Die Osterferien haben begonnen. Die Osterhasen und Ostereier werden in den Geschäften schon knapp. Genauso wie die Osterdeko-Artikel. Osterrezepte für den perfekten Osterbrunch laufen in den Social Media zu Höchstformen auf, je bizarrer, desto klickiger.
Wenn man sich diese Woche nicht mehr sieht, wünscht man sich allenthalben „Frohe Ostern“, und alle Jahre wieder fürchten Kund*innen und Verkäufer*innen den Run am Ostersamstag.
Bei soviel „Ostern“ – acht Mal allein in diesem kleinen Absatz – sollte man meinen, alle wüssten, worum es bei den kommenden Feiertagen geht. Weit gefehlt. Heute Morgen schaute ich auf Instagram einen Beitrag von @schleichbildung zum Karfreitag. Praxisnah aufbereitet für Schüler*innen ab der 6. Klasse und alle Erwachsenen, von Millennials bis Gen Z. Wir Boomer wissen wahrscheinlich noch, worum es zu Ostern geht, und wir kennen den Unterschied zwischen einem Milka Goldhasen im Garten und Jesus in Gethsemane. Viele jüngere Menschen wissen das nicht, ganz gleich, ob sie christlich getauft oder in einem Land mit christlicher Prägung aufgewachsen sind oder nicht.
Weihnachten, ok, das hat was mit einem Neugeborenen in einer Krippe zu tun, und weil der Geburtstag hat, gibt’s Geschenke für alle. Warum der Weihnachtsbaum da steht, ist egal, mit der jährlich wechselnden oder über Generationen tradierten Deko ist er ein cooles Ausstellungsstück, und man kann sich damit so gut mit Freund*innen und Bekannten messen.
Aber Ostern? Puh, nö, keine Ahnung, oder? Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) zeigt, dass ein gutes Drittel der Befragten (35 Prozent) Ostern als religiöses und kulturelles Fest sehen („teils, teils“). 15 Prozent betonen den religiösen Charakter, 22 Prozent den kulturellen. 9 Prozent sehen Osten als ein „vor allem kulturelles“ Fest. Für 11 Prozent handelt es sich beim wichtigsten Fest für Christinnen und Christen „vor allem“ um einen religiösen Anlass. Der Rest machte keine Angaben.
Ja, klar. Die frühen Christen haben Ostern geklaut. Ja nein. Ostern lehnt sich an das jüdische Pessachfest an, und schon immer haben Menschen das Ende des Winters gefeiert und den Frühling begrüßt.
Nach Einführung des gregorianischen Kalenders (1582 durch Papst Gregor XIII.) einigte sich die westliche Kirche, Ostern am ersten Sonntag zu feiern, der dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn folgt.
Aber Ostern ist bezüglich seiner Aussage viel „christlicher“ als Weihnachten. Auch, was seine Symbole betrifft: Der Hase war nicht nur das Heilige Tier der germanischen Frühlingsgöttin Ostara; In Byzanz war der Hase in der Tiersymbolik ein Symbol für Christus. Eier wurden in Rom Verstorbenen ins Grab gelegt, aber für die Urchristen war das Ei Symbol des Lebens. Christen leiten den Namen „Ostern“ von Osten ab, weil Maria Magdalena und die Frauen am leeren Grab nach Osten Richtung Sonnenaufgang schauten. Ostara als Namensgeberin liegt aber für mich genauso nahe. Abgesehen davon wird Ostern in den Romanischen Sprachen vom jüdischen Pessach abgeleitet.
Die Verbindung von Hase und Eiern hat wirklich keinerlei religiösen Ursprung. Warum ausgerechnet Meister Lampe die Eier bringt, weiß aber heute keiner mehr so recht. Der Brauch geht aber bis ins 17. Jahrhundert zurück.
Mich nervt es jedes Jahr, dass die Leute die Plastikeier praktisch gleich nach dem Aschermittwoch an die kahlen Äste hängen und überall Häschen aufstellen. Leute, will ich dann immer rufen: Die Osterzeit beginnt am Ostersonntag und keine Stunde früher. Dafür
dauert sie dann 50 Tage, nämlich bis Pfingsten. Da werde ich dann oft schief angeguckt, weil bei mir die handbemalten Eier bis Pfingstsamstag hängen.
Aber was soll’s. Ich übe mich in diesem Jahr – dank der Fastenaktion der EKD „7 Wochen ohne“ – ganz besonders in Toleranz. Mit wechselndem Erfolg, zugegeben.
Und eigentlich hat Ostern auch christlich betrachtet ganz viel mit dem Frühling zu tun. Pfarrer Frank Muchlinsky hat das in der letzten Fastenmail in diesem Jahr so treffend und anschaulich formuliert, dass ich nicht umschreiben mag, sondern ihn zitiere:
„Das Leben kehrt zurück. Dieser Satz passt ja auch gut zu Ostern, und so ist es kein Wunder, dass Blüten und Eier und Hasen und das leere Grab Jesu eine bunte Verbindung eingehen. So fällt es manchmal schwer, die Woche vor Ostern noch einmal ganz anders zu feiern als mit sprühender Lebensfreude, wenn doch ringsum bereits Frühling ist. Aber natürlich kann das Leben nur dann „zurückkehren“, wenn es vorher fort war.“ (…)
„Das Leben ist zurück, und mit ihm außer der Freude eben auch alles andere, was das Leben ausmacht. Die Toten ruhen in Frieden, die Lebenden sind bedroht. Wenn im Frühling „das Leben zurückkehrt“, beginnt der Konkurrenzkampf – um den hellsten Platz auf dem Waldboden, um die besten Nistplätze, die fetteste Beute. Das neu Geborene ist besonders bedroht. Leben bringt immer Unsicherheit und Furcht mit sich, auch zu Ostern. Aber eines hat sich geändert: Die Angst vor dem Nichtsein ist fort. Das Leben bleibt bedrohlich, aber nicht der Tod.“ (…) Er „ist nicht Auslöschung, sondern ein Winter, in dem Leben anders läuft, bis es wieder Frühling wird.“
Aber damit wir diesen Frühling auch in uns erleben, müssen wir erst einmal auf den Winter schauen. Auf den Tod. Das tue ich morgen. Und vielleicht schaue ich nicht nur auf den Tod Jesu Christi, sondern auch auf die Tode all der Menschen, die ich kannte, die ich liebte. Und ganz vielleicht lasse ich auch den Gedanken daran zu, dass auch ich endlich bin. Im Licht der Ereignisse von morgen bis Sonntag könnte ich das ohne Furcht und mit Vertrauen. Vielleicht. Denn zumindest glaube ich daran, dass es nach meinem Winter wieder Frühling wird.
Wie geht es euch mit diesen Tagen? Schreibt es mir in die Kommentare.
Und ja – ich weiß, die Welt versinkt auch und gerade jetzt in einem Winter aus Kriegen, Hass und Not. Aber nur, wenn ich selbst an den Frühling glaube, kann ich, in meinem winzig kleinen Kreis, etwas ändern. Und ihr wisst es ja von den Steinen, die ihr in einen Teich geworfen habt: die Kreise werden größer.
Zum Bild: Es gibt ja nicht nur die Oster-Hasen! Die Dackel kommen auch noch mit ins Spiel. zumindest bei mir.
