Adventskalender 2.0. 19. Dezember: Es schneit.


Ich bin wieder hier. Bei mir. Heute morgen habe ich die Augen aufgeschlagen und mein Schlafzimmer gesehen, zum ersten Mal seit vier Tagen. Ich meine, so richtig gesehen. Mit graden Wänden und ohne schwarze Männer. Gestern Nacht haben sie noch in meiner Wohnung einen Veitstanz aufgeführt, dem ich machtlos zuschauen musste, so ungefähr als stünde ich in einer Grotte hinter einem lauten Wasserfall und beobachtete das Geschehen am Ufer. Woher kamen die bloß? Sicher noch Reste meiner letzten Erinnerungen auf dem Autobahn-Parkplatz. Überhaupt: was ist da passiert? Franck hat mir auf meine dahingestammelten Frage-Fetzen nichts weiter geantwortet als „Später, Engel, werd erst mal wieder gesund“. Jetzt sehe ich ihn nirgends. Rufen mag ich nicht. Ich bin froh, allein zu sein, und schäme mich gleichzeitig dafür. Er war so nett zu mir. Hat mich gepflegt. Aber was hatte ich eigentlich? Mein Kopf fühlt sich immer noch an wie mit Watte gefüllt, meine Beine wie Wackelpudding. Aber von einer komischen Unruhe getrieben kämpfe ich mich aus den Laken und auf die Füße. Die vier Meter zum Bad sind ein Schneckenweg. Aus dem Spiegel schaue ich mich an. Ich sehe aus wie immer, nur etwas blass und Ränder um die Augen. Keine Blessuren. Ich schiebe das Schlafshirt hoch und begutachte jeden Zentimeter meiner Haut. Nichts. Nicht mal blaue Flecken. Naja, Gehirnerschütterung siehst du zwar nicht unbedingt, aber meistens hast du die ja irgendwo her. Ich hocke mich auf den Wannenrand. Er kratzt auf meiner nackten Haut wie Kiesel. Mechanisch wische ich über das weiße Email. Körner bleiben auf meiner Hand. Winzige weiße Körnchen. Scheuerpulver? Ich lecke vorsichtig daran. Kenn ich nicht, den Geschmack. Aber kein Putzmittel, soviel steht fest.

Obwohl, Franck muss sauber gemacht haben. Wozu sonst der Wischeimer und der nasse Putzlumpen? Ich höre den Schlüssel im Schloss. „Scheiße“ ist meiner erster Gedanke. Und mein zweiter: Gisa, wovor hast du Angst. Das ist sicher nur Franck. Eben. Denke ich. Während kalter Schweiß an mir herunterrieselt.

Adventskalender 2.0. 18. Dezember: Fluchtversuch!


Die letzten Tage sind mir wie im Flug vergangen. Über den Atlantik, mit Wellentälern und Schwindelkämmen. Windstärke hundert, mindestens. Mir war speiübel, meistens. Und meine Augen wogen Tonnen. Dahinter liefen die merkwürdigsten Filme ab. Da liefen Typen durch meine Wohnung. Alle in schwarz, sogar die Augen. Ich wollte hören, was sie sagten, aber meine Ohren waren wie mit Watte verstopft. Oder der Orkan brauste einfach zu stark. Immer wieder versuchte ich, einen von ihnen an der Hose zu zupfen, wenn er an mir vorbeikam. Aber meine Finger griffen ins Leere. Als sei ich auf dem Fliegenden Holländer, und die ganze Crew nur Gespenster. Dann plötzlich war alles blutrot. Das waren die Momente, vor denen ich mich am meisten fürchtete. Es regnete Rubine, sie rieselten auf mich herab, stachen und brannten. Ich war gefangen in diesem Traumhaus und wollte da raus! Einmal schrie ich so laut, dass mein Kopf davon hallte, als sei er ein leeres Kirchenschiff. Da fühlte ich eine kühle Hand auf meiner Stirn, für einen Moment kam meine Welt ins Lot und ich hörte Franck’s Stimme: „Komm, Engel, trink etwas. Du hast Fieber, aber ich bin bei dir, ich lass dich nicht allein.“ Dankbar nahm ich das Glas und dann auch seine Hand. Er ließ sie mir und seine Finger schlängelten sich wie Vipern an meinen entlang. Ich konnte ihn sehen. Müde und blass. Der Ärmste! Er kannte mich kaum und nahm diese Mühe auf sich!

