Rechtzeitig zum Frühlingsbeginn ist meine Geschichte über einen nostalgisch-lästerlichen Spaziergang im Nymphenburger Park in München erschienen. Gleich mal lesen! Und in den Streetview-Texten blättern! Lesezeichenverdächtig….!

http://blog.euryclia.de/?p=312

Viel Spaß dabei.

Ach ja, und noch eine Anmerkung zum Text: Die beschriebenen Personen sind durchweg frei erfunden. Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind zufällig. Ich verlange, dass die dichterische Freiheit auch mir zugesprochen wird. Denn ich halte es wie Thomas Mann. Und nehme von allem und allen das und die ich sehe, in meine Erinnerungschubkästchen, was mir brauchbar dünkt. Hier ein Haupt, da einen Bauch. Ein Lächeln, Locken, Eine Sprache. Und wenn sie passt, in eines meiner „Werke“, nehme ich sie her. Ohne Ansehen des Verleihers, der Besitzerin. Losgelöst vom Kopf bauscht sich die Locke, ein kahles Haupt gehört einem ganz anderen. Seltsam, schon als Jugendliche wollte mir niemand glauben, dass ich so etwas tue. Hey, das ist alles nur geklaut 🙂 Aber die Geschichte ist absolut echt und zu hundert Prozent die meine.

Optische Täuschung


Endlich Sonne! „Schau, der Frühling lacht! Tolles Wetter. Komm, ich mach uns was zu essen, und dann gehen wir spazieren!“ Mit einem Lächeln, so breit wie der Lichtstrahl, der auf seinem Weg von der Terrassentür zum Barockschrank die Staubkörner tanzen lässt, im Wohnzimmer, versuche ich, meine Mutter aus dem Phlegma zu locken, in dem sie sich die letzten Regentage über eingeschlossen hat.

Umsonst. Mürrisch kramt sie im hintersten Winkel des Garderobenschranks. „Was suchst du, Mum?“ frage ich. „Nichts. Lass mich.“ Und dann: „Ich hatte sie hier auf den Boden geworfen. Gestern. Jetzt ist sie weg.“ „Wer ist sie?“ „Mein grüne Jacke. Die ich die ganze Zeit anhatte.“ Sie hat keine grüne Jacke dabei. „Wir suchen sie gemeinsam. Überall. Wird schon auftauchen.“ Doch da ist sie bereits wieder die Treppe hinaufgestrichen in ihrem ungleichmäßigen Schattengang.

„Mum, Essen ist fertig.“ Auf grünen Tellern habe ich appetitliche Brockoliröschen drapiert, mit Käse bestreut und obenauf eine sattgelbe Soße geträufelt. Ein Bett aus knackigem Salat duftet nach Basilukumöl, auf den Tomaten liegt eine feine Balsamico-Spur. Ofenfrisches Brot garniert den Tellerrand. „Oh, du weißt doch, ich verdaue nur getoastetes Brot“, kommt es zwischen den herabgezogenen Mundwinkeln hervor. „Ja, es kommt frisch aus dem Ofen, Mum“, sage ich.

Sie setzt sich, schaut auf den Teller. Und fängt plötzlich ganz unvermittelt an, zu schluchzen. Ich umfange ihre schmalen Schultern. Mitleid steigt warm in meinen Hals. „Was ist, Mum?“ Und ich denke – ja wirklich, das denke ich – „jetzt ist sie gerührt ob der Liebe, mit der sie umsorgt wird, hier.“ Und verzeihe, wo nichts zu verzeihen ist. Spüre meinen Tochterschmerz schmelzen.

„Ach, es ist schrecklich.“ sagt sie. „Was denn, Mum?“ „Die vielen Kinder, die in Kliniken von bösen Ärtzen verkauft werden! Kriminell! Steht alles in der Zeitung!“

Ich lasse ihre Schultern los. Setze mich auf meinen Platz. Und schlucke, bevor ich einen Bissen in den Mund geführt habe.

