Adventskalender-MiniKrimi am 12. Dezember


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Liebe Adventskalender-MiniKrimi-Freunde,

heute habe ich für Euch ein ganz besonderes „Schmankerl“: Das Krimi-Debut meiner lieben Autorenkollegin Gabriele Auth. Ich finde, der Text hat alles, was ein echter Krimi braucht. Aber lest selbst!

Schritte

Schritte. Hinter mir. Im gleichen Takt wie meine eigenen. Die ganze Zeit.
Warum sind die verdammten Laternen so trübe? Oder liegt das am Nebel? In den Fenstern der Häuser brennt kein Licht. Dunkel ist es. Stockdunkel. Ein seltsames Wort.

Die Schritte hinter mir werden schneller, wenn ich schneller werde.
Mein Atem will ausbrechen. Die Lunge sprengen. Fast schon hechelnd.
Bloß nicht umdrehen. Nicht über die Schulter sehen.

Schritte, die näher kommen.
Schneller, ich muss schneller gehen. Die verfluchten

Stiefel haben so hohe Absätze. Ich wollte ja heute unbedingt sexy sein. Mein Atem steht in weißen Wolken in der Winterluft,
geht schnell. Viel zu schnell. Wie die Schritte.

Cool bleiben oder losrennen?

Der Typ in der Kneipe, der mich die ganze Zeit so angestarrt hat. Als ich raus ging, streifte seine Hand meinen Rücken.
Dem möchte ich nicht im Dunklen begegnen, dachte ich.
Es ist dunkel. Ob er…?

Ich laufe schneller. Mein Atem keucht. Oh Gott. Ich will nicht… ich renne.

Die fremden Schritte rennen mit. Die Stiefel ausziehen. Auf Strümpfen wäre ich schneller.
Nein.
Ich müsste dazu kurz stehen bleiben.
Auf. Gar. Keinen. Fall.

In meinem Magen wabert eine dunkle amorphe Masse. In meinem Mund ein Geschmack wie schwarzes Silber.
Woher weiß ich wie das schmeckt?

Die Schritte kommen näher.
Da vorne. Die Kreuzung. Auf der anderen Straßenseite sind Geschäfte. Hell erleuchtet. Nur noch über die Straße.
Rennen.
Keuchen.
Rennen.

Keucht es hinter mir auch?
Ist das Atemluft, die kühl auf meinen Nacken trifft?
Die kleinen Härchen richten sich auf.

Endspurt.

Rennen.

Die Straße. Schnell. Schneller. Ich. Das Auto. Ein  Mercedes.

Verdammt. Bremsen kreischen.
Im Fallen geht mein Blick zurück.

Da ist niemand. Niemand.

Ich…

Schwarz.

Adventskalender-MiniKrimi am 11. Dezember


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Wehret den Anfängen

„Wie konnte es nur so weit kommen?“ Ernest steht auf dem schneebedeckten Hügel, kaum mehr als eine Armlänge von dem Jungen entfernt. Dunkelheit umhüllt ihn, aber der Junge würde ihn nicht sehen, auch, wenn er direkt neben ihm stünde.

Er hat einen schwarzen Umhang um seine mageren Schultern gehängt, dicht an dicht mit Rabenfedern benäht. Wo er die her hat? Sein rußgeschwärztes Gesicht ist von einer grellroten Maske verdeckt. Seine Füße und Arme sind mit Lederfetzen umwickelt. Kerzengrade reckt er sich in die Winternacht. Sterne am Himmel, ausgestreut wie Diamanten auf einem Tuch. Welche Verschwendung. Die Menschen am Fuß des Hügels haben keinen Blick für die Mittwinterschönheit. Lachend und johlend drängen sie sich um den mannshohen Scheiterhaufen, seine Flammen vertreiben Dunkelheit und Kälte. Bierflaschen klirren, Zigaretten glimmen. Immer wieder stimmt jemand ein Lied an und bricht ab, als niemand mit einstimmt.

Fast kann Ernest den Jungen verstehen. Er war genauso, früher. Voller Verachtung für alles, was auf der Oberfläche des Lebens dahintrieb, ohne jemals zu versuchen, dessen Tiefen auszuloten. Ja, er kennt das Gefühl. Aber er hat sich von ihm doch nie beherrschen lassen, und nie hat er so auf einem Hügel gestanden, ein wütender Rächer ohne Aufgabe.

Jetzt hebt er die Arme, in einer Hand hält er den Bogen, in der anderen den Pfeil. Er legt an, nimmt Witterung auf, ein wildes Tier auf seinem Beutezug. Die Knie fest, nicht durchgedrückt. Der Oberkörper gerade und leicht nach vorne geneigt.  Der Bogenarm durchgedrückt und eingedreht, die Hand um 90° geneigt.

Ernest kann es nicht fassen. Der Junge vor ihm zielt auf die feiernden Menschen dort unten. Auf die Winterwendtänzer am Feuer. Zu seinen Füßen liegen über ein Dutzend Pfeile. Er hat diesen stummen Amoklauf lange geplant.

