Antwort auf das AfD-Outing einer FB-Bekanntschaft


Geht ein Ruck durch Deutschland? Oder ein Riss? Im Kreise meiner FB-Bekannten kommt es zu öffentlichen Bekenntnissen zur AfD. Einzelfälle, zum Glück. Aber dennoch bedenklich, da die plakative, eigentlich ganz offensichtlich auf Fake-News, Angstmache und demagogischer Fehlargumentation basierende Taktik auch bei denkenden Menschen auf fruchtbaren Boden fällt.

Ich gebe zu – es ist „komod“, die Dinge einfach zu nehmen, undifferenziert und so, wie wie sich beim ersten Lesen oder Hinschauen präsentieren. Nachfragen, Quellen recherchieren, Statements vergleichen und Widersprüche aufdecken ist zeitraubend. Aber zuweilen unabdingbar. Jetzt, vor der Wahl, ist ein solch kritisches Verhalten gegenüber Leuten, die einem weißmachen wollen, es gäbe auf komplexe Sachverhalte einfache Antworten, und diese begännen immer mit „Deutschland zuerst“, überlebenswichtig für unsere Demokratie.

Auf der Suche nach der Frage, wie es passieren kann, dass Menschen ihren kritischen Verstand und ihr angeborenes Urteilsvermögen im Angesicht nationalistischer Äußerungen auf Plakaten („Neue Deutsche? Machen wir selbst“, „Bunte Vielfalt? Haben wir schon“, „Burka? Ich steh mehr auf Burgunder“, „Der Islam? Passt nicht zu unserer Küche“) und beinahe strafrechtlicher relevanter Äußerungen (Politiker entsorgen, „stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“ etc.) abgeben, habe ich eine vorläufige Antwort gefunden: Das sind Menschen, die den Wunsch haben, der Abziehbilderwelt der Werbung zu glauben, die alles wahr und weiß und schön und einfach macht – und jeden und jede zum glücklichen Mittelpunkt einer sauberen Welt. Alles, was stört, muss weg.

Leider vergessen diese Menschen, dass wir aus purem Zufall in einem Land leben, in dem wir – ja! – genug zum Leben haben und KEINER verhungern MUSS, in dem auch Armut ein Niveau hat, von dem 90% der Weltbevölkerung nur träumt, in dem wir unsere Meinung frei äußern können (NOCH), auch, wenn sie regelrecht menschenfeindlich ist, in der wir nicht Gefahr laufen, „einfach so“ von Raketen, Granaten, Landminen getötet zu werden etc. etc. etc. In einem Land, dessen Menschen auch deshalb so gut leben, weil dieses Land von Kriegen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten anderer Länder profitiert. Wenn diese Menschen, auf der Flucht vor von uns mitverursachter Armut, von uns mit geschürtem Krieg bis zu uns kommen, sollen sie entsorgt werden?

In einer globalen Welt gibt es nicht mehr das Recht darauf, klein und national zu bleiben und zu leben. Und paradoxerweise lebt genau die Partei, die die nationale Rassenenklave stilisiert, fast ausschließlich durch das Internet – globaler Meltingpot par excellence!

Statt Buhmänner und Buhfrauen zu suchen, müssen wir uns alle der Tatsache stellen, dass in einer globalen Welt nur globale, komplexe Antworten weiterhelfen. Beim Klima, bei der Armutsbekämpfung, bei der Migration. Wir können nicht expandieren und exportieren, wo und wie es uns passt, aber nichts hereinlassen. Im Zeitalter der Digitalisierung ist die Vorherrschaft der Weißen Rasse kein Naturgesetz. Mehr. Natürlich müssen wir darauf achten, dass in Deutschland niemand in der Entwicklung zurückgelassen wird. Aber passiert das denn wirklich? Meine Beobachtung ist, dass diejenigen, die jammern und schreien, selten die sind, denen es wirklich besser gehen müsste. Natürlich müssen wir die Renten anheben, mehr Kitas bauen, Mieten senken, Pflege sichern.

Vor allem müssen wir in Bildung investieren, denn da liegt die Crux! Nur, wenn jeder versteht, dass ein Sozialstaat vom Engagement jedes Einzelnen lebt und nicht von einer sozialen Gießkanne – denn woher sollte da was fließen?, nur dann kann das soziale Niveau weiter so hoch gehalten werden, wie es jetzt ist. Wir sind de facto bereits ein multikulturelles Land, und schon heute zahlen Menschen mit dem unterschiedlichsten kulturellen Hintergrund Steuern. Diese Entwicklung wird weitergehen. Sie ist nicht aufzuhalten – hoffentlich. Denn sonst geht es unserer Gesellschaft bald sehr schlecht.

Ja, die Welt wird anders werden. Das war aber schon immer so. Und auch in Deutschland wird sich nichts rückwärts entwickeln, der AfD zum Trotz. Nur fände ich es schade, wenn wir diese „Gestrigen“ nicht mitnehmen würden, denn sie gehören dazu, und eine Demokratie wird mit ihnen fertig. Im Gegenteil – sie stärken die Stimme der Vernunft!

Aber, C. (Name der FB-Bekannten), es gibt keinen sozial, menschlich oder politisch tragfähigen Grund, die AfD zu wählen. Diese Partei ist nachweislich rechtsradikal. Du kannst Dein Anderssein in jeder anderen Partei ausleben – wenn es demokratisch orientiert ist. Wenn nicht, findest Du in einem demokratischen System vielleicht keinen Dir genehmen Platz und solltest Dich nach einem Staat umschauen, in dem die Vorherrschaft des Weißen Mannes als Naturrecht noch gelebt wird.

