Adventskalender MiniKrimi am 7. Dezember


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Heute präsentiere ich Euch einen Minikrimi meiner Autorinnenvereinigung-Kollegin Angelika Wessbecher. Klein aber gemein!

Mord am Reinmarplatz

Der Anfang war sehr verheißungsvoll. „Volle Fahrt voraus“ signalisierte das Liebeshoroskop von Ariane Mittermeyer, die sich vor einiger Zeit recht halbherzig in einem Singleforum angemeldet hatte. Nicht, dass sie auf Horoskope so viel gab. Nein, also wirklich nicht. Aber man konnte ja nie wissen.

Eines Tages fand sie eine Nachricht in ihrem Posteingang vor. Von einem Mann, der den Nickname „Perlentaucher“ trug. Ariane nahm dessen Profil unter die Lupe, entdeckte das Zitat aus einem Buch, das sie ebenfalls gelesen hatte und einen Songtext, der ihr gleichwohl bekannt vorkam.

Ariane war nicht darauf gefasst, welchen Gefühlssturm sie mit ihrer Antwort entfachte. Der „Perlentaucher“ schrieb, dass er glaube, in ihr eine Seelenverwandte gefunden zu haben, von blindem Vertrauen, von gemeinsamen Jahren war die Rede. Ariane stutzte. „Moment mal“. Da hatte einer die Rechnung ohne die Wirtin gemacht und überhaupt. Das ging ihr alles viel zu schnell, obwohl sie sich in seinen Worten regelrecht badete.

Daraufhin tat Ariane etwas sehr Hässliches. Eine Email (die vierte an jenem Tag) mit einem Hilferuf des liebeskranken „Perlentauchers“ war gekommen und sie lachte ihn in ihrer Rückantwort einfach aus. Der „Perlentaucher“, mit bürgerlichem Namen Peter Hitzlsberger, war außer sich vor Wut, was ja irgendwo auch verständlich war. 

Wenig später tauchte der „Perlentaucher“ (man beachte die Wortspielerei) in dem Haus am Reinmarplatz auf, das Ariane bewohnte. Es klingelte an der Tür, da stand ein ihr unbekannter Mann, hob den Arm und gab einen gezielten Schuss auf ihren Kopf ab. Ariane war auf der Stelle tot.

Dieses Ende war in ihrem Horoskop nicht vorauszusehen gewesen.

MiniKrimi vom 19. Dezember


Eine falsche Perle

„Ella, du siehst fantastisch aus“. Monique tut nach außen hin begeistert, innerlich nagt die Eifersucht. Ihre „Freundin“ Ella war normalerweise notorisch gestresst, mit immer leicht zerzausten Haaren und dem gewissen Etwas, das ihre Kleidung unordentlich aussehen ließ, unabhängig davon, ob sie von Kenzo oder Prada war. Ein abgerissener Knopf, ein herunter getretener Saum, ein Fettfleck auf der Brust. Aber heute steht sie vor Monique und Babsi und strahlt vor Ruhe und Perfektion. Alles an ihr sitzt und passt. „Mädels“, ihr glaubt es nicht. Ich habe die perfekte Hilfe gefunden. Seitdem klappt bei uns einfach alles.“ Ella schlägt die Beine elegant übereinander und bestellt ein Glas Champagner. Für alle. „Ich geb ne Runde aus“, sagt sie und berichtet von ihrer neuen Perle. Sie ist zu gut, um echt zu sein, denkt Monique, und zur Eifersucht gesellt sich auch noch Neid. Dora putzt und bügelt, wäscht und kocht, räumt auf, kauft ein. Und ganz nebenbei hat sie noch den chaotischen Terminkalender von Mike, Elias Mann, auf Vordermann gebracht. „Ohne sie könnten wir gar nicht mehr leben“, lacht Ella. „Und wo ist Dora jetzt?“, fragt Monique. „Das ist das allerbeste,“ erklärt Ella. „Gestern Abend wurde Mike doch tatsächlich von der Polizei angehalten, als er schnell im Auto Zigaretten holen wollte. Als hätten die den siebten Sinn. Mike trinkt ja sonst nie etwas. Aber Dora hatte so einen tollen Punsch gemacht. Egal, jetzt fährt sie ihn ins Büro, als Sühne, sagt sie.“

„Hast du keine Angst, dass Dora mit Mike mehr als nur Auto fährt?“, fragt Monique, und ein hämisches Lächeln spielt um ihrer aufgespritzten Lippen. „Ach was, Dora ist mindestens so alt wie Mike, und außerdem ist sie fett und hässlich. Fast so wie seine Ex. Nein, da besteht keine Gefahr.“

Die Freundinnen schlürfen genüsslich den Champagner und schauen dabei den jungen Burschen hinterher , die vor dem Straßencafé auf und ab gehen. „So macht das Leben Spaß“, seufzt Ella.

Da klingelt ihr Handy. „Hallo?…. Ja…. Jaja, das ist mein Mann. Was? Oh mein Gott!“ Unter dem Make-up wird Ella kreidebleich. „Das war die Polizei“, sagt sie. „Mein Mann hatte einen Unfall. Er ist tot.“ „Und Dora?“ „Dora? Von der haben sie kein Wort gesagt.

Mühelos hat sie mit Mikes Kreditkarte einen Wagen bekommen, ihn am Flugplatz abgestellt und einen Last-Minute-Flieger auf die Bahamas gebucht. Seine Unterschrift kann sie immer noch täuschend echt nachahmen. Die schwarze Perücke und die Polster unter ihrer Kleidung hat sie in einem Schließfach hinterlegt und den Schlüssel in den Fluss geworfen. „Du hast gedacht, du könntest mich einfach so verlassen, nach zwanzig Jahren Ehe? Und dann mit so einer dummen Schlampe wie dieser Ella? Ich hab von dir gelernt, mein Lieber. Rache ist süß. Danke, dass du mir auch noch den Tresorcode im Keller gesagt hast, aus reiner Faulheit“, denkt Gina Dora McDaniel. Und trinkt einen kräftigen Schluck Whiskey auf den Tod ihres Ex-Mannes Mike, während ihr Flugzeug der Sonne entgegen schwebt.