„Nein!“ ruft Ernest und will auf den Jungen zuspringen. Seinen Arm runterreißen, Den Bogen zerbrechen. Aber er ist angewachsen auf dieser nächtlichen Wiese. Und seine Schreie sind stumm. Und so muss er zusehen, wie dieser Junge, sein Sohn, unschuldige Menschen tötet. Aus Wut? Oder aus Verzweiflung. Ganz sicher aber, weil er, Ernest, als Vater versagt hatte. Ich habe Dich nie gewollt! Ich wusste genau, dass aus Dir nur genau das werden konnte, was Du jetzt bist. Ein…. MÖRDER.

„Ich bin der Vater eines Mörders! NEIN! NEIN! Das darf nicht sein!“ Endlich lösen sich die Schreie aus seiner Brust. Er wirft sich nach vorne.

Und landet auf dem Fußboden. „Sag mal spinnst Du?“ Vera liegt bäuchlings auf dem Bett, funkelt ihn wütend an. „Was tust Du da unten? Du hast wohl keine Lust, mit mir zu schlafen?“ Ich will einen Mörder aufhalten, denkt Ernest. Und die todsichere Methode ist, die Kondome aus der Hosentasche zu holen. Damit es garantiert nie so weit kommt!

 

Adventskalender-MiniKrimi am 10. Dezember


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Des Ruhmes Schattenseite 

Es sollte ihre Sternstunde werden. Seit seiner Pensionierung schauen Renate und Dietmar jeden Abend die Trödelshow, in der Leute wie sie und er ein altes Fundstück, Erbstück, Sammelstück mitbringen, schätzen lassen, einer Händlerreihe anbieten und im besten Fall von dem Erlös in Urlaub fahren. Oder wenigstens das Benzingeld rausbekommen.  „Wollen wir da nicht auch mal hin?“, hat Renate kürzlich Dietmar gefragt. „Wir haben doch so viel Krempel.“

„Was denn, zum Beispiel?“ „Na die alte Porzellanpuppe von deiner Oma. So eine ist grade für 130 Euro weggegangen.“ „Warum nehmen wir nicht was von deiner Familie? Den Jugendstil-Bowlentopf mit dem Medusenkopf, zum Beispiel?“ So ging es ein paar Tage hin und her. Aber schließlich einigten sich Renate und Dietmar auf etwas, das sie gemeinsam angeschafft hatten. Nicht Großes. Und sicher von eher geringem Verkaufswert. Aber das war ihnen egal.

Jetzt stehen sie am Expertentisch und lassen ihren Teppich begutachten. Ein hundert Jahre alter Hereke. „Ein wundervolles Stück“, sagt der Fachmann. „Aber Sie wissen, dass die Händler oben Ihnen nicht das zahlen werden, was er wert ist.“

Das macht nichts. Renate und Dietmar sind nicht wegen des Teppichs hier. Also nicht wirklich. Ihr Freundin Elke nimmt die Sendung auf. Der halbe Ort sitzt im Gasthof und schaut ihnen zu. Und mit ihnen fast drei Millionen Zuschauer im deutschsprachigen Raum. Die beiden sind gut vorbereitet. Und glaubhaft. Der Teppich passt nicht mehr zur Einrichtung. Sie haben sich umorientiert. Von antik auf futuristisch. Designermöbel und moderne Kunst. Eine schöne Sammlung. Der Läufer stört leider, und bevor sie ihn verschenken….. also für ein nettes Mittagessen wird der Erlös sicher reichen, scherzt Dietmar. Und bekommt die Händlerkarte.

Sie erklimmen die legendäre Treppe zum Händlerraum. Sie stehen vor dem Tisch, schauen in die freundlich lächelnden Gesichter. Sie hören kaum, was die Händler sagen. Es ist ja auch nicht wichtig. Also nicht wirklich. Das ist ihre Sternstunde. Sie genießen sie in vollen Zügen.  Auch im Auto lassen sie jeden Moment ihres Auftritts wieder und wieder aufleben. Ganz Deutschland hat sie gesehen.

Das stimmt natürlich nicht ganz. Aber als Renate und Dietmar zuhause ankommen, schreiten sie tatsächlich über einen roten Teppich durch die weit offen stehende Tür. Ihnen bleibt weder die Zeit, sich darüber und auch über den Transporter im Vorgarten zu wundern, noch dem Golfschläger auszuweichen, mit dem zwei schwarz gekleidete Gestalten sie zu Boden strecken.

Unter mehreren Millionen Zuschauern befinden sich eben auch ein paar medial versierte Einbrecher.