Mir fällt da keiner ein.

Schwarzer Blog


 

Frankfurt am Main, November 1981. In der Rohrbachstraße kesseln Polizisten Demonstranten ein, die friedlich gegen den Ausbau der 3. Startbahn des Frankfurter Flughafens protestieren. Zuvor hatten ein paar Punks Schaufensterscheiben eingeschlagen und waren danach geflüchtet. Ebenfalls verflüchtigt hatten sich Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit, die die Demonstration angeführt hatten. Übrig blieben junge und alte Frauen und Männer, Jugendliche, die allesamt keinerlei Erfahrung im Umgang mit Polizeigewalt hatten. Einige versuchten, von den Beamten die Namen zu erfragen, andere blieben einfach stehen und hielten die Arme hoch. Ich nicht. Von einem 2 Meter hohen Garagendach in einem Hinterhof, dessen Gitter wir in unserer Panik niedergedrückt hatten, sah ich zu, wie Polizisten unten meiner Freundin mit Schlagstöcken das Trommelfell zertrümmerten, am Boden liegende Wehrlose mit Tritten bearbeiteten. Mehrere Demonstranten wurden an diesem Abend schwer verletzt.

Der Frankfurter Kessel ging in die Annalen ein. Kaum ein Polizist konnte belangt werden, weil ihre Namen nicht bekannt waren. Allerdings wurde der Frankfurter Magistratsdirektor Alexander Schubart wegen Nötigung der Landesregierung (§ 105 StGB) und des Aufrufs zur Gewalt zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt und aus dem Staatsdienst entlassen.

In diesen Zeiten wurde der „schwarze Block“ geboren. Aus einer Vielzahl von Motivationen heraus. Eine davon: der Selbstschutz. Auch ich, damals Theologiestudentin, auch Kommilitonen und Professoren, die mitdemonstrierten, auch wir schützten uns gegen Tränengas, gegen Wasserwerfer, schließlich gegen Schlagstöcke. Wir hatten keine Mollies und keine Steine. Wir wollten „nur“ keine Startbahn West und das Recht, unseren Protest zu äußern.

Natürlich gab es an vielen anderen Orten ebenso viele unterschiedliche Beweggründe, Radikalisierung als Phänomen der nicht akzeptierten Unterlegenheit im demokratischen System. Natürlich gab es die auf Krawall gebürsteten Punks. Die Gelegenheitsrowdies, die Demotouristen. Aber „den“ schwarzen Block gab es nicht.

Typisierungen zur Vereinfachung von Sachverhaltsdarstellungen kennen wir aus den Medien. Da werden aus Asylbewerbern, anerkannten wie abgelehnten, geduldeten und oder im Berufungsverfahren befindlichen, Asylanten. Aus einer komplexen Geldwaschmaschinerie werden einfach die „Panama-Papiere“. „Vereinfachung, Ent-Förmlichung und neue kognitive Herausforderungen gehen Hand in Hand“ (Journalistikon). Wenn also die Medien vom „schwarzen Block“ sprechen und schreiben, ist das für sie ein Handwerksmittel. um mit zwei Worten zu sagen: Mehrere oder viele Leute mit Gewaltpotential und ähnlicher Kleidung, die die Erkennung und Identifizierung erschwert. Das ist irreführend, aber ok. Für die Medien.

Wenn Politiker und Polizei solche Verkürzungen übernehmen, entsteht dahinter eine Theorie. Wie bei den Nafris. Und Theorien bergen die Gefahr der „Entpraxifizierung“. Dabei ist praktisches Handeln das einzige, was der Gewalt Einhalt gebieten kann.

Der schwarze Block ist eine Formation, die auf Demonstrationen genutzt wird. Von Menschen unterschiedlicher Motivation. Die einen wollen ihre Kritik an der Gesellschaft, an westlicher Gesellschafts- und Wirtschafts- und Lebensform ausleben und dabei den demokratisch vorgegebenen Rahmen ausschöpfen. Ich erinnere daran, dass im „schwarzen Block“ auch Unvermummte laufen, wie zuletzt auf den Bildern vom #G20 gesehen. Andere wollen ihn überschreiten. Wieder andere wollen destabilisieren. Und einige schließlich wollen zerstören. Hinter all diesen Beweggründen liegen persönliche Geschichten. Entweder, wir kriegen diese Menschen und holen sie in den Mittelpunkt der Gesellschaft zurück, oder…… ?

Wie haben es hier, so sehe ich es, mit zwei, drei, vier differenzierten Phänomenen zu tun. Einmal der Widerstand gegen als ungerecht, konsumistisch, umwelt- und menschenverachtend angesehene Staaten. Dieser Widerstand besteht zum Großteil aus jüngeren Menschen mit einen gewissen Bildungsgrad – es ist das gleiche Potential, das im Laufe der Jahrhunderte gezündelt und Revolutionen angestoßen hat. In Frankreich, in Russland, in Deutschland, im Iran, in der Ukraine, in den arabischen Ländern. Wenn es gelingt, werden sie zur neuen Staatselite, und das Karussell dreht sich von vorne. Wenn nicht, werden sie entweder kriminell oder kriminalisiert.

