MiniKrimi Adventskalender am 23. Dezember


Bevor ihr in andächtig gemütliche Weihnachtsstimmung verfallt, lest erst einmal den Krimi von Lydia H. Und dann bleibt wachsam!

Oh Tannenbaum

Da die schöne Dachgeschosswohnung nach dem Ableben des Ehepaares Hochmut leider – oder glücklicherweise – verwaist war, begab es sich, es war kurz vor Heiligabend, dass eine neue Familie in die tief verschneite Minervastraße zog. Diese Gelegenheit konnten sich Marie und Joschka, beide 35, einfach nicht entgehen lassen. Vor einem Jahr noch hätten sie von einer so teuren Wohnung in einem so noblen Ambiente nicht einmal zu träumen gewagt. Als selbständiger Schreiner verdiente Joschka nicht wirklich viel, und Marie war seit der Geburt der Zwillinge Hausfrau. Eine unerwartete Erbschaft war ihr Weg aus der Armut und der Mietskaserne in einem sogenannten Münchner Glasscherbenviertel gewesen.

Der Umzug kam genau zum richtigen Zeitpunkt, denn Marie stand kurz vor der Niederkunft mit ihrem dritten Kind. Der ausgezählte Termin war Heiligabend. Ein Junge sollte es werden, und Christian sollte er heißen, sehnsüchtig erwartet nach den Zwillingen Clara und Mara, 6 Jahre alt. Die schäbige 3 Zimmer Wohnung war schon mit 2 Kindern eine Herausforderung gewesen. Nun würden die Mädchen ihr eigenes Reich bekommen, und Christian auch. Joschka würde die Kinderzimmer liebevoll mit fantasievollen Holzmöbeln einrichten, und Marie nähte Gardinen mit Sonne, Mond und Sternen.

Flashback

Genau an Heiligabend, ein Jahr zuvor, hatte ein großes Unglück seinen Lauf genommen. Petra, Maries 20 Monate jüngere Schwester, hatte sich kurzfristig selbst bei der Familie zur Weihnachtsfeier eingeladen. Nach der plötzlichen Trennung von ihrem damaligen Freund stand sie an Heiligabend alleine da. Die Eltern der Schwestern waren schon lange tot, und weitere Verwandte gab es nicht. Petra war in allem das genaue Gegenteil von Marie. Sie lebte auf großem Fuß, was sie ihren wechselnden, aber immer sehr wohlhabenden Lovern zu verdanken hatte. Petra war nicht nur sehr schön, sie hatte auch etwas Verführerische an sich, dem ihre meist deutlich älteren Männer nicht widerstehen konnten. Natürlich hatte Petra auch etwas nachgeholfen, was sie aber niemals zugegeben hätte. Neue große Brüste, eine aufwändige vergrößernde Neugestaltung der gesamten Augenpartie, aufgespritzte Lippen, Extensions in den pechschwarz gefärbten Haaren. Das Ganze komplettiert durch schwindelerregend hohe Louboutins und enganliegende, sündhaft teure Kleidung. Von ihrem Makeup ganz zu schweigen.

Volle 2 Stunden verbrachte Maries Schwester täglich damit, sich herzurichten. Eine gute Investition, fand Petra. Und ihr Kontostand gab ihr Recht. Nur der letzte Coup war ihr bislang misslungen. Ihr letzter Ex – ihre Reihe an lukrativen Exfreunden war länger als die Maximilianstraße – hatte bei Petras Verlangen nach einem sündhaft teuren Penthaus in Bogenhausen dann doch kalte Füße bekommen. Bei 3 Millionen Euro und Petras zuckersüß unterbreitetem Vorschlag, sie doch als alleinige Besitzerin einzutragen, weil sie ihn ja sowieso nach der Hochzeit (möglichst zügig, aber das sagte sie nicht) beerben würde, war dann wohl sogar für den 75-jährigen Edward zu viel gewesen. Offenbar hatte seine Liebesblindheit materielle Grenzen. Ein blöder Fehler, aber nach einem Jahr Hinarbeiten an den „alten Sack“, wie sie ihn Freunden gegenüber nannte, war Petra ungeduldig geworden. Bei ihren bisherigen Männern war sie schließlich immer deutlich schneller ans Ziel gekommen und musste auch nur 2 Mal etwas nachhelfen. Unauffällig, diskret und elegant natürlich, was angesichts des fortgeschrittenen Alters ihrer Zielgruppe nicht schwer gewesen war.

