch das Tor, den Hügel hinauf und dann über die Wiese hinunter zum See. Der graue Weimeraner trabte routiniert rechts neben ihm, Herr und Hund: ein eingespieltes Team.

Der See lag heute in Nebel gebettet, die Wasserfläche ein schwarzes, regloses Auge, die Fichten am gegenüberliegenden Ufer wie lange Wimpern, Schneeflocken verfingen sich darin und rieselten herab, stille Wintertränen. Plötzlich löste der Weimeraner sich von der Seite seines Herrn, stand einige Sekunden reglos, mit der Nase Witterung aufnehmend, dann preschte er in eleganten Sätzen zum Ufer des Sees, ein Meistertänzer auf vier Beinen. Sein Besitzer starrte ihm nach, dann rief er. Er pfiff. Der Hund reagierte nicht, flog über das Gras, die Böschung hinab und blieb dann ganz unvermittelt stehen, die Pfoten in den mit Schnee und Schlamm vermengten Kies gestemmt, den Kopf schief gelegt, als beäugte er eine Beute. Dem Besitzer blieb nichts anderes übrig. als seinem Hund zu folgen. Weitaus weniger grazil erreichte er, schlitternd und fluchend, den Saum des Sees.

Der Weimeraner stand keine zwei Meter von ihm entfernt. Vor ihm lag ein weißer gefiederter Körper. „Der sterbende Schwan“, dachte der Mann unwillkürlich, denn die Szene vor dieser winterlichen Kulisse war ihm, dem Produzenten einer Vielzahl weltberühmter Ballettinszenierungen, mehr als nur vertraut.

Aber er korrigierte sich sofort. Das war weder ein Schwan, noch kämpfte das Mädchen  mit dem Tod um das Leben. Sein Körper war von weißen Federn bedeckt, sie bewegten sich mit den leisen Uferwellen auf und ab, auf und ab, das Echo eines erloschenen Atems. Er zwang sich, näher zu kommen. Die Federn waren nicht echt.  Billige Engelsschwingen, jetzt im Advent in fast jedem Dekodiscounter zu finden. Sie bedeckten die Schenkel, die Scham, den Bauch und die Brüste. Der Hals ragte lang und weiß aus den Federn hervor, umrahmt von rotbraunen Locken. Die Haarfarbe erinnerte den Mann an –

Er kniete sich neben die Tote. Beugte sich über sie, um das ihm abgewandte Gesicht zu betrachten, die blicklosen Augen auf die Fichten gerichtet, um den Hals eine Kette aus geronnenem Blut. Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn. Aber er sagte kein Wort, er dachte auch nicht ihren Namen. Stattdessen umfing ihn eine große, eisige Stille. Er sah hinüber zum anderen Ufer, an dem tatsächlich ein einsamer  Trauerschwan gelandet war und sein schwarzes Gefieder schüttelte.

Er wusste, wer seine Tochter getötet hatte. Er wusste, warum. Und er wusste, dass er ihr nichts entgegenzusetzen hatte.

Der Schwan glitt ins Wasser und setzte zum Abflug an. Der Mann sah eine Ballerina im schwarzen Tütü, wie sie ihre Arme hob und für ihn Pirouetten drehte, noch eine und wieder eine. Nadja war die Primaballerina seines Herzens gewesen, er hatte sich Hals über Kopf in ihren Tanz verliebt. Aber dann war die Erste Solistin von ihrer Erkältung genesen, Nadja war zurück ins Corps de Ballet gerückt worden, und der junge Produzent hatte die große Karriere, die internationalen Erfolge nicht mit Nadja erreicht, sondern mit ihrer Gegnerin, mit Silvana, dem weißen Schwan.

Er hatte Nadja und seine Liebesschwüre natürlich schnell vergessen. Vor allem, als Silvana ihm eine Tochter geschenkt hatte.  Flora. Ein neuer Stern am Balletthimmel. Eine neue Giselle, ein strahlender Schwan, eine perfekte Odette.

An den schwarzen Stamm einer Fichte gelehnt, starrte Nadja zu dem Mann hinüber, der sie seit dieser Schwanensee-Probe in all ihren Träumen verfolgte. Den sie verfolgt hatte. Nach dem Sturz, dem Karriere-Aus hatte der Wunsch nach Rache ihr Leben bestimmt.

Jetzt war da nur noch eine große, eisige Stille.