Dann gibt es die Schläger, die Gewalttouristen. Auch sie eine historische Erscheinung, nur, dass in einer globalen Welt die Wege kürzer sind. Von der Antike bis heute sind sie brandschatzend durch die Lande gezogen, mit dem Ziel persönlichen Lustgewinns an der Zerstörung. Sie haben KEINE definierte politische Visionen und keine Alternativen, sind weder „links“ noch „rechts“, sondern einfach und aus Prinzip „dagegen“.

Neu – und der Medienvielfalt geschuldet – sind die vielen passiven digitalen Gaffer und Kommentatoren. Angeheizt durch News, ob Fake oder echt, die den Medien maximale Zugriffe sichern sollen, blaffen sie sich durchs Netz, und ihre Meinungen, bar jeder tieferen Reflexion, multiplizieren sich mit jedem geteilten Klick. Sie sind es, die die Stimmung in der „Masse“ prägen und bewegen. Und sie sind die eigentliche Unwägbarkeit, sie sind es, die mir echte Angst machen. Deutsche Massen sind etwas braungefährliches, das wissen wir aus leidvoller Erfahrung.

Und ich erwarte vom „deutschen Volk“ einfach mehr Besonnenheit beim pauschalen Verurteilen von Gruppen, egal welcher Couleur. Ich erwarte vielleicht zuviel. Aber ich rücke nicht davon ab.

Und dann gibt es da noch die Planer. Die Strategen. Welche Rolle sie spielen, liegt im Planungsdunkel und ist deshalb um so mehr Stoff für (Verschwörungs-)Theorien. Von der RAF bis zum NSU, vom Baader-Meinhof-Prozess bis zur Rohrbachstraße und dem Schanzenviertel. Die Fragen werden aufgeworfen, aber nicht beantwortet. Vielleicht nur Generationen später. Welche Risiken werden kalkuliert, welche Kollateralschäden in Kauf genommen, für welches Ziel?

Fakt ist: letztendlich ist es immer die eine, große, tiefe Auseinandersetzung zwischen Macht und Ohnmacht.

Nur wer beide verbindet, aushält, ausgleicht, kann einen Schritt weitergehen. Nach vorne!

Hier könnt Ihr Euch über die Rohrbachstraße informieren.

 

 

 

Zeitsalat


Ich stehe in der Küche und schneide Gurke für einen Sommersalat. Draußen Sonne bei über 30 Grad. Drinnen Schatten und Zitronenduft. Ich schneide und rieche und stehe plötzlich in einer anderen Küche, in einer vergangenen, ich dachte vergessenen Zeit. Schneide Gurken für einen Sommersalat, den ich nicht drei Meter weiter auf die Terrasse am Wohnzimmer trage, sondern eine kalte steile durch ungleiche Stufen erschwerte Kellertreppe hinunter, durch eine Waschküche mit eingemauertem Kupferwaschbottich auf die bemooste Terrasse, die einen riesig verwunschenen Garten überblickt, ein Tal und die sanftgrünen Schafhügel gegenüber, jenseits von Bächlein, Sägewerk und Holzlagern.

Plötzlich bade ich im heißen Gefühlsgemisch meiner Twen-Jahre. Enge und Langeweile, Stunden wie Blei à la Margarete von Trotta. Und gleichzeitig der Genuss dieser einfachen Tätigkeit und ihrer Versprechen. Salat und Sommer. Gespräche am Tisch mit meiner Mutter, mit Freunden aus aller Welt, Campari und Aperol und ein Abendbesuch bei meinem Bruder auf dem Weg zum Grab meines Vaters. Eine Zigarette unter der Dunstabzugshaube, Prosecco hinterm Fliegengitter und Spaghetti al pesto um Mitternacht.

Wie und warum habe ich diese Jahre in die Abstellkammer meiner Gedanken geschoben? Heute schlendere ich über’s Tollwood, und vor meinen Augen zerfließt das Bild zu einer Erinnerung, mein Kind und ich stehen vor dem Langos-Stand und um uns herum strömt das Leben in Latzhosen und Patchoulinebel.

Es ist, als wäre der Tod meiner Mutter der Schlüssel, mit dem ich die Tür zur Erinnerung aufsperre. Zu einer Erinnerung ohne Stachel, die meine Vergangenheiten in freundliches Abendrotleuchten taucht. Warum? Kennt Ihr das? Geht es Euch ähnlich?

Wann ist die richtige Zeit, um zu gehen?


Wie alt bin ich?

Über neunzig, Mamma.

So alt? Wie alt werden Menschen?

Ach, immer älter. Es gibt immer mehr Hundertjährige.

Ach nein. Aber eigentlich bin ich alt genug, um zu sterben.

Willst Du denn sterben?

Nein. Jetzt noch nicht.

Dann leb doch noch ein bisschen. Und geh, wenn Du keine Lust mehr hast.

Ach Mamma, warum komme ich nur so schwer damit zurecht, dass Du genau das getan hast, was ich Dir geraten habe? Wann ist der richtige Moment, um zu gehen?

Im Sommer, wenn die Hitze die Wiesen verbrennt und die Luft Feuer fängt? Aber der See lockt mit silbernen Wellen, und Du schwimmst doch so gerne, weltzeitvergessen. Komm, bleib noch hier. Wie soll ich die Trauer durchstehen, ohne Dich neben mir auf der Bank in den lauen Schatten?