Adventskalender-MiniKrimi am 9. Dezember


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Blut ist ein ganz besonderer Saft

„Ein Mord. Ein Mord. Ich brauche einen MORD!“ Agathe stand von ihrem Schreibtisch auf und begann, mit ungeduldigen Schritten die Länge des Raumes zu durchschreiten. Von wegen heiter, dachte sie. Hesse hatte gut reden. Jeden Tag ein Mord. Wie soll das gehen? „Hermann? HERRMANN!“ rief sie, und dann gleich noch einmal: „HERRMANN!“

„Agathe Schatz, was ist denn? Ich war grade dabei…“

„Ist mir egal. Ich brauche dich jetzt. Hier. Sofort!“

„Bin gleich da, mein Schatz.“ Und dann stand er auch schon in der Tür, hemdsärmelig, mit blutroten Händen, das Bunka Hocho in der rechten, eine tropfende rote Beete in der linken Hand. „Das war jetzt sehr ungünstig.“

„Was wird das, wenn’s fertig ist?“, fragte Agathe in barschem Ton.

„Barszcz. Hattest du dir doch gewünscht, gestern.“

„Gestern! Was weiß ich, was ich mir gestern gewünscht habe! Jetzt brauche ich deine Hilfe. Ich habe nur noch zwei Stunden Zeit, und mir fällt kein gescheiter Mord ein!“

„Agathe,Schatz. Dann setzt du heute eben mal aus! Das ist doch nur ein alberner Wettstreit. Was passiert, wenn du heute bis 20 Uhr keinen Mord ablieferst? Die Welt geht davon bestimmt nicht unter!“

„Aber natürlich! MEINE Welt! Meine Reputation! Soll ich mich etwa von Rupert Rosen besiegen lassen? Ausgerechnet von DEM? Niemals. Ich habe eine Idee. Stell dich mal hier auf den Stuhl. Und dann legst du dir die Gardinenschnur um den Hals, und ich nehme das Ende in die Hand und gehe Richtung Tür, und dann…“

„Agathe, es reicht. Seit einer Woche probierst du an mir die verschiedensten Tötungsarten aus. Hier“, er zeigt auf den blauen Fleck an seiner Stirn, „hast du dich in den Apfelbaum gesetzt und versucht, mich  mit einem Ast zu erschlagen, während ich darunter vorbeilief. Zehn Mal hast du es versucht! Und hier,“ er streckt ihr anklagend den linken Arm entgegen, um sein Handgelenk windet sich ein Band aus roten Striemen. „Hier wolltest du ausprobieren, ob es dir gelingt, mir mit einem Frühstücksmesserchen die Pulsader aufzusägen.“

„Ja, das war leider ein sehr kläglicher Mordversuch.  Meiner absolut unwürdig. Aber heute versuchen wir es mit einer Kombination aus….“

„Heute versuchen wir gar nichts mehr. Ich gehe jetzt zurück in meine Küche und koche Barszcz.“ Damit dreht Herrmann sich um und geht zur Tür. Aber Agathe ist schneller. „Halt, hiergblieben!“, ruft sie und zerrt an seinem Ärmel. So heftig, dass sein Arm ihr entgegenschnellt. Das Bunka Hocho in seiner Hand zerteilt Agathes Brust so leicht wie die Rote Beete. Blut und Saft vermischen sich. Ungläubig starrt sie ihn an, sinkt in Zeitlupe zu Boden und flüstert: „Genial! Das ich darauf nicht selbst gekommen bin! Wenn Rupert das mitkriegt! Jetzt….habe…………..ich…………… ge…….won…ge…..wonnen“, gurgelt sie noch.

„Gratuliere, Schatz“, sagt Herrmann mechanisch. Dann widmet er sich wieder seiner Suppe. Ungestört.

 

Adventskalender-MiniKrimi am 8. Dezember


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Alles im Arsch

Als er beiläufig im Auto  – als Beifahrer –  in seinem Smartphone die „breaking news“ las, in einem spanischen Städtchen seien im, O- Ton, „Popo einer Jesus-Statue“ historische Dokumente aus dem 18. Jahrhundert gefunden wurde, dachte er zunächst an eine mediale Ente.

Aus Neugier – und um seine Aufmerksamkeit vom unausgereiften Fahrstil seines Freundes abzulenken – klickte er den Artikel an. Und stutzte. Der Name des kleinen Ortes in der Nähe von Madrid weckte unerwartete Erinnerungen. Die Augusthitze, die sich erbarmungslos über alles ergoss, Mauern, Straßen, seine klebrigfreuchte Haut. Die frittierten Kartoffelwürfel, aus denen das Fett auf das Zeitungspapier tropfte, wenn die Großmutter sie aus der Pfanne hob.

So lange her, dass er erstaunt darüber war, sich an die Erinnerung erinnern zu können. Mit fünf Jahren war er mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen. Er hatte seine Kindheit im Wirtschaftswunderland verbracht, seine Jungend. Seinem Vater war es nicht gelungen, sich vom Fabrikarbeiter zu einer Position in seinem erlernten Beruf hoch zu arbeiten. Spanische Gymnasiallehrer für Literatur und Geschichte waren nicht gefragt. Aber er hatte sehr darauf geachtet, dass Miguel, der Sohn, Abitur und Studium absolvierte. Damit es Dir einmal besser geht als uns.