Gedanken nach Japan


Die Katastrophen in Japan sind schrecklich. Die Tragödien für die Betroffenen sind unvorstellbar, und es ist gut, dass die globale Internetgemeinde so hilft, wie sie es kann. Mit Sach, -Geld- und auch mit Wortspenden. Völlig unnötig aber sind gerade angesichts des Ausmaßes des Geschehens die reflexartigen Forderungen nach sofortigem atomarem Ausstieg zum Beispiel in Deutschland. Mind u: ich bin keine blinde Befürworterin der Kernkraft. Sollte sie als Energie genutzt werden… müssen, müssten zunächst die Fragen der Entsorgung und der absoluten Sicherheit geklärt werden. Sollte dies sich als unmöglich erweisen, muss auf diese Art der Energiegewinnung verzichtet werden. Aber: bitte weltweit! Denn weder Atmo- noch Stratosphäre sind regional begrenzbar…

Unnötig und zum Teil sogar respektlos finde ich auch die boulevardmäßige Behandlung, ach was, Beackerung des Themas durch die Medien. Und hier sind es erstaunlicherweise auch die “gestandenen” Medien, die ihre Leser, Hörer und Zuschauer in mindestens stündlichen Abständen mit Informationen berieseln. Wobei das Wort Informationen in den meisten Fällen zu hinterfragen ist. Nehmen wir das Beispiel einer bekannten Tageszeitung aus dem Süddeutschen Raum. Sie titelt in ihrer Onlineausgabe: “Neue Horrormeldungen aus Japan. Ein Sender jingelt “wir senden, was Sie bewegt”. Und macht mich glauben, dass mich bewegt, wann die deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet werden, wobei ich als elementar betroffener Bürger die Wahl habe zwischen “in dieser Sekunde”, “heute später” oder “spätestens morgen”; als emotional betroffener Bürger will ich offensichtlich informiert werden über die Anzahl und die Namen der Hunde, die die verschiedenen Zweigniederlassungen der Katastrophenschutzvereine direkt ins Kerngebiet des Erdbebens schicken (mich würde viel mehr interessieren, wie diese auf den zerstörten Flughäfen landen und woher die Japanischkenntnisse der Begleitpersonen stammen). Als politisch betroffener Bürger schließlich will ich augenblicklich mitwirken an einem radikalen und endgültigen Wechsel der politischen Landschaft unter besonderer Berücksichtigung der  energiewirtschaftlichen Belange.

Im Rahmen der Fastenzeit hilft eine Sendung mir dabei, zu verstehen “ dass Teilen glücklich macht”. Ach ja, ich fühle mich schon viel glücklicher, seit ich die neuesten Unglücksmeldungen mit den vielen anderen Betroffenen im deutschsprachigen Raum teilen darf. Muss. Ehm – ich würde gerne Mitleid teilen. Wo darf ich das? Soeben tickert die Meldung übers Netz, dass Japan Europa gebeten hat, keine Hilfsdienste mehr zu schicken – müssen unsere Hunde jetzt zurückfliegen? Was für Unmenschen sind diese Japaner eigentlich? Gleichzeitig  zieht Amerika seine Hilfstruppen freiwillig zurück und begründet mit erhöhter radioaktiver Gefahr. Uff- da ist der Rückzug vor dem Rauswurf grade noch gelungen! Die deutsche Bundesregierung ist offenbar bereit, über eine Aussetzung der Verlängerung der Laufzeiten bei Kernkraftwerken nachzudenken. Aussetzung der Verlängerung – dieses verbale Konstrukt muss ich sprachlich auskosten, auf der Zungenspitze. Toll. Am besten gleich alle AKWs schließen und den gesamten benötigten Strom aus Tschechien beziehen. Aus Frankreich. Aus Russland! Allerdings…. Müsste dann gleichzeitig über eine Möglichkeit nachgedacht werden, das gesamte Bundesgebiet im Falle eines atomaren Supergaus im europäischen Nachbarland bis auf – sagen wir rund neunzig Kilometer Höhe hermetisch abzuschirmen. Hm…….

Eine Freundin, die seit vielen Jahren in China und Japan lebt, beklagte sich in einer Rundmail darüber, dass Wirklichkeit und deutsche Berichterstattung manchmal nur mit viel Phantasie zusammen passen und dass die Katastrophe für innenpolitische Zwecke ausgeschlachtet wird. Und wünschte sich schlichte Anteilnahme.

Ich werde auf facebook eine neue Aktion starten. Am besten zwei. Mitleid teilen die eine. Gedanken vorm medial verordneten Ausschalten bewahren und mit-denken die andere. Wer weiß, wie viele diese Aktionen mit mir teilen werden? Vielleicht sollte ich sie multimedial verbreiten…..


Fukushima


Zieh dein bestes Kleid an, meine Schöne. Wähle es mit Bedacht und dem Anlass gemäß in hellen, leuchtenden Farben.