„Danke. Für alles“. Hauchte ich, und dann schlug das Wattemeer wieder über mir zusammen. Kurz vor dem Untertauchen glaubte ich noch eine Gestalt zu sehen, die sich am Türrahmen entlangschob. Und Franck, der abwehrend die Hand hob. Ach, er konnte den Albtraum nicht aufhalten. Ich wimmerte leise und hörte mich selbst. Das bist doch nicht du, Gisa, flüsterte plötzlich die kleine Stimme. Wach auf, bleib an Land! „Schlaf, mein Engel,“ flüsterte Franck.  „Schlaf dich gesund!“ Nein, bleib da!, kam die kleine Stimme wieder. Und ich riss mühsam die Augen auf, starrte in mein Zimmer voller schwarzer Männer. „Gisa, du schläfst jetzt!“, befahl Franck und drückte mir beide Daumen auf die Lider. „Au!“ schrie ich erschrocken. Aber da war es schon dunkel, Samt schlug mich in seinen Bann. Wache ich noch einmal auf?

Adventskalenderkrimi 2.0. 15. Dezember: Der Hummer!


„Hallo, Welt an Gisa, bitte kommen!“ Seit wann duzt mich der Nachbar? Und wieso hört er nicht mit dem Bohren auf, wenn er gleichzeitig bei ist und zu mir spricht? Ist die Wand schon durch? „Gisa, Liebes, komm, trink ein Glas Wasser.“ Wasser? Ich schiebe den Hirsebrei aus meinen Gedanken hinters Auge und blinzele. Franck schaut mich an, besorgt und jetzt grade irgendwie erleichtert. Hält mir ein Glas an die Lippen. „Was?“ frage ich. Und setze nochmal an: „Was is passiert?“ Gewisse Momente verlangen einfach nach Platitüden. „“Später, mein Engel. Ruh dich erst mal aus. Hast du Hunger? Ich mach uns was Feines zu essen. Wie wär’s mit was Leichtem? Hummer?“ „HUMMER?“ Das Auto? Ohnein! Das AUTO. Ich frage NICHT. Franck ist so nett, entweder er weiß nicht, dass ich mit dem Porsche unterwegs war, oder es ist nichts wirklich Schlimmes passiert, zumindest nicht mit dem Auto. Ich muss aufs Klo. Gar nicht so einfach, die Orientierung zu behalten in einer Wohnung, die Seegang hat. Ich klettere vom Sofa, taste mich in den Flur. Muss über einen Koffer steigen, eine Reisetasche, beide nicht von Louis Vuitton, und einen verschnürten Pappkarton. „Du hast eine Gehirnerschütterung und darfst jetzt nicht allein sein. Zum Glück hast du ja mich.“ Wie der Zufall so spielt! „Ich bleib erst mal hier“. Erstmal bezieht sich auf wieviel Wochen? fragt meine kleine Stimme, die sich scheint’s wieder aufrappelt. „Wie SCHÖN!“, brüllt eine andere, mir ganz fremde Stimme tief im Dunkeln meines Bauches, oder wo sonst das Herz angesiedelt ist……

Adventskalenderkrimi 2.0. 14.Dezember: Traumtänze


Mein Kopf ist voller Hirsebrei, aus meiner Nase tropft Himbeersauce und ich schwimme auf einer Luftmatratze im toten Meer. Angenehmes Gefühl, so im großen und ganzen. Leider ist meine Wohnung offensichtlich zur Baustelle geworden. Nebenan, aber mir kommt es so vor, als sei es in meinem Kopf, durchstößt ein Presslufthammer eine Stahlbetonwand. Wusste gar nicht, dass das Haus so solide gebaut ist! Der Nachbar will sich aber entschuldigen und hat mir duftenden Kaffee mitgebracht. Wie nett von ihm. Ich rieche genau, es ist Espresso!