Wie oft hatte Miguel die immer gleiche Geschichte gehört. Schon in Spanien, am Küchentisch. Es ist eine Ungerechtigkeit. Und eine Schande. Da sitzt Alonso Alvarez in seinem Palast neben der Kirche und hat mehr Zimmer als er allein in einem Jahr bewohnen kann. Und wir hocken in einer winzigen Mietswohnung, im Sommer ersticken wir, im Winter frieren wir an den Stühlen fest. Als kleiner Junge hatte er nicht wirklich verstanden, worum es ging, aber er hatte immer Angst gehabt zu ersticken oder zu erfrieren.

Später, in Deutschland, hatte er die Zusammenhänge verstanden. Ohne allerdings viel damit anfangen zu können. Familienlegende! Offenbar war ein Vorfahr im 18. Jahrhundert um sein Erbe betrogen worden. Und seine Großeltern und Eltern trauerten bis heute ihrem verloren gegangenen Besitz nach: ein Palast nahe der Kirche und ausgedehnte Ländereien.

„Beim Restaurieren entdeckten Enrique C. und Antonio V. im Gesäß der Statue einen Hohlraum. In diesem befanden sich einige Zettel mit Notizen über das Leben und die Gesellschaft der Stadt im 18. Jahrhundert“, las Miguel. Dann folgten ein paar Beispiele. „Der Pfarrer tut so, als sei er eine Respektsperson, aber er hält seine Hausfrau als Geliebte und hat von ihr schon 4 Kinder, die er alle im Waisenhaus untergebracht hat.“ „Die Frauen unseres Dorfes sind sehr schön und schmücken sich an den Kirchenfesten mit feinster Spitze. Ein einziges Spitzentuch kostet umgerechnet eine Unze Gold. „Die Familie Alvarez ist nicht besser als der Pfarrer. Sie sind die reichsten Leute der Stadt, aber sie haben sich ihren Reichtum nicht rechtmäßig erworben, vielmehr haben sie ihn durch Hinterlist der Familie Mendez gestohlen.“

Miguel traute seinen Augen nicht. Dort stand er, der Beweis für die Familienlegende. Und was konnte er jetzt damit anfangen? Nach Spanien reisen und sein rechtmäßiges Erbe erkämpfen? Er las weiter: „Die Papiere sollten als historischer Fund in ihrem Versteck bleiben, nachdem sie im Stadtmuseum fotografiert und konservatorisch behandelt worden wären. Allerdings sind sie im Museum unter nicht näher geklärten Umständen verschwunden. Angeblich sei es durch zeitgleich geöffnete Fenster zu einem starken Luftzug gekommen, wodurch die Blätter auf die Straße geweht und dort vom Feierabendverkehr erfasst worden seien. Der Bürgermeister spricht von einem großen Verlust.“

Von wegen Verlust!, dachte Miguel. Er wusste es besser. Alonso Alvarez hatte ganz sicher seine Finger im Spiel. Wieder mal. War alles im Arsch.

Dieser Minikrimi wurde inspiriert durch die heutige Medien-Meldung über geheime Schriftstücke im Hintern eines Jesus-Statue:

Der Adventskalender-Minikrimi vom 7. Dezember


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Liebe Leser*innen,

heute präsentiere ich Ihnen froh einen MiniKrimi meiner Autorenkollegin Rosemarie Schmitt. Wir sind wahrlich Schwestern im schwarzhumorig-literarischen Geiste. Danke, liebe Rosemarie, für diese rabenschwarz tiefgründige Story.

Auch das hätte sie mir niemals zugetraut

Als sich die Trauergesellschaft in Bewegung setzte, um den letzten Weg mit der Verstorbenen von der Leichenhalle zum Grab zu gehen, zogen sich die beiden Frauen in den Schutz zweier Lebensbäume zurück.

„Kannten Sie sich?“

„Sie mich nicht.“

„Das dachte ich mir. Wissen Sie, in letzter Zeit habe ich viele Beerdigungen miterlebt, und irgendwie … na ja, ich erkenne nicht, was Sie mit denen dort verbände.“

„Das sehen Sie ganz richtig. Doch, bitte entschuldigen Sie meine Neugierde, da Sie offensichtlich nicht zu der Beerdigungsgesellschaft gehören: Was tun SIE hier?  Ich kann mir weiß Gott Schöneres vorstellen, als auf einem Friedhof zu stehen.“

„Ich bin quasi zu Recherchezwecken hier. Ich bin Schriftstellerin und arbeite an einem Roman. Was ich suche, sind Worte, die mir fehlen, Leben, die gehen und bleiben. Früher oder später weinen sie alle, manche aus Trauer, andere aus Solidarität, wiederum andere aus Erleichterung.“

Mit einem herzlichen Lächeln reichte ihr Gegenüber ihr die Hand.