Leg deinen wertvollsten Schmuck an, meine Krone. Es soll deinen Hals umfunkeln und weithin glänzen.

Wasche dich sorgfältig, mein Kind, meine einzige, letzte Tochter. Mit schäumendem Meer und salzigen Wellen reinige dich von aller Last und dem Schmutz deiner Zeit.

Kleide dich in klare Gedanken, du Juwel meines Herzens. Öffne die Augen nach innen. Erkenne den Weg und weise deinen Kindern die Richtung ins Morgen.

Und nun geh deinem Ende entgegen. Dem Ende der Welt.

Zu Gut(t)er Letzt


Ich sollte mich langsam auch an meinen Hamlet halten… und in dieser Sache schweigen. Die Medien tun dies auch, denn sie haben eine neue Sau für’s Treiben. Bleibt abzuwarten, in welche fetten Näpfe der neue Verteidigungsminister tappen wird. Der Job passt ja zum Militär – er ist ein Kamikazekommando.

Beim Durchblättern  verschiedener Blogeinträge heute morgen las ich jedoch eine Tendenz aus Beiträgen und Antworten heraus, die ich kommentieren möchte, und dann ist wirklich Schluss mit diesem Thema.

Offensichtlich haben sich Rechercheure und Blogsurfer auf die Genealogie eingeschossen (wer keinen eigenen Stammbaum hat, sollte wenigsten den anderer durchforsten – sorry, das ist böse, aber vielleicht trotzdem wahr?). Und haben zunächst einen Verwandten Guttenberg ausgegraben, der sich  -das war sein Fehler – bloggend geäußert und postwendend zum Nebenkriegsschauplatz gemacht hat. Qua Name, sozusagen. Dann wurde die Guttenberg-Connection postuliert und über deren Medienmacht bei Springer & Co. fabuliert.

„You can’t eat the cake and have it“, hat mein Mann mir immer gesagt, wenn ich Gegensätzliches durchsetzen wollte. Das Prinzip greift auch hier: Zum einen über den Sieg der gebündelten Medien jubeln, zum  anderen mediale Verschwörungstheorien ausbreiten? Hm. Vor allem aber: wenn es diese Guttenbergsche Allmacht gäbe, säße er heute im Bundestag oder im Flugzeug nach Afghanistan oder Irak oder zur Gorch Fock, sicher aber nicht im stillen Kämmerlein….. ein Ort, aus dem ihn die gleichen Medien, die ihn dorthin geschoben haben, heute morgen kurz nach elf schon wieder herausbeschwören wollten, O-Ton BR2, aus dem Gedächtnis sinngemäß geschrieben, ich will nicht in Plagiatsverdacht geraten („vergessen macht glücklich – und vielleicht brauchen die Deutschen ja gar nicht lange zu warten, bis sie ihren KT wieder haben“).

Zu guter Letzt noch ein Zitat von einer meiner Lieblings-Literatinnen, Marie von Ebner-Eschenbach: „Ihr jubelt über die Macht der Presse – graut euch nie vor ihrer Tyrannei?“

„Und der Rest ist Schweigen“ ?


Hat die Medienwelt ihre Triumph gefeiert, heute? Die „Wissenschaft“? Welch ein Pyrrhussieg für Personen, die Freude daran haben, so lange und intensiv zu kritisieren, bis sie ihr Ziel erreicht haben, wobei der Gegenstand nicht so wichtig erscheint wie der eigene Machtbeweis. Personen, die selbst nur mit Worten handeln, nicht mit eigenen Taten,  die zerstören, aber nicht aufbauen.

Die politische Landschaft in Deutschland ist um einen fähigen Kopf ärmer geworden. Um so trauriger, als dieser Mensch seine Fehlerhaftigkeit eingestanden und seinen Glorienschein eingebüßt hatte. Auf wen von den anderen, allermeistens nur mittelmäßigen, Politikern trifft dies denn zu? Aber vielleicht sind die ja einfacher zu handhaben und zu bewegen von denen, die an den Fäden der Macht ziehen?

Ich bezweifle, ob die Journaille, pardon der aufrechte auflagenzahlenbewusste Journalismus, ob die Wissenschaft sich eingestehen kann, benutzt worden zu sein.