Adventskalenderkrimi 2.0. 13. Dezember: Nachtblind


Ich fahre die Ausfallstraße entlang, ohne zu überlegen. Biege bei nächster Gelegenheit ab auf die Autobahn. Richtung Bodensee. Herrliche Leere. Glänzender Asphalt. Die Lichter im Tunnel rasen an mir vorbei. Ich bin pure Beschleunigung, genieße den Druck, der mich tief in den Sitz hineinschiebt. Oh Mann! Wenn nur der Idiot hinter mir nicht wäre. Der macht mich total nervös. Drei freie Spuren, und er klemmt an meiner Stoßstange als wäre er mein Anhänger. Schweren Herzens nehme ich den Fuß vom Gas. Soll er doch an mir vorbeifahren, wenn er es so eilig hat. Ich für meinen Teil will diese unverhoffte Nachtfahrt auskosten, ohne Reue und ohne Rückspiegelterror!

Ja! Es hat geklappt. Er setzt den Blinker. Überholt. Hey! Zieht direkt vor mir wieder rein.   Plötzlich geht oben auf dem Dach eine Leuchtschrift an. Bitte folgen Sie uns. Ooooh Schit. Mannmannmann! Zivilstreife! Echt oder? Mir bleibt aber auch gar nichts erspart. Oh Mann! Er blinkt und fährt rechts raus. Hält auf dem dunklen Parkplatz. Das könnte sonst wer sein und sonst was mit mir machen, fährt es mir heiß durch den Kopf, und ein Kälteschauer jagt meinen Rücken runter. Es klopft an die Scheibe der Fahrertür. Diese automatischen Fensterheber kannst du nicht mal kontrolliert bedienen. „Hallooo?“ versuche ich forsch zu klingen. Etwas furchtbar Helles blendet mich, ich versuche, den Kopf zu drehen, alles ist weiß. Dann schwarz. Vorhang.

Adventskalenderkrimi 2.0. 12 Dezember: Ride on the wild side.


Was war jetzt der Traum? Venedig oder das grade eben hier? Ich drücke meinen Kopf in das Ikeakissen. Erst ein Jahr alt und schon total verklumpt. Billiges Schwedendesign. Ach, waren das Zeiten, als ich in Daunenbetten schlief, die jede Woche frisch und nach Lavendel duftend bezogen wurden. Those were the days, my friend. Aber ich musste ja alles aufgeben, auf der Suche nach mir und meiner verdammten Freiheit. Heute bin ich frei. Ich bin so frei, dass ich nachts in einem Second-Hand-Bett liege, das nach einem Typen riecht, der mitten in unserer ersten gemeinsamen Nacht schon verduftet ist. Große Freiheit! Ich greife um mich, fische eine Zigarette aus der Schachtel. Die letzte. Taste nach dem Feuerzeug. Naklar finde ich es nicht. Was isn das? Glatt und oval und zum Eindrücken. „Scheiße, der hat seinen Autoschlüssel liegenlassen!“

Wie der Blitz springe ich aus dem Bett, in die Jeans, zieh nen dicken Pulli über, Weste drüber, Stiefel und dann nichts wie raus ausm Haus. Ha, Frankyboy. Du hast mir zwar keinen Abschiedskuss gegeben, aber der Schlitten ist mehr wert als tausend Worte. Wenn auch nur unfreiwillig, grinse ich. Sicherheitshalber schleiche ich durch die Hintertür. Komisch, dass er noch nichts bemerkt hat….

Da steht der Porsche. Und blinkt mich vertrauensvoll an. Einsteigen, Gas geben. Und AB geht die POST! Highway to hell and a ride on the wild side! Die Nacht gehört der Straße und mir!

Es dauert einen Moment, bis es mir gelingt, den Rückspiegel so einzustellen, dass mich die gelben Lichter nicht mehr blenden. Da fährt wohl noch einer schlaflos durch die Nacht….

Adventskalenderkrimi 2.0. 11 Dezember: Klingelzeichen.


Aus den Augenwinkeln sehe ich noch, wie der schwarze Wagen wendet und gegenüber einparkt, alles ohne Licht. Verdächtig vielleicht, aber ich habe jetzt keine Zeit, mich zu wundern. Oder Angst zu haben. Dazu ist der Moment viel zu wertvoll. Spannend. Aufregend. Einfach geil…….