„Mein Name ist Charlotte Seinsfeld, es freut mich, Sie kennenzulernen.“

„Ganz meinerseits. Ich bin Thea Kordel.“

Als habe es ein Startzeichen gegeben, schlugen beide Frauen ihre Mantelkragen hoch, zogen sich die schwarzen Filzhüte ein Stück weiter ins Gesicht und wandten sich der Angelegenheit zu, wegen der sie gekommen waren, der Bestattung einer alten Dame.

Wenn Theas Mutter zu Beerdigungen ging, legte sie stets großen Wert auf ein perfektes Äußeres. Man wurde ja dort von so vielen Leuten gesehen. Sie legte Lidschatten auf, und je nachdem, ob mit Tränen zu rechnen war, zog sie eine feine Linie mit einem Kajalstift und tuschte ihre Wimpern. Eine Maskerade, die durch Tränen zu einer perfekten Schmierenkomödie werden konnte.

 „Wissen Sie, Thea, wie alt die Verstorbene wurde?“

„76.“

 „Schreiben Sie auch, Thea?“

„Ja, ich schreibe überwiegend Kurzgeschichten. Ich liebe es, mich kurz zu fassen. Außerdem verfasse ich Essays und Kolumnen. Ich bin freie Mitarbeiterin für die hiesige Tageszeitung. Hin und wieder übernehme ich für befreundete Autorinnen die Lektoratsarbeit, so fern sie selbst publizieren und keinen Vertrag bei einem Verlag haben. Seit etwa einem Jahr arbeite ich an meinem ersten Roman

„Ihre Mutter muss sehr stolz auf Sie sein!“

„Sie hat niemals etwas von dem gelesen, was ich geschrieben habe. Es interessierte sie nicht.  Niemals wurde sie müde, mir zu sagen und zu zeigen, wie dumm ich doch sei. Noch bevor ich ein geschult wurde, waren meine Eltern sich einig, dass ich zwar zu einfältig sei, um ein Frühstücksei zu köpfen, aber man sich nicht sorgen müsse, weil ich erstens raffiniert sei und zweitens wenigstens eine ganz Hübsche. Das würde reichen, schließlich sei ich ja sowieso ein Mädchen.

Was ich mir wünschte und nie bekam, waren Bücher. Nein, so ganz stimmt das nicht, denn eines bekam ich zu meiner Kommunion und ein zweites, als ich mit 13 von einem Auto angefahren wurde und deshalb ein paar Tage in der Klinik bleiben musste.

Dass auch meine Verwandten mir niemals Bücher schenkten, lag daran, dass meine Mutter allen sagte, sie sollen keine Bücher für mich kaufen, ich wisse eh nichts damit anzufangen. Das erfuhr ich allerdings erst, als ich bereits erwachsen war.

Der Pfarrer leierte derweil: „Lasset uns beten. Herr, erforsche mich und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Wohin aber soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin sollte ich gar fliehen vor deinem Angesicht? …“

„Sind Sie geflohen, Thea? Geflohen vor den Erniedrigungen Ihrer Mutter? Oder holen Sie sich noch immer regelmäßig Ihre seelischen Ohrfeigen ab?“, fragte Charlotte in den Regen.

„Vor fünf Tagen wurde Mutter 76. Ich brachte ihr 200 Gramm von ihren liebsten Pralinen. Nur diese eine Sorte durfte es sein, diese mit der ganz besonders edlen Füllung .Sie steckte eine nach der anderen in ihren Schlund. Der mit Schokolade vermischte Speichel tropfte ihr vom Kinn, und sie stopfte und schmatzte. Am Ende sagte sie, ihr sei so übel und ich sei schuld, ich mit meinen fürchterlichen Pralinen. Angeboten hat sie mir keine davon, ich wisse ja, wo man sie kaufen könnte. Ich mag sie eh nicht, diese Pralinen, und meine Mutter.“

„Kommen Sie, liebe Thea“, sagte Charlotte, während sie sich wie selbstverständlich einhakte, „was halten Sie von einer heißen Tasse Tee und einem kleinen Imbiss?“

Ohne eine Antwort abzuwarten, führte sie Thea mit sanftem Druck Richtung Ausgang.

„Vielleicht sollten wir Ihrer guten Frau Mutter demnächst gemeinsam einen Besuch abstatten, was meinen Sie?“

„Das haben wir bereits getan, Charlotte. Wir kommen soeben von ihrer Beerdigung.“

Adventskalender-Minikrimi am 6. Dezember


Mit dem Nikolaus nach Venedig

Ist es nicht immer so? Wenn du grade anfängst, dich damit abzufinden, dass Du in diesem Lebensabschnitt wahrscheinlich auf dein Doppelbett verzichten kannst und es, um die letzten rosaroten Träume aus dem Schlafzimmer zu verbannen, erfolgreich bei EbayKleinanzeigen verscherbelst – wenigstens auf Selbstabholung hast du bestanden; dann, und genau dann, passiert’s. Eigentlich hätte Sabine damit rechnen müssen. Hat sie aber nicht. Ein Moment der Unachtsamkeit beim Öffnen der Wohnungstür, und der Anblick des Mannes ihr gegenüber zieht ihr den Boden unter den Füßen weg.