Im Herbst, wenn der Sturm die Bäume entblößt und Nebel an ihren narbigen Armen zerrt. Aber bunt wirbeln die Blätter zu Boden, ein seliges Taumeln in rot gelb und braun. Und immer wieder lacht die Sonne so klar als wäre September. Komm, bleib noch hier. Wie soll ich die Trauer durchstehen, wenn ringsherum alles Leben vergeht?

Im Winter, wenn die Tage kalt und dunkel sind? Aber draußen glitzert der Schnee, und drinnen funkeln die Kerzen, und alles duftet nach Gewürzen und Geheimnissen. Komm, bleib noch hier. Wie soll ich die Trauer durchstehen, in dieser unwirtlichen Jahreszeit?

Im Frühjahr, wenn die Hoffnung blüht und die Bäume hellgrün leuchten? Aber im Garten tanzen die Tannen im Wind, und weiße Wolkenschwäne schwimmen im Himmelblau ihre Kreise. Komm, bleib noch hier. Wie soll ich die Trauer durchstehen, wenn um mich herum alles singt, feiert und lacht?

Ach Kind, ich kann doch nicht bis in Ewigkeit leben, nur, damit Du nicht um mich trauern musst. Einmal kommt die Zeit, ob Du willst oder nicht.

Und nun bist Du gegangen, mitten im Frühlingsschneesturm, an der Schwelle zum Sommer. Zur Unzeit, für mich. Und ich muss die Trauer durchstehen. Freilich ist das der Lauf allen Lebens. Aber meiner Tränen Lauf ändert das nicht.

 

 

Ostern. Unfassbar?


Die Auferstehung ist für den menschlichen Geist unfassbar. Aber Ostern macht das Unmögliche wahr. Und ich meine nicht den sprechenden tanzenden Osterhasen, der während der Fastenzeit über die Bildschirme grünt, türkist und lilat. Es ist leicht, sich über das Leben zu freuen, wenn wir es in leuchtenden Farben genießen. Aber wie steht es um unsere  Frühlingsgefühle, wenn wir sie in Relation setzen zur Vergänglichkeit? Wenn um uns herum mitten im Aufblühen der Natur das Leben welkt?

Wenn uns angesichts eines fröhlich gedeckten Ostertisches die Galle hochkommt, weil über den Fernseher statt eines „Frohe Ostern“-Rufes aus Rom in X Sprachen Bilder von Giftgasopfern flimmern, von Mutterbomben, Mittelmeerleichen und dem Entstehen einer neuen Demokratur vor der europäischen Haustür?

Es fällt schwer, dem Osterruf der tatsächlichen Auferstehung keinen zynischen Klang zu geben. Im besten Fall werde ich belächelt von Mitmenschen, die mutmaßen, der Umgang mit einer Demenzkranken habe auf mein Urteilsvermögen auf ein spekulatives Maß reduziert.

Aber gerade zu Ostern sollten wir allen zurufen: hört auf, den Tod anzubeten! Kein Mensch wird als Mörder, Attentäter, Rassist geboren. Lasst die Osterbotschaft in Euer Herz. Wir sollten uns zurufen: Lasst uns aufhören, zu denken, dass wir zu wenige sind, um gehört zu werden. Unsere Liebe verändert die Welt. Denn der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

Dazu gehört Mut. Mehr Mut jedenfalls, als im Garten bunte Plastikeier aufzuhängen und Kindern beizubringen, im Gras nach prall gefüllten Osternestern zu suchen. Jenseits der Frühlingsriten und Blütenmythen ist für Christen das Osterfest die Erfüllung dessen, was uns zu Weihnachten verheißen wurde. Nein, nicht das Iphone, das wegen eines Lieferengpasses – oder war es ein Kontotiefstand – nicht unterm Gabentisch lag. Die Gewissheit einer Hoffnung – dass nämlich der Himmel kein undurchdringlicher Horizont unserer irdischen Genüsse – und Leiden! – ist, sondern eine Welt, die ganz nah an der unseren ist, spürbar sogar, und zu der wir gelangen können. Nicht mehr und nicht weniger als die Aufhebung der Endlichkeit…..

…zumindest für uns Menschen. Das Iphone wird leider auf der Erde bleiben müssen. Und ich bin mir nicht sicher, ob angesichts dieser Trauerbotschaft nicht viele Menschen lieber auf den Himmel verzichten möchten…… Halleluja.

Heute Abend live im Stemmerhof….. und wannIhrwollt im Blog.


Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich darf den Reigen heute hier beginnen, damit Sie sich nachher noch erholen können und nicht in tiefer Depression nach Hause gehen. Nicht, dass Sie dann auf dumme Gedanken kommen. Also.

Sie kennen den Spruch: trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Deshalb würde ich heute Abend gerne meine eigene, also „unsere“ Statistik machen. Ihr Einverständnis vorausgesetzt….. ok?

Ich stelle Ihnen ein paar Fragen, und Sie antworten mit Handzeichen, alles klar?

  • Wer von Ihnen kennt Edward Snowden? Also nicht persönlich….
  • Wer von Ihnen weiß, wie der neue amerikanische Präsident heißt?
  • Wer von Ihnen findet ihn gut?
  • Wer von Ihnen glaubt, dass innere Sicherheit wichtig ist?
  • Wer von Ihnen glaubt, dass innere Sicherheit das ist, was uns Bürgerinnen und Bürger schützt?
  • Wer von Ihnen ist der Meinung, dass der Staat als oberstes Interesse den Schutz seiner Bürgerinnen und Bürger hat?
  • Und schließlich:wer von Ihnen glaubt, dass die „innere Sicherheit“ im Zweifelsfall mehr wiegt als die Rechte des Einzelnen?

