AdventsKalender MiniKrimi vom 9. Dezember


 

Es ist alles wahr!

„Wie kommen wir darauf, zu glauben, ein Außenseiter wie Donald Trump sei Präsident geworden, weil die Mehrheit der Amerikaner ihn gewählt hätte? Dass dahinter ganz andere Mächte stecken ,ist jedenfalls viel mehr als eine Hypothese“. Silvia ist plötzlich hellwach. Ihr Radiowecker hat sie nicht nur in die Realität geholt, sondern in klaren Worten ausgedrückt, was sie die ganze Zeit fühlt. Da sind viel zu viele Zufälle in der Welt. Von der Ermordung von Prinzessin Di über das Attentat vom 11. September bis zum Krieg in Syrien und dem Wahlerfolg von Donald Trump. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. „Und jetzt sagen sie es auch schon im Radio, na bitte. Ich habe also Recht“, sagt Moni eine Stunde später zu ihrer Lieblingskundin Frau Rosenbaum, während sie die gelben Fußnägel schneidet und dann mit einem elektrischen Hobel die rötlichbrauen Hornhaut reduziert. „Wie meinen Sie das?“ fragt Frau Rosenbaum und schiebt sich mit der linken Hand einen Schokotrüffel in den Mund, während sie gleichzeitig mit der rechten einem schnaufenden Pekinesen eine Zartbitterpraline vor’s Mäulchen hält.

„Na das ist doch sonnenklar“, nuschelt Silvia hinter dem Mundschutz. Unglaublich, der Geruch von Frau Rosenbaums Nägeln geht sogar durch den dichten Stoffilter durch. Ekelhaft. „Diese Verschwörungsmafia wird immer gröscher“, sagt die Rosenbaum jetzt durch den Schokotrüffel hindurch. „Mein Bruder muschte seine Putzfrau kündigen. Die hat doch tatsäschlisch behauptet, dass die Rotschilds von Amerika aus Strahlen in ihre Wohnung schicken, um sie zu foltern, damit sie sisch nackt zeigt. Als ob die jemand hätte nackt schehen wollen! Und dann hat sie meinem Bruder unterstellt, dass er mit den Rothschilds unter einer Decke schteckt.“ „Und? Steckt er?“ fragt Silviia. „WIe bitte?“ Frau Rosenbaum schießt einen Torpedoblick auf sie ab, der so gar nicht zu ihrer normalen Harmlosigkeit passt. Sie ist eine von ihnen, fällt es Silvia da wie Schuppen von den Augen. Und dann fallen alle Puzzleteile zusammen und ergeben ein schlüssiges Ganzes. Warum sie drei Kunden verloren hat, seit sie der Rosenbaum die Nägel schneidet. Warum ihr die Haare ausfallen, vermehrt, und warum sie urplötzlich einen Heißhunger auf Cognacpralinen entwickelt hat – wobei sie diese bislang nicht mal mit der Kneifzange angefasst hätte.

„SIE stecken mir DENEN unter einer Decke! Wahrscheinlich haben Sie oben auf dem Dachboden Ihrer Villa eine Kommandozentrale. Deshalb auch die vielen Satellitenschüsseln Von wegen ausländische Fernsehsender. SIE…. SIE…. SIE sind SCHULD! Aber Sie haben einen Fehler gemacht. Sie haben mich unterschätzt! Sie haben mir nicht mal 50 Cent Trinkgeld gegeben, wenn ich Ihre schmutzigen, stinkenden Füße bearbeite. Sie Blutsauger Sie. Aber Sie unterschätzen mich nicht nochmal.“ Sie nimmt ihre Profnagelschere mit der 6-Zentimeter-Klinge und rammt sie der völlig überraschten Frau Rosenbaum in den Hals. Gelernt ist gelernt.“ Igittigitt, denkt Silvia, als das Blut auf den cremenfarbenen Teppich und die Samttepete spritzt. Dann geht sie in die Küche, reißt einen großen Bogen Alufolie vom Halter, faltet sich einen breitkrempigen Hut und verlässt das Haus. „Der Kampf hat begonnen“.

 

Beste Freundinnen


Ein Vorwurf hat mich von Kindheit an begleitet. „Du bist irgendwie anders. Nicht wie andere Mädchen. Teenager. Frauen. Du hast keine beste Freundin.“ Und ja. Es stimmt. Ich hatte so was nie…..nötig, vielleicht.

Während andere Mütter sich täglich am Sandkastenrand trafen – dem waren zweistündige Vorbereitungsorgien zwischen Kleiderschrank und Schminkspiegel vorausgegangen, ihrem Aussehen nach zu urteilen – und sich auf Krabbeldecken an Zigaretten, „Latte“ und Klatschgeschichten labten, hockte ich abseits unterm Baum und schrieb. Oder ich las. Während andere „Mädels“ sich nach der Arbeit zum gemeinsamen Schwitzen ins Workout-Studio oder auf die Joggingpiste begaben, fuhr ich – im Auto, nicht mit dem Rad! – nach Hause. Und las. Oder schrieb.

Während sich andere Frauen am Elternstammtisch trafen, den sie als willkommene Gelegenheit zu vorherigen gemeinsamen Shopping-Exzessen in einschlägigen Outlet-Stores oder Fußgängerpassagen nutzten, schrieb ich meinem Sohn den einen oder anderen Schulaufsatz. Oder ich las seine Kinderbücher.

Seit einiger Zeit habe ich mich geändert. Streckenweise. Ich habe eine Freundin, mit der ich tanzen gehe, zuweilen. Und eine, mit der ich liebend gern neue Geschäftsideen entwerfe. Und in die Tat umsetze (www.mord-a-la-carte.de !!!!). Ja. Wahrscheinlich entdecke ich auf meine ansatzgrauen Tage doch noch meine Weiblichkeit. Und erkenne den Wert von BESTEN FREUNDINNEN.

Die beiden wichtigsten möchte ich euch nicht nur vorstellen, sondern ans Schneckenherz legen! Weiterlesen „Beste Freundinnen“