Was dann geschieht, ist wie eine Fata Morgana. Ein Tagtraum. One in a million. Das Bett bleibt in ihrer Wohnung. Und mit Eric – dem Mann, der auf die EBayKleinanzeige reagiert hatte – verwandelt Sabine es in den Schauplatz taumelnder Leidenschaft. Es gibt sie eben doch, die große Liebe. Eric fließt über vor Zärtlichkeit und überhäuft sie mit Aufmerksamkeiten. In der ersten Woche schenkt er ihr jeden Tag eine ganz besondere Blume, sorgfältig auf den Rand ihres Frühstückstellers drapiert. In der zweiten Woche lag auf dem Teller jeden Tag ein tief blutrot leuchtender Stein. .“Leider nur Glas, aber du bist mein Herzblut, du verdienst die schönsten Rubine. Irgendwann einmal wirst du sie bekommen, von mir.“

Irgendwann sollte heute sein. Eric hat ihr zum Nikolaus nicht etwa eine Rute in den Stiefel gesteckt. Außer Apfel, Nuss und Mandelkern waren Flugtickets nach Venedig versteckt, ganz vorne in der Spitze, beinahe hätte Sabine es übersehen. „Ich kann doch nicht einfach mit dir wegfliegen, heute, mitten in der Woche!“ „Doch Schatz, wenn man sich liebt, dann kann man das,“ versicherte ihr Eric und legte zwei identische Pullis mit Rentierbordüre auf den Tisch. „Damit wir uns auf der Reise nicht verlieren. Und wenn wir dann in Venedig sind, kaufe ich dir einen Verlobungsring mit einem blutroten Rubin.“

Sabine war überwältigt. Und fest entschlossen, den kleinen Zweifel, der hinten an ihrem Nacken nagte, zu ignorieren. Zu schön um wahr zu sein, flüsterte der böse Schalk ihr ins Ohr. Sei still, dachte sie. Und begann, den Koffer zu packen.

„Ich muss nochmal kurz weg. Gleich wieder da! Soll ich uns für die Reise einen Champagner kaufen?“ Eric erwartet keine Antwort, sondern verschließt ihre Lippen mit einem langen Kuss. Dreht sich um und geht aus der Wohnung.

Venedig. Venedig! „Zwei kleine Italiener“, summt Sabine. Und macht das Radio an, den Regionalsender, der genau diese Sorte Schlager spielte. Aber nicht jetzt. „Die Polizei hat immer noch keine Spur von dem dreisten Einbrecher, der vor über zwei Wochen bei einem Berliner Juwelier 6 Blutrubine im Wert von mehreren Millionen Euro gestohlen hat. Die Steine sind praktisch nicht zu verkaufen und sind seit dem Diebstahl wie vom Erdboden verschluckt.“

Auch das ist doch immer so: irgendwann genügt ein winziger Hinweis, und das ganze Puzzle fügt sich wie von selbst zusammen. Eine alleinstehende Frau, die ihr Doppelbett verkauft. Zwei Wochen verliebtes Werben, und dann die perfekte Ausreise eines einfachen und etwas einfältig in Rentierpullis gekleidetes Pärchen auf Verlobungsreise nach Venedig.

Wo die Rubine ohne größere Schwierigkeiten verkauft werden können.

Sabines bester Freund ist Stewart. Ein Anruf genügt, und schon eine Stunde später fliegt Sabine standby nach Venedig. Ohne Eric, aber in Begleitung sechs kleiner blutroter „Glas“-Steine. Sie ist wieder allein. Aber in der Stadt der Romantik, davon ist Sabine überzeugt, wird sie nicht lange bleiben. Vorausgesetzt, sie will ihr reiches Singledasein nicht noch eine Weile genießen.

 

 

Der Adventskalender-MiniKrimi am 4. Dezember


Immer die Falsche. Oder: Wann treffen wir zwei wieder zusamm? 

Er ist nicht für’s Alleinsein geschaffen. Dass er es immer wieder ist, liegt nicht an ihm. Er fliegt einfach immer auf die falschen Frauen. Die erste große Liebe – er hätte ihr die Sterne vom Himmel geholt, aber sie begnügte sich mit ein paar gehäufelten Isarkieseln, die ihr ein windiger Künstler am Flussufer aufstapelte. Seine Ehefrau – auf Händen hatte er sie getragen. Ihr jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Das Parfum aus dem Youtube-Channel. Die Designer-Kollektion von Lidl. Die Pauschalreise nach Malle. Und dann sogar die 2 Wochen Cuba all inclusive. Es hat alles nichts genützt. Als ihr ein Kunde mit dem Geld für Latte Macchiato und Croissant ein Flugticket nach Dubai auf den Tresen gelegt hat, ist sie einfach ausgezogen. Hat ihn sitzenlassen. Im Einfamilienreihenhaus mit der Ikeacouch, der Cewe-Fotobuchsammlung. Und nicht nur ihn, auch die Mädchen. Einfach sitzengelassen mit ihren pinkfarbenen Barbieschlössern, den Plastikeinhörnern und einem Schrank voller T-Shirts und Leggins.

