Bunt bunt bunt sind alle meine Farben…….


Mal was Erheiterndes……  Auch nach sechs Monaten Abwesenheit ist das Haus noch tipptopp in Ordnung. Nicht einmal Staub hat sich nennenswert niedergelassen, auf den Horizontalen. Auch die Anzahl der Toten hält sich in Grenzen. Wespen, Spinnen, Fliegenleichen kauern nur in ein paar Fensterecken.

Doch in der Küche hat sich buntes Leben popart-artig regenbogengleich entfaltet.

Hinter verschlossenen Kühlschranktüren haben sich Senf, Matjes und Co. zu einem vielfarbigen Happening vereint. Ohne Vorwarnung durchbrechen die ausströmenden Gerüche alle nasalen Dezibelgrenzen. Rot blau gelb und grün schillern Türdichtungen, Türverkleidung und Kühlschrankböden.

Ich mache das einzig Richtige. Ich werfe die Tür wieder zu und greife zum Telefon. Hier helfen weder Clorix noch Sagrotan. Hier hilft nur ein neuer Kühlschrank.

„Das passt doch wunderbar. Dieser hier hatte sowieso ausgedient. Aber ein ordentliches Gefrierfach muss der Neue haben“. Wunderbar, wie pragmatisch meine Mutter sein kann!

Und dass heute früh ein Wasserfall herausgeflossen ist, aus dem „Neuen“ – hm. Darum kümmert sich der Elektrogerätehändler am Ort. Gleich morgen, bevor der Schimmel einzieht.

So ein Dorf wäre vielleicht ein Alternativmodell angesichts des demographischen Wandels. Der Apotheker fragt, „wie geht’s ihr denn?“ Und sagt: „schicken Sie sie mir vorbei, zum Blutdruckmessen…“ Die Nachbarn bitten um einen gefälligen „Deal“: Garagenbenutzung gegen Rasenmähen…… Nur für den täglichen Mittagstisch habe ich noch keine Lösung gefunden…. habt ihr da eine Idee?

Mein Kampf


Das Gedächtnis meiner Mutter ist wie ein Aprilhimmel. Oder ein Junihimmel. In diesem Jahr. Sie lehnt in der Tür, so klein und faltig in Gesicht und Hosen. Der Rückzug ist nicht nur innerlich. Auch dem draußen entzieht sie sich immer mehr, in einem globalen Schrumpfungsprozess. Vergessen das Drama vor einer Stunde. Worum ging es noch? Medikamente? Das Auto? Der Hund? Sie schaut mich an. Sagt: „Weißt du, wenn ich in deiner Situation wäre und meine Mutter hätte diese Krankheit (sie vermeidet den Namen, umgeht und umschreibt ihn, schützt Vergessen vor, wobei dies vielleicht ihr letztes erinnertes Wort sein wird, so, wie ich sie kenne), dann würde ich Mitleid mit ihr haben. Ich würde sie bewundern dafür, wie stark sie ist, wie sie um ihre Unabhängigkeit kämpft! Aber du….“ Weiterlesen „Mein Kampf“