Nach zwanzig Jahren gingen sie sich entgegen, ohne aufeinander zu treffen. Zu tief war der See. An einem Wintertag im Advent wurden drei Leichen geborgen. Ein junges Mädchen mit durchtrennter Kehle und zwei Ertrunkene.

 

MiniKrimi vom 27. Dezember 2018


In den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Neujahr sind die Grenzen zwischen sichtbaren und unsichtbaren Welten bekannterweise sehr dünn, zuweilen sogar durchlässig. Kommt gut behütet durch die Zeit, und genießt den einen oder anderen Kurzkrimi. Heute ein Nachlese zum Heiligen Abend von Lydia Heck.

Tief verschneites Land

Selten,  sehr selten zeigt sich der Heilige Abend in dem Gewand, das wir von ihm erwarten. Tief verschneit und unter einem stahlblauen Himmel.  Dieses Jahr war alles perfekt. Die Landschaft um den Chiemsee herum lag unter meterhohem Schnee. In dem Hotel,  in dem das Paar Weihnachten verbringen würde,  zogen seit dem Morgen verführerische  Küchendüfte durch alle Räume.  Fast hatten die gut betuchten  Gäste das Gefühl,  zu Hause zu sein. Es war wie früher,  als die Mutter im Morgengrauen die Weihnachtsgans ins Rohr geschoben hatte. Und der Geruch des Bratens den ganzen Heiligabend begleitete.

Das war kein Zufall. Der Sternekoch,  der dieses Hotel ein paar Jahre zuvor, entgegen dem Rat seiner Kollegen, verwirklicht hatte, wusste genau, was seine Gäste an diesem Tag und an diesem Abend brauchten. Es war die Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit, welche an diesem Abend viele Menschen auf der Welt umtrieb. Jeder der solventen Teilnehmer an diesem besonderen „Abendmahl“ hatte seine ganz eigenen, gut gehüteten Gründe,  nicht im trauten Kreis einer Familie zu feiern. Und weder der Champagner zum Entree noch die zehn Gänge des Festessens auf zwei Sterne Niveau konnten darüber hinwegtäuschen. Genauso wenig wie die erlesenen Weine und Spirituosen,  die in Strömen flossen.

Selbstverständlich besuchte man später die Christmette in Aschau. Ein kleines Dorf,  dessen hellster Stern besagtes Hotel geworden war. Inklusive der Zwei Sterne-Küche. Nach der Christmette waren auch die letzten Hotelgäste von einem wohligen Gefühl erfüllt. Dieser Heiligabend war gelungen – und jeden Euro des mehrstelligen Betrages wert, den sie darin investiert hatten. Ganz sicher waren sie sich vorher nicht gewesen.  Die Erleichterung,  den Abend trotz der vielen unterschwelligen Probleme und der Einsamkeit so stilvoll im perfektem Rahmen absolviert zu haben,  gab ihnen Recht.  Sie hatten sich nichts vorzuwerfen.  Sie waren die einsame Spitze dieser Gesellschaft.

Niemand bemerkte den älteren Mann beim Verlassen der Kirche. Er lag zusammengekauert am Rande des Weges, zwischen dem Hotel und der Kirche.  Herr Klein hatte ein renommiertes Unternehmen aufgebaut.  Zusammen mit seiner Frau.  Im November war sie gestorben.  Die beiden Kinder waren schon lange aus dem Haus. Sie führten ihr eigenes Leben.  So hatten Herr Klein und seine Frau sie erzogen.  Stolz waren sie immer auf die Selbständigkeit ihrer Kinder gewesen. Herr Klein hätte seine Kinder  daher nie gefragt,  ob er das Fest bei ihnen verbringen dürfe.  Ein paar Gläser Wein zu viel  an diesem Abend, an dem niemand mehr als ein paar oberflächliche Worte mit ihm gewechselt hatte.  Er war nie ein Meister des Smalltalks gewesen, und selbstverständlich war keiner daran interessiert, die Trauer in seinen Augen näher zu ergründen. Mitmenschliche Gefühle war im Preis nicht inbegriffen.

Ob die anderen Gäste ihn auf dem Rückweg ins Hotel nicht sahen oder nur nicht sehen wollten? In den hellen, warme Räumen gab es noch eine hervorragende Feuerzangenbowle,  begleitet von Andersen Geschichte vom Mädchen mit den Streichhölzern, vorgetragen von einem bekannten Schauspieler. Allen waren sehr berührt. Halleluja.