Es klingelt. Ich stehe mitten auf dem Markusplatz in Venedig und mein Handy klingelt. Ich warte auf Franck, schon seit einer halben Stunde. Jetzt klingelt mein Handy. Ich krame in meiner Tasche, aber ich finde es nicht. Hektisch fische ich in dem viel zu großen Sack, ich muss mich beeilen, sonst legt er auf. Portemonnaie, Kalender, Schminktasche. Kein Handy. Und es klingelt immer weiter.

Ich mache die Augen auf. Stehe nicht auf dem Markusplatz. Ich liege im Bett. In meinem Bett. Franck atmet neben mir, tief und gleichmäßig. Jetzt schnarcht er. Es ist sein Handy, das klingelt. Ich bringe es nicht übers Herz, ihn zu wecken. Aber es hört nicht auf. Sei still, beschwöre ich es. Nö. Da nehme ich den Anruf an. Drücke das Handy ans Ohr. „Hey Alter, isch weiß dass du da bist“. Die Stimme kenne ich. „Sag mal spinnst du jetzt oder was?“ Franck reißt mir das Handy aus der Hand. Schaut auf das Display. Zieht sich an. Und geht.

 

Adventskalenderkrimi 2.0. 10 Dezember: Milchmädchenrechnungen.


Ich tue so, als sei nichts gewesen. „Eigentlich können wir die paar Meter auch laufen“, sage ich, während ich den Sicherheitsgurt einrasten lasse. Ich liebe dieses satte Geräusch, wenn der Motor kommt. Und erst das Gefühl unter der Fußsohle, wenn der Wagen abgeht. Hab ich viel zu lange vermisst! Seit ich meinen  987er Cayman S verkaufen musste. Am Ende meines anderen Lebens. Ich schmiege mich tief ins Leder und genieße die Fahrt. Viel zu kurz. „Wenn du Glühwein trinken willst, kann ich dich ja zurückfahren.“ „Auf einen Kaffee? Oder magst du lieber meine Briefmarkensammlung sehen?“ „Jetzt essen wir erst mal“. Das Lokal ist fast leer. Es riecht nach gegrilltem Fleisch und gebratenen Zwiebeln. Lecker! Viel leckerer als die vier trockenen Semmeln von Tengelmann, die ich normalerweise als Abendessen geplant hatte. Jetzt muss ich nur noch entscheiden, ob das heute mein Glückstag ist oder der Beginn einer ganzen Reihe von glücklichen Tagen. Frohe Weinachten und schöne Bescherung. Ich muss lachen, als ich die gegrillten Calamari bestelle, mit einer Flasche Chablis, gut gekühlt. „Du bist gut drauf“. Franck schaut mich über die Kerzen hinweg an. Der Kellner steht neben uns, Block in der Hand, Stift gezückt. Er zögert. „Ich bin heute zum Essen eingeladen“, erkläre ich, und er entspannt sichtlich. Franck bestellt vorab noch einen großen Vorspeisenteller und dann ein Gyros – „ich mag das so gerne“. Während des Essens erzählt er mir alles über seinen schicken Flitzer. Ich höre gerne zu. Dann kann ich in Ruhe essen. Nach dem letzten Bissen Mangomousse bin ich satt. Und sehe in Francks Augen, dass er definitiv einen ganz besonderen Nachtisch erwartet. Er zahlt die Rechnung mit Kreditkarte und legt ein üppiges Trinkgeld hin. Das wollte ich natürlich übernehmen, aber ich hatte mein Geld in der anderen Handtasche. Wie immer, halt. Wir haben den Chablis gekillt, und jetzt ist mir wohlig warm und abenteuerlich zumute. „Willste echt fahrn?“ „Klar doch. Ist es weit bis zu dir?“ „Nee. Magst nen Kaffee?“ „Ohhh ja gerne!“ Ich starte. Hui, wie toll! „Wohin?“ „Verdammt, ich hab ja gar nix daheim. Bin gestern erst ausm Ausland gekommen. Machts dir was aus, wenn wir zu dir fahren?“ „Ne gar nicht.“ Dann kann ich nochmal ins Bad. Oder ihm die Tür vor der Nase zuknallen. Mal sehen. Aber ich wüsste schon gerne, wie er so ist…….“STOPP!“ „Scheiße!“ Fast wäre ich dem Auto draufgeknallt, das plötzlich vor mir gebremst hat. So schwarz, der hat ja nicht mal Licht an. „Soll ich aussteigen und ihm die Meinung sagen?“ „Nein!“ Francks Stimme ist hart. Dann ganz weich: Du hast was Besseres zu tun.“ Und dann küsst er mich.