 Freedom is the right to act. Freiheit bedeutet das Recht, selbst zu handeln.

Das hat Edward Snowden auf einer Videokonferenz letzten Sonntag gesagt. Vor rund 600 Teilnehmern in der Münchner Muffathalle. Ich war dabei. Ich habe gehört, wie er Beweise vorgelegt hat dafür, dass Martin Luther King zwei Tage nach seiner Rede von seinem Traum (I have a dream) von der amerikanischen Regierung als Staatsfeind Nummer eins eingestuft worden ist. Vor schwarzem Hintergrund in einem unbestimmten Raum irgendwo in Russland sagte der Whistleblower mit einschlägiger beruflicher Geheimdiensterfahrung, dass Innere Sicherheit nie die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger eines Landes bedeutet, sondern immer die Erhaltung der aktuellen Machtstrukturen…….

Snowden ist übrigens nicht begnadigt worden, im Gegensatz zu Herrn oder Frau Manning. Ich frage mich, ob Snowden sich nicht auch fragt, wie lange er noch überleben kann. In Russland und überhaupt. Jetzt, wo zwei ziemlich beste Freunde Anstalten machen, die Welt endgültig unter sich aufzuteilen….

Krieg ist in der Welt, und nicht nur in der ersten, sondern auch in der zweiten, dritten und vierten, bis heute gewinnbringender als Frieden. Wer die Macht hat, hat das Geld. 8 Leute besitzen mehr als die halbe Menschheit bzw. 3,6 Milliarden Menschen. Die materielle Ungleichheit wächst. Und gleichzeitig war Geld und Besitz noch nie so sexy. Die Medien erklären den Leuten in bunten Bildern, dass die Welt aus Konsum besteht und Konsum der Sinn des Lebens ist. Dass Wäsche weich sein muss und Kaffee süß, dass man jede Mode mitmachen muss und das auch kann, weil Kleidung ja so billig ist.

Geld regiert die Welt. Da ist längst kein blöder Spruch mehr, das ist die Wahrheit. Wer die Macht hat, braucht das Geld, um an der Macht zu bleiben. Und wer das Geld hat, braucht die Macht, um noch mehr Geld zu machen. Ich stelle mir vor, dass Wladimir Putin eines Morgens aufgewacht ist und zum Telefon gegriffen hat und einen amerikanischen Milliardär angerufen hat, mit einem unmoralischen aber unausschlagbaren Angebot. Ich mache dich zum nächsten Präsidenten, und dafür machst du mich zum mächtigsten Mann der Welt.

Tja, und da sind wir jetzt. Geld regiert die Welt. Die Politik, die Medien. Und uns. Geld zerstört die Welt. Die Umwelt, das Wasser, das Land, die Luft. Und uns. Und wir sitzen in unseren Stühlen vor unseren Computern, auf der Sitzlandschaft vor den  TV-Plasmabildschirmen und schauen zu. Klimawandel, Naturkatastrophen, Kriege und Hungersnöte – ist ja fast so spannend wie ein Blockbuster. Darauf noch ein Bier und eine Tüte Popcorn.

Vielleicht beschleicht den einen und die andere von uns das Gefühl, dass da irgend was nicht stimmen kann. Dass das nicht passieren dürfte, dass das nicht so weitergehen kann. Und dann bekommen wir Angst. Angst davor, dass all das Schreckliche aus den Bildschirmen herauswabern und bis zu uns dringen könnte. Wir haben ja erlebt, wie schnell das gehen kann, vorletztes Jahr, diese Flüchtlingsschwemme. Unglaublich. Beängstigend. Und wie haben wir reagiert, in Europa? Wir haben uns den Populisten angeschlossen, die geschrieben haben: Europa gehört uns. Raus mit den Konsumgefährdern. Dabei gehört uns Europa gar nicht. Mehr .Europa gehört dem Geld. Wie der Rest der Welt.

Wir haben keine Flüchtlingskrise, sagt Srecko Horvath, Mitbegründer von Diem25. Wir haben eine Kulturkrise, eine moralische Krise, vielleicht, Aber wenn der Meeresspiegel nur noch um ein paar Zentimeter steigt, wenn die Dürre in Afrika durch Landgrabbing und Fracking sich noch ein bisschen ausweitet, DANN werden wir erleben, was eine Flüchtlingskrise ist. Dann kippt die Wippe von Armut und Reichtum, von Wohlstand und Elend, und plötzlich fallen WIR hinten runter.

Also liegt es doch in unser aller Interesse, vorzubeugen. Einhalt zu gebieten. Aber ach. Die Sofalandschaft ist einfach zu bequem. Und die Medien, RTL und SAT1 und ja, auch ARD und ZDF, die würden uns schon sagen, wenn es soweit wäre, dass wir uns bewegen MÜSSTEN. Tun sie aber nicht.Also bleiben wir sitzen.