Es ist nicht leicht gewesen. Er hat viel arbeiten müssen, um seinen Töchtern jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Die Holzofen-Salamipizza, das von den GNTM-Stars empfohlene Shampoo, die kussfeste Wimperntusche und der wasserfeste Lippenstift. Oder so. Am schlimmsten war ihr Undank. Er reißt sich den A…. auf, um ihnen alles zu kaufen, und sie beschweren sich, dass er erst um 18 Uhr nach Hause kommt und zum Abendessen Wurstbrote hinstellt.

Aber jetzt wird alles anders. Mit Chantal hat er die Richtige gefunden. Endlich! Wie sie sich gefreut hat, als er ihr den Gebrauchtwagen vor die Tür gestellt hat. Einfach so. Wie sie sich für ihn zurechtmacht, jeden Abend. Liebevoll Käse und Brot auf den Küchentisch stellt, für ihn. Gut. die Mädchen kommen mit ihr noch nicht klar. Und sie nicht mit ihnen. Sie will ihn am liebsten ganz für sich allein. Das gefällt ihm! Wie lange hat er dieses Gefühl vermisst, begehrt zu werden, nicht einfach nur gebraucht.

Deshalb kann und will er jetzt keine Kompromisse machen. Will sich ganz auf Chantal einstellen und ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen, bevor er noch darin zu sehen ist!

„Die ist voll oberflächlich“, sagt Jule. „Und wir sind ihr komplett egal.“ „Was erwartest Du? Papa ist auch komplett oberflächlich. Und wir sind ihm mehr als egal. Wann hat er das letzte Mal richtig für uns gekocht? Oder abends ein Spiel gespielt?“ „Ne, aber er hat uns immer das Shampoo gekauft, das grade in der Fernsehwerbung lief.“

„Genau. Wenn’s nach mir ginge, könnte er das dämliche Shampoo zum Kloputzen nehmen.“ „Oder umgekehrt.“

Und die Freundin, die das Bad betritt um die siebente Stund? Ei, die litt mit.

Chantal verließ ihn ohne Haare. Die waren dem mit WC-Reiniger versetzten Shampoo zum Opfer gefallen. Ansonsten nahm sie alles mit. Den Wagen, die Couch und die Barbieschlösser. Dafür verzichtete sie auf eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung gegen die Mädchen. Die kriegen zur Strafe kein Shampoo mehr gekauft. Und müssen abends für den Vater kochen, bevor er am Küchentisch mit ihnen die Hausaufgaben durchgeht.

Er nennt es eine Mordsstrafe. Sie finden es cool. Eingentlich.

 

 

 

 

Der Adventskalender-MiniKrimi am 3. Dezember 2017


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(Copyright: http://www.pictaram.life/user/5804788383)

„Sport ist Mord.“ Die Auflösung.

Liebe Adventskalender-MiniKrimi-Fans,

die Lösung war gar nicht so schwer. Thymi hat sie auf Anhieb erraten. Diejenigen, die den Krimi vom 2. Advent nicht gelesen haben, springen am besten erstmal einen Tag zurück – und rätseln noch schnell mit. Für alle anderen – und für den unverbesserlichen Herrn Obermeier – hier Kommissar Grubers Auflösung des Fitness-Studio Mordes.

„Lieber Obermeier, was so ausehen sollte wie eine Blutrache war in Wirklichkeit ein sehr dilettantisches Ablenkungsmanöver. Denn auch wenn wir den Mafiosi als Süditalienern eine nur rudimentäre Kenntnis ihrer Muttersprache unterstellen wollen (was an sich ja schon recht arrogant ist) – keiner von ihnen würde das in ihrer Mentalität so zentrale Thema „Vendetta“ falsch schreiben, nämlich mit „W“.

Wenn nun ein Blutrachemord ausscheidet – welches Motiv bleibt uns dann? Erinnern wir uns an Agatha Christies Basics: es geht immer im Liebe. Oder um Geld. Liebe scheidet in diesem Fall aus. Dazu ist die Leiche entweder nicht verstümmelt genug – oder zu unspektakulär bzw. gar nicht drapiert.