Und nun sah Petra sich gezwungen, Heiligabend mit ihrer armen Familie zu verbringen. Mit Grausen sah sie die alte und immer frisch gebohnerte Treppe vor sich, die ihr wegen der hohen Schuhe schon beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Einen Aufzug gab es in der Mietkaserne aus Vorkriegszeiten natürlich nicht. Selbstverständlich brachte sie das Abendmahl mit – wer weiß, was ihre Schwester ihr sonst zu essen angeboten hätte. Am Ende sogar Wiener Würstchen vom Discounter mit Kartoffelsalat! Also holte Petra aus einem üppigen Picknickkorb Gänsestopfleber, warme Brioches. Dazu natürlich eine Kiste Dom Perignon, um Petra in die Lage zu versetzen, diesen Abend mit Anstand durchzustehen. Nur ein einsamer Abend zuhause wäre noch unerträglicher gewesen.

Auch für angemessene Weihnachtsschmuck würde Petra sorgen.  Schließlich hatte sie im letzten Jahr von Edward eine Kollektion kostbaren antiken Weihnachtsschmuck geschenkt bekommen, dessen Krönung ein wunderschöner silberner Stern war. Nur die Besorgung des Tannenbaumes hatte sie ihrem Schwager überlassen. Nicht ohne genaue Instruktionen natürlich. Darum machte Petra sich schwankend – sie hatte den Champagner doch kosten müssen – auch schon um 17:00 Uhr auf den Weg zu ihrer Familie. Die zur Feier des Tages besonders hohen Stilettos verliehen Petra schon im nüchternen Zustand, was allerdings nicht oft vorkam, den Gang eines Matrosen auf hoher stürmischer See.

Der Heilige Abend verlief unspektakulär und soweit nach Plan. Jedenfalls bis Petra die zweite Flasche Champagner intus hatte. Die Kinder waren im Bett, und die Erwachsenen ließen den Abend ausklingen. Da begann Petra, eigentlich mehr aus Gewohnheit denn aus echtem Interesse, ihrem Schwager schöne Augen zu machen, und dieser, unter dem Einfluss einer beträchtlichen Menge Alkohol, schien nicht abgeneigt zu sein. Schließlich hatte seine Schwägerin bis dahin nur Häme für ihn, den Versager, übriggehabt. Nach einer weiteren Flasche Dom Perignon platzte Marie schließlich der Kragen. Schon in ihrer Kindheit hatte Petra ihr mehrmals den Mann ausgespannt. Sie schmiss Petra regelrecht raus. Diese wiederum forderte lautstark ihren exklusiven Weihnachtsschmuck zurück, was Marie und Joschka sofort in die Tat umsetzten. Zuoberst in dem schweren Karton kam der Weihnachtsstern zu liegen. Eine Absicht konnte den beiden später nicht nachgewiesen werden.  Immerhin erreichte Petra noch die 2. Etage, bevor sie auf der spiegelglatten Treppe ausrutschte und unter Gepolter im ersten Stock zu liegen kam. In einer großen Blutlache. Der Weihnachtsstern hatte ihr das Herz durchbohrt.

1 Jahr später

Christian kam tatsächlich an Heiligabend zur Welt, und machte das Glück von Marie und Joschka perfekt. Es war die erste Hausgeburt in der Minervastraße, und alle anderen Hausbewohner ließen es sich nicht nehmen, den kleinen Christian auf dieser Welt zu begrüßen. Die ganze heilige Szenerie wurde erleuchtet von dem funkelnden Weihnachtsschmuck, der, neben 2 Millionen Euro, Teil des Erbes von Petra gewesen war. Und über allem aber strahlte der silberne Stern.

In diesem Sinne wünscht Euch die gesamte Minervastraße gesegnete, unfall- und natürlich mordfreie Weihnachten. Seid wachsam!

Adventskalender MiniKrimi am 19. Dezember


Meine Allerlieblingsgeschichte. Ich könnte sie jedes Jahr wieder schreiben. Und danach lesen. Und Ihr?