Bleiben wir? Einige ja. Aber immer mehr NEIN. Und das, liebes Publikum, ist der Grund, warum ich überhaupt hier stehe, heute Abend. Ich bin nämlich keine Kassandra, ich mag kein Unheil verkünden. Ich bin lösungsorientiert, das lernst du als Krimiautorin als allererstes. Und deshalb sage ich Euch;

Jeder Grashalm hat nur eine kleine Wurzel, aber zusammen bilden sie eine große Wiese.

Es gibt sie, die Bewegungen von Menschen, nicht nur junge, nein, auch alte, so wie wir…. Sie gehen auf die Straße, sie schließen sich zusammen, sie protestieren gegen das Zuviel an Konsum und Macht, sie stehen auf gegen die Politik – und gegen Populisten, die uns glauben machen, dass wir nur eifrig weiter konsumieren müssen, wachsen und exportieren, Waffen und Kriege und Güter, die keiner braucht, und die uns gleichzeitig eintrichtern, dass wir uns einschließen müssen in unser Glashaus aus Wohlstand. Ein Widerspruch, den sie nicht aufklären.

Viele Graswurzeln, überall, in Europa, Amerika, in Asien, in China, und sogar in Afrika. Ja, daraus kann ein Teppich werden. Und endlich hat Globalität einen Nutzen. Mögen sie uns ruhig überwachen, wir vernetzen uns, und sie bekommen das mit. Das macht den einen Angst. Und den anderen Mut.

Und das tut gut! Also ich handle lieber, solange ich noch die Freiheit dazu habe! Und Sie?

Silvester


Gute Vorsätze? Geschenkt. Ich verlege mich an diesem Jahreswechsel mal auf’s Hoffen. Und Bitten……

 

stern-von-bethlehem-3Gedanken zum Ökumenischen Silvestersegen.

Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Denn dort verheißt der HERR den Segen und Leben bis in Ewigkeit. (Psalm 133,1.3)

Einträchtig beieinander wohnen – davon haben wir im heute zu Ende gehenden Jahr nicht allzu viel bemerkt, oder? In Syrien, im Nahen Osten, in vielen Ländern Afrikas herrschen Krieg und Verfolgung, nicht Eintracht. Und in Europa, in Deutschland? Allzu oft wird Zwietracht postuliert, und immer sind die anderen Schuld. Die zu vielen Ausländer. Die EU.

Ein neuer Geist? Viele alte Geister sind von uns gegangen, 2016, in der Politik – Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Hildegard Hamm-Brücher. In der Kunst – Schimanski, Manfred Krug, Umberto Eco, Dario Fo. In der Musik: Prince, David Bowie, Leonhard Cohen. Und dann die vielen nur uns selbst Bekannten.

Ein neuer Geist? Der Geist, der uns entgegenweht, politisch, macht vielen Angst, ist er doch von der Sorte, die wir, nachdem wir sie gerufen haben, nicht mehr los werden. Und welcher Geist im neuen Jahr aus Amerika auf uns zu „wehen“ wird….?

Wir können eh nichts machen. Wir können die Welt nicht verbessern. Wann ist „Weltverbesserer“ eigentlich zum Schimpfwort verkommen?

Ist es so? Wir alle, jeder von uns und überall, können die Welt um uns herum zwar eindeutig jedes Jahr, jeden Tag, jede Minute noch ein bisschen schlechter machen – negativ verändern, da von sind wir doch überzeugt, das erleben wir doch. Warum aber dann nicht auch besser?

Vielleicht können wir das wirklich nicht. Allein. Aber mit dem neuem Herz und dem neuen Geist, den Gott uns verspricht, können wir das schon. Jeden Tag. Morgens beim Aufstehen, auf dem Weg zur Arbeit, im Gespräch mit Kollegen, Freunden und Verwandten. Mit den Menschen, die uns begegnen. Wie ein warmer Atemhauch ein Fleckchen Schnee zum Schmelzen bringt, so kann unser warmes Herz, so kann unser neuer Geist die Welt verändern. Besser machen. Friedlicher. Wer, wenn nicht wir? Mit Gottes Hilfe!

Der Apostel Paulus schreibt im 2. Korintherbrief: Habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

AdventsKalender MiniKrimi vom 22. Dezember


Urban Legends

Der Freund eines Freundes hat mir heute folgendes von seinem besten Kumpel erzählt: als Student hat er immer relativ wenig Geld. Aber er hat eine Gute Quelle für ein lukratives Nebeneinkommen gefunden: Housesitting. Kurz vor Weihnachten wollten die Besitzer einer geräumigen Villa in Harlaching nochmal die südliche Sonne tanken. Während sie eine Wellnesswoche in Tobago verbrachten, passte der beste Kumpel des Freundes meines Freundes auf das Haus, den Pool, den Hund und das Kaninchen auf. Letzteres war allerdings nicht zu sehen. Der Kumpel und seine Freundin, die ihm das Haussitten freundlicherweise erleichterte und Himmelbett, Shwimmbad, Fitnessraum und Bar mit ihm teilte, nahmen an, dass es sich vor Fremden versteckte. Kaninchen sind ja scheue Tiere. Futter war noch reichlich im Käfig vorhanden. „Meinst Du, es ist krank, es scheint gar nichts zu fressen?“ fragte die Freundin. Aber dann schenkten sie sich noch einen Cuba Libre ein und vergaßen die Sache.