Bleibt das Geld. Dazu müssen wir uns fragen: welches finanzielle Mordmotiv konnte Carmela Santamaria aus Neapel bieten? Keines. Richtig. Also stellen wir die Frage anders: War die junge Neapolitanerin das, wofür sie sich ausgab? Antwort: Nein. Frage: Wer war sie dann? Hier hilft der kleine goldene Anhänger weiter, genauso wie der Jogginganzug selbst, an dem der Anhänger befestigt war. Denn wie kommt eine Putzfrau an einen Jogginganzug der AW-Fitness-Studios?  Obermeier? Hören Sie noch zu?“

Grubers Assistenz lässt nicht zum ersten Mal die zwar messerscharfe, aber gleichzeitig doch selbstgefällige Sosoaufklärung eines Falles über sich ergehen. Wir verzeihen im seine Unaufmerksamkeit. Jetzt schüttelt er sich, allerdings mehr innerlich, um seinen Chef nicht noch weiter zu düpieren, denn das würde den Monolog mindestens verdoppeln, zeitlich. „Ich bin ganz Ohr, Chef“, sagt er. Und Gruber fährt fort:

„Ich habe ein wenig recherchiert (Obermeier verflucht den Tag, als er mit seinen Kollegen dem Chef sein neues Smartphone geschenkt hat): Anita Wagner hat ihre Fitness-Studios als Frenchiseunternehmen aufgebaut – gezielt und extrem erfolgreich. Sie führt ein strenges Regime. Vor allem in punkto Abrechnung ist die junge Frau sehr penibel. Und radikal. Schon ein kleines Versehen bei einer Filial-Leitung führt zum Ausschluss. Da kamen wahrscheinlich doch Anitas mafiöse Gene zum Vorschein: ihre Mutter stammte aus Neapel und hieß mit Mädchennamen tatsächlich Santamaria. Als Anita bei der Münchner Filiale Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung auffielen, ging sie der Sache selbst auf den Grund. Die eizelnen Leitungen kommen normalerweise nie mit der Chefetage in Berührung, also bestand keine Gefahr, erkannt zu werden. Als Putzfrau schnüffelte sie allerdings überall herum. Und just an dem Abend ihrer Ermordung hatte sie alle Beweise beisammen.

Wie Kerstin Roth ihr auf die Schliche gekommen ist, ob alles nur ein Zufall war oder ob Wagner sie abgepasst, angerufen und zur Rede gestellt hat – vielleicht wird Frau Roth uns das im Laufe der Verhöre berichten. Ich gehe davon aus, dass sie schnell gestehen wird. Kann sein, dass sie auf Totschlag plädiert. Dafür würde sprechen, dass sie den Anhänger mit Anita Wagners Initialen übersehen hat. Andererseits – wer so blöd ist, Vendetta mit W zu schreiben…….!

Gute Nacht, Obermeier. Passen Sie nächstes Mal einfach besser auf, dann hör ich IHNEN zu. Versprochen!“

 

Der Adventskalender-MiniKrimi am 2. Dezember


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Sport ist Mord

Ich sag’s ja, Sport ist Mord“. Kommissar Grubers Laune hat sich seit seiner Ankunft am Tatort kontinuierlich verschlechtert. Und das liegt nur zum Teil daran, dass ihn das Fitness-Studio mit seinen Spiegeln und chromblitzenden Geräten mit der Tatsache konfrontiert, dass er viel zu selten trainiert. Nein – solche Fälle ärgern Gruber. Die Frau ist zu junge und zu schön, um tot unter dem Gewicht eines Fitnessgerätes zu liegen. Sie ist auch zu sportlich. Ihr Jogginganzug unter dem Putzkittel sieht denen der Trainer zum Verwechseln ähnlich, bis auf den kleinen Anhänger. Der ist golden. Mit zwei eingravierten Buchstaben, AW.

„Der Fall ist klar, Chef“. Ich ruf schon mal den Staatsanwalt an, der soll das BKA informieren. Mafiamord in München. Schrecklich. Naja, wenigstens haben wir dann nichts mehr damit am Hut.“ „Das werden Sie nicht tun, Obermeier.“ Der Kommissar legt seinem Assistenten eine schwere Hand auf die Schulter.

„Chef – wieso? Die Tote hat einen Zettel in der Hand, auf dem steht „Wendetta“. Das ist italienisch und heißt Rache.“

„Ich weiß, Obermeier…“

„Und der erklärt alles. Carmela Santamaria war erst vor zwei Wochen als Putzfrau eingestellt worden.Sie kommt aus Neapel. Kerstin Roth, das ist die Pächterin dieser AnitaWagnerFitness-Filiale hier, hat mir alles erzählt. Sie sagt, dass Carmela sich sehr seltsam verhalten hat. Als würde sie rumschnüffeln. Vielleicht hat sie das Fitness-Studio als Tarnung benutzt. Oder wollte Geld waschen. Keine Ahnung. Wahrscheinlich ist ihre Tarnung aufgeflogen, die Mafia hat sie hier aufgespürt und dann – basta.“

„Obermeier! Jetzt hören Sie schon auf. Der Fall ist doch sonnenklar. Stimmt, ihre Tarnung ist aufgeflogen. Stimmt, jemand wollte sie stoppen. Aber mit Mafia hat das nichts zu tun.“

„Das versteh ich nicht, Chef. Das müssen Sie mir erklären…!“

Bevor Kommissar Gruber seinem Assistenten die Lösung des Falles verrät, seid Ihr dran!

Na, wer hat „Carmela“ getötet? Und warum könnte das geschehen sein?

Ich freue mich auf Eure Ermittlungen!