Ich fordere, dass der Wissenschaft selbst nun endlich der Spiegel vorgehalten und der Frage nachgegangen wird, wer alles die famose Guttenbergsche Doktorarbeit nicht oder nicht richtig oder nicht gewissenhaft korrigiert hat. Aber wer hört schon diese Forderung? Ich müsste sie über die – richtigen – Medienkanäle verbreiten…..

Guttenberg wird wiederkommen. Dann, wenn andere an der Wählermacht sind, für die Zeitungen und Fernsehen nur Seniorenmedien sind. Bis dahin wird die Politik nicht sauberer werden, denn die Kaiser, die jetzt noch auf ihren Thrönchen sitzen, in Berlin und Mainz und überall, haben auch alle längst Andersens „neue Kleider“ an. Bleibt zu hoffen, dass irgendwann ein Kind mit Fingern auf sie zeigen wird……

Oder vielleicht schweigen die Kinder ja jetzt schon nicht mehr. Das Netz ist in jüngster Zeit ja für alle möglichen Bewegungen genutzt worden…. Das wär ein Ding, wenn plötzlich mitten im Tumben Europa das Netz zu vibrieren begänne…… zu leben…. Hach!

Ob irgendjemand sich dafür interessiert, wie es dem Mann KT heute Abend geht?

Die Sonne, die Bahn, das Brot, die Tochter – einfach skandalös!


Eigentlich ist heute ein wunderschöner Tag. Die Sonne scheint und verleitet mich dazu, strumpflos in die gefütterten Slipper zu schlüpfen und im Wollpulli zur Hundewiese zu schlendern. Wer hat gesagt, dass Tiere keine Intelligenz hätten? Sie ist nur anders als unsere. Keinem Modediktat unterworfen, zum Beispiel. Weshalb mein süßer, alter, kurzhaariger Magyar Agar-Viszla Mischling vor der Gartentür die Nase in die Höhe reckt, sich schüttelt, schnell die Nachbarbäume markiert und dann vorsichtig die Pfoten in den Raureif setzt, um so schnell wie möglich wieder die heimische heimelige Wärme zu suchen.

Eigentlich könnte heute ein wunderschöner Tag sein. Wenn meine Mutter nicht die Sonne aus ihrem Herzen ausgesperrt oder die Jalousien vor ihrem Auge heruntergelassen hätte. Der Toast schmeckt nicht, das Brot wird immer kleiner und teurer, der Kaffee bitter, meine Haare sind – wie auch das Verhalten der Deutschen Bahn, einfach skandalös. Und überhaupt kümmern wir uns mehr um Zufallsbekanntschaften, denen wir wie Hündchen hinterherlaufen, als um sie. Ich weiß nicht, von wem sie spricht. Ganz bewusst weiß sie das sicher auch nicht….

Und überhaupt: sie will sie will sie MUSS nach Hause! Ich weiß. Ich gönne ihr jede Stunde in ihrem Haus, die sie genießen kann darf soll, solange das noch geht. Und ich lechze nach etwas Ruhe. Ruhe vor dem „Sturm“, der sicher kommen wird, wenn nicht in diesem Jahr, so spätestens irgendwann danach, mit fortschreitender Krankheit. Aber Anselm Grün tut sich wirklich viel zu leicht und macht sich eines Kommerzdenkens schuldig, wenn er heute in den Gedanken zum Tag die pflegenden Töchter dazu aufruft, „sich einfach frei zu entscheiden, wo Sie die Grenzen zu ihrer Mutter stecken möchten. Um dann aus dieser völligen Freiheit heraus gerne ja oder auch nein zu sagen zu den Ansprüchen der Frau Mama.“ Haha. Selten so gelacht. Das sind die Vorteile des zölibatären Mönchseins. Keine Familie, keine Pflegeaufgaben. Aber weise schreiben. Warum fährt er nicht meine Mutter nach Hause, schaut zu, wie sie nichts findet und alles sucht, hört sich die Klagen der Nachbarn an und die völlig entgegengesetzten Erzählungen, die sie beim abendlichen Telefonat schildert. Vorausgesetzt, sie hebt ab. Und wenn nicht – macht er sich dann tausend Sorgen und Gedanken?