Am letzten Tag geschah es dann. Der Kumpel und seine Freundin stiegen grade aus dem Pool, als ihnen der Hund entgegenkam. Mit dem Kaninchen im Maul.  Für das  Tier kam jede Hilfe zu spät. Was tun? Natürlich hatten sie den Hund regelmäßig gefüttert. Aber darüber hinaus hatten sie sich mehr mit sich selbst als mit ihm beschäftigt. Das war jetzt offenbar seine Retourkutsche. „Wir kaufen einfach ein neues Kaninchen“, schlug der Kumpel vor. „Quatsch, die merken bestimmt, dass das nicht das gleiche ist,“ gab die Freundin zu bedenken. Was tun? Schließlich entschlossen sie sich dazu, das Kaninchen gründlich zu reinigen, das Fell sorgfältig zu fönen und den Kadaver zurück in den Käfig zu legen. Und auf Nachfrage ehrlich bestürzt zu erklären, am Morgen habe es noch mit Appetit gefressen.

Doch es kam ganz anders. Der Flieger hatte Verspätung, der Kumpel und seine Freundin hatten das Haus längst aufgeräumt und waren wieder in ihrer bescheidenen Studentenbude, als das Telefon klingelte. Sie sahen sich voll böser Vorahnungen an. Aber die Urlauber dankten einfach für die zuverlässige Betreuung von Haus und Hund. Und fragten dann:“Aber sagt mal, warum habt ihr das Kaninchen vom Komposthaufen geholt und so hergerichtet? Wolltet ihr es begraben? Wie süß!“

Das Tier sei eine halbe Stunde, bevor sie mit dem Taxi zum Flughafen fahren wollten, gestorben, erklärte der Besitzer. Buchstäblich in letzter Sekunde war ihnen die Idee gekommen, das Kaninchen provisorisch auf den Kompost zu legen. Bei der Kälte würde es bis zur Rückkehr schon nicht vermodern………

Auf italienisch würde man sagen: e se non è vero, è ben trovato……

AdventsKalender MiniKrimi vom 21. Dezember


Fragen nach Berlin

Als Krimiautorin stellen sich mir nach den Geschehnissen in Berlin ein paar Fragen, die ich gerne mit Euch erörtern möchte.

Vorausschicken möchte ich, dass das Mitgefühl mit den Opfern und den Familien an allererster Stelle steht und stehen muss. Unabhängig von den Hintergründen der Tragödie. Schrecklich finde ich, dass viele, die sich in der Öffentlichkeit äußern, Schlussfolgerungen als Forderungen plakatieren. Und das Mitgefühl hölzern als Randnotiz erscheint. Umgekehrt müsste es sein. Aber können Personen des öffentlichen Lebens überhaupt noch individualisiertes Mitgefühl äußern? Sogar der Bundespräsident klang nicht wirklich echt, oder?

Natürlich sind Pofis am Werk. Auf beiden Seiten. Aber angesichts der Informationen, die aus Polizeikreisen verlauten (und ist da nicht bemerkenswert, dass von AfD-Seite schon eine Stunde nach dem Geschehen ein Tunesier als Tatverdächtiger getwittert wurde?), frage ich als unbedarfte Krimiautorin schon,

  • warum ein Terrorist, der ein Attentat größeren Ausmaßes plant, darauf vertraut, zum Zeitpunkt seines Anschlags schon irgendwo die richtige „Tatwaffe“ , sprich LKW, zu finden… Was wenn nicht? Oder woher wusste der Attentäter, dass der Cousin des polnischen Spediteurs genau an diesem Ort parken würde?
  • warum ein Attentäter, der offensichtlich seinen Selbstmord nicht mitgeplant hat und so kaltblütig ist, zuerst einen Unschuldigen zu töten und neben sich sitzen zu lassen und dann einen großen LKW in eine Menschenmenge zu steuern, danach seine Papier als Visitenkarte liegen lässt, „obligingly“.
  • warum die Polizei „fieberhaft“ nach einem Mann sucht, der scheinbar schon bekannt war und beobachtet wurde und die Bevölkerung dringend um Mithilfe bittet – anhand eines Fotos, das Maghreb-Kennern wie ein Berber-Prototyp anmutet.
  • warum das Wort Attentat schon Minuten nach dem Geschehen gestreut wurde, mit subitan islamistischer Färbung, wobei das bis heute nicht erwiesen ist (nota bene, Attentate sind immer alle gleich schrecklich, aber die Eingrenzung lässt eine Kanalisierung der Ermittlungen befürchten)
  • und schließlich warum manche Insider-Infos durchsickern und wohin

Ich finde es schrecklich und ein Zeichen der Ohnmacht der Politik, wenn spasmodisch nach einer weiteren Verschärfung der Asylgesetze geschrien wird, während diese Gesetze ein solches Geschehen nachweislich nicht hätten verhindern können – denn untertauchen geht immer, vor allem, wenn man mit Attentatsabsicht eingereist ist und nicht, um Asyl zu erhalten. Wie viele Kriminelle tauchen unter, überall.

Unmenschlich verschärfte Asylgesetze vergrößern nur das Leid der Menschen, die vor Krieg und Verfolgung flüchten und Frieden suchen, nicht untertauchen, sondern ausharren und versuchen, sich hier ein Leben aufzubauen. Legal. Eine gründlichere Kontrolle der Geflüchteten bei der Einreise hat nichts mit der Asylgesetzgebung zu tun, sondern mit höherem bürokratischen und personellen Aufwand. Natürlich ist es einfacher, Gesetze auf dem Papier zu verschärfen als in der Praxis mehr geschultes Personal einzusetzen und die behördliche Zusammenarbeit effizienter zu gestalten. Aber genau DAS wäre nötig.