Adventskalenderkrimi 2.0. 9. Dezember: Abgefahren.


Ich zögere. Stehe auf. Drücke mir das Sofakissen vor den Bauch. Wie eine schusssichere Weste. Einen Panzer. „Giiisaaa, hey, was los?“ Ich schleiche zum Balkon. Schalte mit einem schnellen Entschluss meine Gedanken ab. Und reagiere aus dem Bauch heraus. Ich öffne die Balkontür, trete zwei Schritte in das schneematschnasse Dunkel. „Ich komme gleich, war nur noch mal kacken“. Ok ich habe die Zeitungswerbung gesehen, damals im Kino. Vielleicht schocke ich ihn damit? Und vor allem keine Verwunderung zeigen! Ich warte auch nicht auf seine Antwort. Schließe die Tür mit, lasse den Hebel fest einrasten. Schlüpfe in Mantel, Mütze, Schal und renne die Treppen runter. Das Flurlicht ist schon wieder kaputt! Meine Finger sind gefühlte zwei Zentimeter von der Haustür entfernt, da geht sie auf. Frau Niederreuther mit Hund, beide grau und betröpfelt. „Nabend“, nuschele ich. „Sie sollten den netten jungen Mann nicht so lange warten lassen. Sonst schnappen wir ihn Ihnen noch weg, gell, Cindy“, sagt die Niederreuther und kichert ihren Hund an. Achsoooo, mein Herz plumpst vom Hals in den Brustkorb zurück. Ich sollte wirklich weniger Krimis anschauen und endlich mal wieder war Gebildetes lesen. Poe vielleicht, oder Schiller. Oder Glauser. „Sorry, dass du so lange warten musstest. Und DANKE, dass du gewartet hast“, hauche ich vielleicht einen Tick zu sanft. „Ist schon ok, das macht dich sehr weiblich“, grinst er. „Aber jetzt hab ich mir nen Glühwein verdient, oder?“ „Mindestens“, antworte ich und hake mich mutig bei ihm. „Wenn du willst, können wir auch mit meinem Auto fahren“, sagt Franck. Mit einer betont beiläufigen Handbewegung zielt er auf die Reihe parkender Autos an der Pappelallee. Ein Blinken antwortet. „Wow, DAS ist DEIN Auto?“ entfährt es mir, als wir uns dem nagelneuen, silberleuchtenden 911er nähern. „Mann gönnt sich ja sonst nichts“, kontert Franck und ich höre den Stolz in seiner Stimme schwingen. „Bis heute“, setzt er leise hinzu. Aber ich hab’s trotzdem gehört.

Adventskalenderkrimi 2.0. 8. Dezember: Psycho.


Ich steh total auf Krimis. Als Bücher und als Filme. Aber nicht die modernen Schreck-Konserven aus dem SB-Shop der Horror-Platitüden. Ich mag die Klassiker. Die Vögel. Wenn die mit schwarzem Flügelschlag den grauen Leinwandhimmel verdunkeln, dann versinke ich in den Sofakissen, schlürfe von meinem Martini-Cocktail – ok meistens ist es nur kalter Chablis, aber auch weiß, wenigstens, und zittere wohlig. Oder ich stehe in der Dusche. Heiße Tropfen rennen an meinem Körper herunter, in welligen Strahlen, versammeln sich zu meinen Füßen zu einem See. Immer mehr Tropfen zu einem immer größer ausufernden See. Der Duschvorhang bewegt sich – das Fenster ist gekippt. Höre ich Schritte im Flur? Ich schaue auf meine Beine. Das Wasser färbt sich rot, rubinrot. Ein roter Fluss, der mich umhüllt. Ich stehe ganz still. Dann fange ich an zu schreiben. Lautlos. Und reiße mit einem Ruck den Duschvorhang zur Seite.

Aber das ist kein Film. Unten ruft jemand meinen Namen. Jemand, der genau weiß, wo ich bin. Ohne dass ich weiß, warum.