Warum Krampus eine Windel trug

Artemis und Isidora waren Geschwister. Sie lebten in einem Altbau mitten im Münchner Stadtteil Schwabing, ganz in der Nähe des Englischen Gartens. Bis vor einem halben Jahr wohnten sie noch in Hamburg. Doch dann war ihre Mutter, die bei einer großen Werbeagentur arbeitete, nach München versetzt worden. Meistens wollen Kinder ihr gewohntes Umfeld nur ungern verlassen – ungezählte „Herzkino“-Filme handeln davon, wie sie sich zunächst sträuben, dann durch irgend einen meist dramatischen Umstand neue Freunde finden, Teenager verlieben sich auch oft – und am Ende weinen sie dem Meeresrauschen im hohen Norden und den Szenecafés von Blankenese keine Träne mehr nach und sind stattdessen ganz versessen auf Floßfahrten und Zelten entlang der Isar.

Artemis und Isidora hingegen waren gerne nach München gezogen, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Artemis war mit seinen 15 Jahren ein in einschlägigen Kreisen anerkannter Hacker, und einige seiner virtuellen Kollegen lebten in und um München. Die WizKidz von heute gehen viel gelassener mit ihrer Anonymität um, bzw. haben sie längst verstanden, dass nur der keine digitalen Spuren hinterlässt, der so wenige wie möglich macht. Briefe, Telefon und persönliche Treffen sind ihrer Meinung nach bedeutend sicherer als Konferenzen im Netz, ob hell oder „dark“. Für Artemis bedeutete die Veränderung also größere Nähe und kürzere Wege.

Isidora hingegen war von einer Zickengang an ihrer Mädchenschule gemobbt worden, und zwar ziemlich übel. Einmal hatten sie einen Tankini in ihrem Mathe-Hausaufgabenheft versteckt. Ihr Lehrer, ein junger Typ mit blonden Locken, auf den sie tatsächlich total stand, hatte das Teil mit seinem Kuli aus dem Heft gefischt, sie angegrinst und erklärt: „Meine Freundin trägt nur Badeanzüge.“ Danach war Isidora so lang nicht zur Schule gegangen, so lange, bis das Fieberthermometer beim Aufheizen auf dem Induktionsherd zersprungen war. Kurz vor den Sommerferien hatten die Zicken ihr die Reifen ihres Fahrrads zerstochen. Nein, Isidora war glücklich, Hamburg den Rücken zuzukehren.

Es gab aber noch einen anderen Grund, weshalb die Geschwister dem Umzug beinahe entgegengefiebert hatten: sie wünschten sich schon seit langem einen Hund. In Hamburg hatten die Eltern immer ein Argument gefunden, um diesen Wunsch abzulehnen: Der Vermieter erlaubte keine Haustiere, weit und breit war kein Park in der Nähe, das Tier wäre den halben Tag alleine gewesen. Hier in München aber waren die Bedingungen perfekt. Der Altbau mit seinen knarzenden Holztreppen, dem Geruch nach Grünkohl aus der Hausmeisterwohnung und vor allem mit dem Englischen Garten direkt vor Tür war wie geschaffen für eine Fellnase. Tatsächlich lebten dort auch schon eine Dogge und eine Katze. Hinzu kam, dass ihr Vater als freier Journalist für den Deutschen Tierschutzbund arbeitete – und das meist von zu Hause aus. Und wenn er mal reisen musste: sein Arbeitgeber konnte schlecht was gegen einen Hund im Gepäck haben! Aus unerfindlichen Gründen schienen die Eltern jedoch immer noch nicht mitzuziehen. „Lasst uns erstmal ankommen.“ „Vielleicht zu Weihnachten.“ „Seid Ihr sicher, dass Ihr nicht allergisch seid? Wir lassen Euch lieber erstmal testen.“

Da beschlossen die Geschwister, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Und so saßen Artemis und Isidora, Art und Isi, wie sie von ihren Freundinnen und Freunden genannt wurden, am Esstisch, vor sich eine Zeitung, die sie in ihrem Briefkasten gefunden hatten. „Hallo München“, ein Werbeblatt voller Anzeigen. Vom Bügelbrett über Häuser, Autos, Briefmarken bis zu erotischen Diensten wurde dort alles angeboten. Auch Hunde. „Schau mal, Arti, der sieht doch voll süß aus!“ Isi zeigte auf das Foto eines kleinen schwarzen Hundes mit einem weißen Fleck über dem rechten Auge. „Australian Shepherd Welpen, reinrassig. 3 Monate, 250 Euro.“ Genau soviel hatten die beiden bereits zusammengespart!