Ich habe ein paar Jahre in einer Asylbewerber-Unterkunft mit bis zu 400 Bewohnern gearbeitet. Meine Erfahrung: „echte“ Asylbewerber haben es oft schwerer, anerkannt zu werden und zu bleiben, als „falsche“. Organisationen, ob terroristisch oder kriminell, verfügen nämlich über gut geschmierte Netzwerke, um ihre Operateure einzuschleusen. Das gilt für den Drogenhandel wie für Diebesbanden, Triaden etc. Und Terroristen, natürlich.

Warum fragen so wenige in der Öffentlichkeit nach den Gründen, warum Terroristen überhaupt das Risiko eingehen, bei der Einreise als Asylsuchende registriert zu werden, wenn auch unter falschen Namen? Wenn sie viel leichter illegal und unbemerkt einreisen könnten?

Auf diese Weise wird eines der Grundprinzipien unserer Demokratie und unserer christlichen Kultur untermininiert: Menschen in Not Zuflucht zu gewähren. Die öffentliche Meinung wendet sich gegen diese Geflüchteten (für deren Fluchtursachen wir in den meisten Fällen direkt mitverantwortlich sind). Hass und Misstrauen sind die Folge: in den westlichen Zufluchtsländern und in den Herkunftsländern, wo die Abwehr der reichen Welt nicht verstanden wird.

Dagegen müssen wir angehen, indem wir darüber nachdenken. Im Radio hieß es, nach Berlin würden mehr Menschen Trost in den Kirchen suchen, in dieser Vorweihnachtszeit. Wunderbar! Dann hoffen wir, dass in diesen Kirchen nicht Menschen wie der Ex-Pfarrer sprechen, der gestern auf der AfD-Kundgebung vor der Gedächtniskirche gesprochen hat. Sondern echte Menschen-Freunde.

Abschließend noch ein Hinweis zu einer Veranstaltung heute Abend in München: Angst- sicher ned! Link folgt! Hingehen!

 

 

 

Was meint Ihr?

 

 

 

 

 

 

AdventsKalender MiniKrimi vom 20.Dezember


tiefimwald

Zucker im Kaffee

…und Zitrone oder Sahne in den Tee, und im Herzen alle Tage lang Amor….“ zwitschert die Dame in der roten Federboa auf der Bühne. Aus der Entfernung der Tische sieht sie wie ein Teenager aus, aber die Tanzenden haben sie längst als das identifiziert, was sie ist: eine von ihnen. Eine dritklassige D-Prominente, die sich mit viertklassigen Schlagerhits aus der Mottenkiste über Wasser hält.

Das Publikum im Musikzelt auf dem Alternativfestival (nennen wir die Dinge beim Namen: im Tief-im-Wald-Zelt auf Tollwood) entspricht ziemlich genau der demographischen Altersstruktur Deutschlands – und damit so gar nicht mehr dem Gründergeist des Festivals. Indes – der Geist ist mit den Gründern alt geworden, und die Besucher sind die Ewiggleichen. Seit 30 Jahren.

Aber während zwischen den Buden mit Öko-Schoko-Döner, handbemalten Pflanzenstielen und naturreinen Tattoo- und Piercinshops die Klientel entweder noch Rastalocken trägt oder zumindest ein paar Ohrstecker unter der die Glatze kaschierenden Berbermütze, während draußen also der Altenativbär tobt, haben sich im Tief-im-Wald-Zelt die Präsenioren Marke Büroangestellte (nichts gegen diese Spezies, der ich selbst eine Zeitlang angehört habe), Biertrinker und Solariumsonnenanbeter eingestellt. Wie und warum ist im Moment noch ungeklärt – aber sie kennen die passenden Tanzschritte zum Zucker. Hüftschwingend und rotwangig drehen sie ihre Kreise. Bis einer zu Boden sackt, gefällt vom Schlagersound, ganz offensichtlich.

„Haltet den Mörder, ich seh ihn, dort hinten!“ ruft die D-Sängerin. Und in weniger als zwei Minuten ist das Zelt von Polizisten umstellt (München eben), Beamte in Zivil halten die Besucher in Schach und ein Kommissar interviewt die Dame mit der roten Stola. Die passt genau auf, dass die Kamera des filmenden Privatsenders auf sie gerichtet ist, während sie dem Kommissar berichtet, wie der Mord sich zugetragen hat. Ein schwarzer Mann von hinten, eine Waffe mit Schalldämpfer – und schon war es um den armen Egon P. geschehen.

Es dauert nicht lange, bis der Gerichtsmediziner noch am „Tatort“ die wahre Todesursache herausfindet: Herzversagen wegen Überanstrengung.

Aber da haben Polizei, Sender und unzählige Besucher schon getwittert, dass sie, die rote Lola mit der Stola, verblichenes Schlagersternchen aus den 1970ern, einen Mord aufgedeckt hat. Das Dementi erreicht vergleichsweise wenige, und da hat Lola schon einen Plattenvertrag unterschrieben. Kaffeehausmusik. Das wird sicher ungefährlicher, denn bei solchen Liveauftritten gibt es keine Tanzfläche.

Bild wird nachgeliefert – Seniorin ist doch kein Eilentwickler….