Ach Herr Grün, es ist nicht alles rosig und leicht. Und die Freiheit schon gar nicht. Jedesmal, wenn ich in dieses altvertraute Gesicht schaue, aus dem die Krankheit das Lachen und die Liebe herausgefaltet hat, könnte ich wahlweise schreien oder weinen. Aber nicht einmal in den Arm nehmen darf ich sie in solchen Momenten. Ganz steif macht sie sich. „Geh weg, fass mich bloß nicht an!“

Also umarme ich dich mit meinen Gedanken, Mum. Und hoffe, mir fällt etwas ein, was wir heute gemeinsam tun können, um die Vorfrühlingssonne durch die Hintertür des Alzheimers doch noch in dein Herz zu lassen…… Hey, Mädels, fällt euch was dazu ein? Glaubt mir, ich kann jeden Tipp gebrauchen!!!

Sonntags-Gutti


Es ist ein nimmer endender  – medialer – Albtraum. Für alle Zuschauer und Zuhörer, die unter der eintönigen Nachrichtenlandschaft leiden und lieber etwas mehr über die dramatischen Entwicklungen in beträchtlichen, wenn auch außerhalb der deutschen Grenzen liegenden, Teilen der Welt wissen möchten. Aber auch für den – noch -Verteidigungsminister zu Guttenberg. Ich habe mir grade einen Überblick über die vielleicht unangenehmste Woche seiner Lebens verschaft unter: http://www.bild.de/BILD/politik/2011/02/27/guttenberg-ein-rueckblick-die-dramatische-woche-des-ministers/karl-theodor-zu-guttenberg.html .

Ja – ich schätze das Boulevardblatt mit den vier Buchstaben. Denn meiner Meinung nach arbeiten dort sehr fähige Journalisten, geniale Texter auf alle Fälle. Und viele der haupt- oder nur freiberuflichen Redakteure, die das Blatt wegen seiner Guttenberg-Loyalität beschimpften (was wirft das eigentlich für ein Licht auf das Prinzip der freien Meinungsäußerung?), werden einfach nie gut genug sein, um dort zu arbeiten….. Weiterlesen „Sonntags-Gutti“

Ansichtssache. Oder Stilfrage?


alles dreht sich um ein HaarNach diesem Aufschrei kniff ich beide Augen fest zusammen, wie, um kein Schampoo rein zu bekommen. Aber was ich vermeiden wollte war keine Seife, sondern die Realität nach der Sekunde NULL.

Schließlich zwinkerte ich. Erst rechts – auf dem Auge bin ich kurzsichtig. Dann links. OH! Ein kurzer Vollblick in den Spiegel – und ich hechtete zum Telefon. Das steht zum Glück auf der Kommode im Arbeitszimmer nur zwei Meter und eine Ecke entfernt. „Hallo? Silvia“ (Name geändert, Anm. d. Red. 🙂 ), hauchte ich mit letzter Kraft. „Silvia, ich brauche ein Wunder. Und nur SIE können das schaffen.“ Ich weiß nicht, ob meine Friseuse Hellseherin ist (oder sagt man Friseuerin? Haarstylisten erscheint mir für Silvia zu hoch gegriffen –  sie arbeitet allein in ihrem kleinen, violett und weiß und allem Anschein nach selbst gestalteten Studio, riecht ganz ungeniert nach Zigaretten, wäscht sich täglich die Haare, coloriert sie selbst in knallmattschwarz und ist erfrischend down to earth…!). Vielleicht ist sie auch nur lange genug im Geschäft. Jedenfalls fragte sie gelassen – und ich hörte, wie sie dabei genüsslich Rauch herausblies – „wie viel ham’s denn abgeschnittn?“ „Naja, so zehn, fünfzehn Zentimeter…. aber nur an einer Seite…“ „Oha.“ Jetzt klang auch Silvia alarmiert, und ich fühlte mich ungefähr so wie der Patient, dessen Arzt diesen Ausruf beim Betrachten der Lungenradiographie ausstößt. Aber sie hatte sich gleich wieder im Griff (Friseusen oder auch Friseurinnen, egal, haben halt viel Ähnlichkeit mit Doktoren. Sind ja auch welche. Haar- und Seelenpfleger in einem, sogar..). Und sagte: „Moment. Da muss ich meinen ganzen Tagesplan umstellen.“ P a u s e . „Kommen’s inra Stund vorbei. Aber bis dahin NICHTS mehr abschneiden, ok?“

„Ok. Danke“, seufzte ich. Ich habe keine Erinnerung daran, wie ich die Wartezeit verbracht habe. Auf die Sekunde genau stand ich vor der Haarstudiotür. Daheim hatte ich einen schwarzen Schal um den Kopf gebunden und eine dunkle Brille aufgesetzt. Mit hochgeschlagenem Mantelkragen und huschendem Gang überbrückte ich die Meter vom Parkplatz zum Laden. Ein letzter konspirativer Blick über die Schulter. Die Straße war leer. Ich zog den Schal vom Kopf. „Also ich hätts mir schlimmer vorgestellt“, war Silvias lakonischer Kommentar, bevor sie meine Haare mit destilliertem Wasser befeuchtete.