Art fand es schon seltsam, dass in der Anzeige kein Name stand, sondern nur eine Handynummer. Als er dort anrief, meldete sich eine Frau in gebrochenem Deutsch. Ja, genau dieser Welpe sei noch zu haben. Natürlich sei mit ihm alles in Ordnung. Er sei ein ganz besonders schöner Hund. Sie verlangte Arts Telefonnummer und sagte, sie würde anrufen, um den Übergabetermin festzumachen. „Ich weiß nicht, mir kommt das komisch vor,“ zweifelt der Junge nach dem Telefonat. „Wir sollten vielleicht doch liebe erst mit Papi…“ „Nein! Wir ziehen das jetzt durch!“ Isidora konnte für eine Dreizehnjährige sehr bestimmend sein. Und im Grunde wollte Artemis den Hund ja genauso gerne wie sie.

Die Tage vergingen, die Frau rief nicht an. Ihr Handy war ausgeschaltet. Endlich, am fünften Dezember – ein Anruf. „Hallo? Sind Sie noch interessiert? Dann kommen Sie morgen um 17 Uhr zum Busbahnhof Fröttmaning. Bringen Sie das Geld mit. Dann kriegen Sie den Hund!“

Vor Aufregung konnten Art und Isi in der darauffolgenden Nacht kaum schlafen. Beide halten im Grunde kein gutes Gefühl bei der Sache. Art hatte versucht, herauszufinden, wem die Nummer gehörte. Aber es war natürlich ein Prepaid-Handy gewesen. „Wir ziehen das jetzt durch,“ wiederholte Isi ihr Mantra, während sie am 6. Dezember zum Busbahnhof Fröttmaning fuhren. „Was kann uns schon passieren? Das ist ein riesen Busbahnhof mit vielen Leuten. Wenn sie uns überfallen, schreien wir einfach und laufen weg.“

Punkt 17 Uhr standen sie am Busbahnsteig. Überall fuhren Autos an und ab – der Busbahnhof ist ein zentraler Treffpunkt für Mitfahrgelegenheiten. Ein schwarzer Mercedes mit getönten Scheiben fuhr langsam die Reihe der Wartenden ab. Das Beifarerfenster wurde heruntergelassen, und eine Frau schaute zu Art und Isi herüber. „Haben Sie unseren Hund dabei?“ fragte Art schnell. Die Frau runzelte die Stirn, sagte etwas zum Fahrer des Wagens und dann: „Hund, jaja Hund. Kommen. Da vorne.“ Der Wagen fuhr weiter, bis ans Ende des Bahnsteiges, dort, wo keine Menschen mehr warteten. Art und Isi rannten hinterher. Atemlos standen sie dann neben dem Wagen. Der Fahrer stieg aus uns öffnete den Kofferraum. In einem mit falschem Leopardenfell ausgekleideten Karton purzelten fünf kleine Hunde durcheinander und fiepsten ängstlich. „Da, das ist er!“, rief Isi und wollte in den Karton greifen. „Halt! Zurück!“ befahl der Fahrer. „Gib Geld!“ Art holte die 250 Euro zwischen den Seiten seines Gesangbuches hervor („Wir haben noch Chor, Mami, sind in 2 Stunden zurück“, hatte er beim aus-dem-Haus-Gehen gelogen) und hielt sie in die Höhe. „Zuerst den Hund!“ Der Mann schnappte sich einen der Welpen und wollte ihn Isi in die Hand drücken. „Nein, das ist nicht unserer. Wir wollen den mit dem weißen Fleck.“ „Geht nicht. Der schon verkauft. Du nehmen diesen!“ Der Mann wurde ungeduldig. Aber er hatte nicht mit Isis Sturheit gerechnet. „Nein, wir wollen den anderen. Das war so abgemacht,“ rief sie, immer lauter. „Hallo, braucht Ihr Hilfe?“ rief jemand vom Bahnsteig, und jetzt schauten schon mehrere Leute in ihre Richtung. „Dann nix“, murmelte der Fahrer und wollte den Kofferraum zuklappen. Aber Arti griff blitzschnell hinein, nahm das kleine Fellündel in den Arm und rannte los, Isi hinterher. Sie hörten den Fahrer fluchen, denn inzwischen waren ein paar Personen in ihre Richtung gelaufen, um zu helfen, vielleicht auch aus Neugier, egal. Der Mercedes startete mit heulendem Motor und raste davon, aber Art hatte sich längst Autokennzeichen und Gesicht des Fahrers eingeprägt.

In der U-Bahn nach Schwabing besahen sich Art und Isi ihren Hund. Schwarz, zerzaust, mit verklebtem Fell und triefenden Augen. „Wir nennen dich Krampus,“ sagte Art. „Du schaust wirklich aus wie der Gehilfe vom Nikolaus, so finster und zerlumpt.“ Daheim schlichen sie gleich auf ihre Zimmer. Die Eltern waren zu einem Nikolausdinner eingeladen, und als sie nachts nach ihren schlafenden Kindern schauten, bemerkten sie den kleinen Krampus nicht, der unter Isis Bettdecke lag. Damit er nicht ins Bett machte, hatten die beiden ihm eine Windel angezogen, die sie sich von Jasmin aus dem dritten Stock geliehen hatten. Beziehungsweise von ihrer kleinen Schwester.

Als Isi am nächsten Morgen aufwachte, dache sie, Krampus sei tot. Stocksteif und still lag der kleine Hund im Bett. Auch Art sah sofort: das Tier war ernsthaft krank. Es wimmerte leise, und sein Bauch war ganz hart und geschwollen. „Wir müssen ihn zum Tierarzt bringen, und zwar, bevor Mami und Papi aufwachen.“ „Ich glaube, der muss ganz dringend und kann nicht. Wir machen ihm erst mal einen Einlauf.“ Das hatte Mami bei Isi gemacht, als sie mal zuviel Schokolade gegessen hatte. Da sie ohnehin Tierärztin werden wollte, dachte sie, sie könne genauso gut gleich mit einer Behandlung beginnen. Und tatsächlich: der Einlauf zeigte seine Wirkung. Bald war die Windel voll. Und mitten in dem weichen Haufen war eine kleine Tüte. Und darin glitzerte es verdächtig.

„Na, was wird denn das? Übt Ihr für die Weihnachtsgans? Das stinkt ja bestialisch.“ Ihr Vater stand in der Tür, angeekelt und fasziniert von dem, was da auf dem Parkettboden lag. Ein kleiner, völlig verwahrloster Welpe, ein Haufen Hundekot – und ein Säckchen mit Diamanten. Das stellte sich natürlich erst später heraus, nachdem Krampus in der Hundeklinik behandelt und die Windel samt Inhalt – ohne Tüte – entsorgt worden war.

Der Tierschutz-Journalist konnte zunächst nicht fassen, dass ausgerechnet seine Kinder mit illegalen Welpenhändlern ins Geschäft gekommen waren. Während er ihnen wieder und wieder erklärte, dass solche Leute die Tiere unter schlimmsten Bedingungen züchten, die meisten Welpen beim Verkauf todkrank sind und das Ganze nicht nur eine furchtbare Tierquälerei, sondern auch noch Geldverschwendung ist, saß Art schweigend an seinem Laptop.

Schließlich bat er den erstaunten Vater, ihn zur Polizei zu begleiten. Er habe sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung der Täter in einer Serie von Juwelendiebstählen im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet führen würden, und der Vater könne gleich in Sachen Tierschutz aktiv werden. Dann fragte er die Mutter nach ihrer Kontonummer, auf die die Belohnung später überwiesen werden sollte. „Damit haben wir dann Kost und Logis für Krampus für die nächsten Jahre gesichert. Hundeschule und -sitter inbegriffen“, grinste Art.. Die Eltern sahen sich an. Wer konnte solch genialen Kindern schon widerstehen?

Nachtrag: Seither sieht man abends einen Mann und eine Frau Arm in Arm – oder auch Hand in Hand – aus dem Altbau in Schwabing kommen und die Straße in Richtung Englischer Garten entlang bummeln, neben sich an der Leine einen immer größer werdenden, munteren Australian Shepherd. An jedem Baum bleibt er stehen, markiert, dreht sich zu dem Pärchen um, bellt einmal freudig und tänzelt weiter.