Über die nächste Stunde bewahre ich Stillschweigen. Zwischen Freundinnen gibt es Dinge, die für immer ein Geheimnis bleiben. Eines nur kann ich preisgeben: als ich Silvias Laden verließ, zählte ich sie zum engen Kreis meiner besten Freundinnen. Mit Ira, meiner Kosmetikerin, habe ich davon inzwischen also schon zwei.

Nachtrag: als der Rest meiner Familie sich am Abend um den (wie üblich von mir und einzig und allein von mir) gedeckten und mit italienischen, selbstverständlich selbstgekochten Köstlichkeiten angereicherten Tisch einfand, stürzten sich alle auf das Essen und kauten und schmatzten mehr oder weniger. Auf meine erwartungsvolle Frage: „Und, fällt euch nix auf?“ erntete ich schuldbewusste, kurze Blicke. „Hast du wieder Soja genommen statt Fleisch?“ mutmaßte mein Sohn. „Es ist alles so wie immer – einfach köstlich“, echote meine Mutter ihren eigenen Standardsatz. Die Katze schnurrte. Der Hund bettelte. Ich stand auf, sprintete zum nächsten Spiegel – und beruhigte mich schließlich mit der Erkenntnis, dass ich einfach gut aussehen musste. Sonst wäre es ihnen wahrscheinlich aufgefallen. Oder auch nicht. Das nächste Mal, wenn ich eine krasse Stilveränderung vornehme, werde ich zusätzlich das Essen versalzen. Dann schauen sie mich wenigstens an.

Und morgen gehe ich entweder tanzen oder ins Fitness-Studio. Viellleicht finde ich da noch eine Freundin…..

Mir stehen die Haare zu Berge!


Nein stimmt nicht. Mehr. Aber gestern! Ich züchte mit Liebe und Jahresausdauer jeden Zentimeter, im Hinterkopf die Befürchtung, dass ich meine Haare nie wieder so lang tragen werde wie jetzt. Als Kind lief ich mal einer blonden Frau hinterher, deren Mähne sich bis auf den Po herunterlockte. So schöne Haare, dachte ich. Und lief schneller und schneller, bis ich sie überholt hatte. Dann drehte ich mich um und tat, als hätte ich etwas verloren. Ich war ja gut erzogen, wollte aber trotzdem sehen, zu welchem Gesicht die Prachtfrisur gehörte. Die Dame war weit über sechzig, mindestens. Und ich war geschockt. Diese Erinnerung trage ich mit mir rum. Und deshalb bleiben mir nur noch wenige Jahrzehnte, bis Rapunzels alte Zöpfe weg müssen.  Beinahe wäre es aber bereits gestern um meine Locken geschehen. Gewesen. Seit Wochen beäugte ich eine Strähne auf der linken Kopfseite, vorne neben dem Pony. Stumpf und widerspenstig streckte sie sich allen Lotionen, Pflegeölen und Feuchtigkeitskuren zum Trotz wie ein explodiertes Kabel in alle Richtungen außer der, in die ich sie legen wollte.

Gestresst von der bereits hinreichend beschriebenen Haut- und Nabelschau gab mir der Anblick dieser Strähne dann den Rest. Mit Mord als beherrschendem Gedanken ging ich, ganz ruhig, an meinen Sekretär. Holte aus der unteren mittleren Schublade die Papierschere und stellte mich vor den Badezimmerspiegel.  Eiskalt musterte ich mein Gesicht, als sähe ich es zum letzten Mal.

Ich brachte die Schere in Angriffsstellung. Sah mir todesmutig ins Auge. Wie ein Film liefen Szenen aus meiner Vergangenheit an mir vorüber. Ich mit  sechs und schulterlangen Haaren. Ich mit sieben und Bubikopf. Ich mit neunzehn und Spliss. Ich mit zwanzig und Pudelwelle. Ich mit dreißig und Bob. Ich blinzelte eine Träne in die Wimpern. Und schnitt…….. AHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!