„Ein bisschen Frieden“


Ihr lieben Alle, die ihr in München und Umgebung wohnt: Hier kommt ein echtes Sommerschmankerl für euch:

Am kommenden Sonntag, 5.7.2026, um 19 Uhr lese ich in der Magdalenenkirche in 80997 München meinen absolut tippfrischen Sommerkrimi „Ein bisschen Frieden“. Und damit ich vom Dauerlesen nicht heiser werde, gibt es zwischendrin wunderschöne, tolle, coole (ihr sucht euch euer Lieblingsadjektiv aus, gell?) Musik von und mit den ukrainisch-stämmigen Musiker*innen Julia Korzh und Alexander Vynograd.

Kostprobe gefällig? Et voilà:

Ein bisschen Frieden

„Schreiben Sie was über Frieden, Moser. Die Leute wollen im Sommer nichts über Krisen lesen.” Hohlmeier, seines Zeichens Chefradakteur des Irsinger Anzeigers, schob den breiten, in der engen schwarzen Jeans weniger als notdürftig bedeckten Hintern von Nadjas Schreibtisch. Hohlmeier. Nomen es Omen, dachte Nadja. Und dann: typisch Boomer. Denkt, schwarze Klamotten wären die Brutstätten von Kunst und Kreativität. Wobei ihm beides fehlte.

Nadja, in weiten Hosen, Birkenstocks und bunten Motto-T-Shirts so ziemlich das genaue Gegenteil von Hohlmeier, ist „die Neue“ im kleinen Redaktionsteam des Lokalblättchens, das sich seit Jahren heldenhaft dagegen wehrt, vom großen Doppel M geschluckt zu werden. Entsprechend niedrig liegt die Latte für ihre redaktionellen Aufträge. Wenn der Chef wollte, dass sie „was über Frieden“ schreiben sollte, dass musste das so sein.

Obwohl Nadja das Thema furchtbar findet. Abgedroschen, in einem See rührseliger Klischees ersoffen – und absolut unpassend für Irsing.

Frieden? Echt jetzt? In dem Marktflecken streitet die Hälfte der knapp 5000 Einwohner seit zwanzig Jahren über einen Thujazaun am Gemeindezentrum, während die andere die Pläne für den neuen Maibaum so lange diskutiert, bis es dafür regelmäßig zu spät war, weshalb sie immer noch um den alten, schiefen verwitterten tanzen, am 1. Mai.  Der Gemeinderat zerlegt sich bei jeder Sitzung selbst, das weiß Nadja aus erster Hand, weil sie nämlich schon so manchen schier endlosen Abend lang als Lokalreporterin dabeisitzen und viel Kaffee trinken musste, um nicht einzuschlafen. Sogar auf dem Friedhof gibt es keine Frieden, denn immer wieder werden dort Plastikblumen geklaut. (Ein echte Idylle. Sowas gibt’s bei uns natürlich nicht!)

Der Friedhof! Ein Hof des Friedens. Und vielleicht ja ein ganz interessanter, weil unerwarteter Aufhänger für diese alberne Sommer-Friedens-Geschichte. „Alles klar. Da fange ich an“, dachte Nadja. Am Ende gab es da ja wirklich allerhand friedliches zu entdecken. Und im besten Fall auch noch das eine oder andere skurrile Detail, um der Story Würze zu verleihen. Nadja liebt unerwartete Wendungen in ihren Artikeln. Und die Leserinnen und Leser auch. Das haben die in der Redaktion schon bemerkt. Sonst wäre es Hohlmeier gar nicht erst eingefallen, sie auf den Saure-Gurken-Quotenretter anzusetzen.

Gesagt, getan. Oder, wie die Gen Z, zu der Nadja gehört, sagen würde: „Bet“.

Es ist ein warmer Montagmorgen wie aus dem Bilderbuch – oder einem bayerischen Hochglanzprospekt. Irsing ist stolz darauf, eine Touristenattraktion zu sein. Jetzt keine spektakuläre wie Schloss Neuschwanstein, Starnberg oder Oberammergau. Aber geh – wer will da heute noch hin, also außer Chinesen, Millionäre in Ausbildung und Wallfahrer. Respektive. Irsing hat eine schöne Bergkulisse, eingebettet in einen oft blauen Himmel mit Obers-Tupfen, es hat verschlungene Gassen und Häuschen mit Lüftlmalerei und zugigen Fensterläden. Es hat einen Konsum, einen Brunnen, ein Herrenhaus und eine Kirche. Letztere liegt auf einem grünen Hügel inmitten eines Friedhofs, wie geschaffen als Kulisse für einen Regiokrimi à la Leberkäs-Schmarrn. Oder so.

Am Ortsrand ist vor 40 Jahren eine Neubausiedlung entstanden, und direkt an der Ausfallstraße inzwischen auch ein Industriegebiet, komplett mit Sägewerk, Discountern und einem Hobbymarkt. Ja, dort hat sich sogar ein modernes Bestattungsinstitut niedergelassen, mit den irrwitzigsten Mod Cons für eine hippe Beerdigung und die standesgemäße Trauer danach.

Wie? Ich schweife ab? Nein, nein. Ihr werdet schon sehen.

Mit einem echten Fotoapparat um den Hals und ihrem Notizbuch in der Tasche betritt Nadja den Kirchhof. Denn darum handelt es sich hier ganz eindeutig. Wie ein grüner Ring mit großen Grauen Tupfen schmiegt er sich um die Kirche. Aus der Vogelperspektive sieht das ganz besonders malerisch aus.  Nicht, dass Nadja schon mal einen Ballon-, Paraglider- oder Segelflug über Irsing gemacht hätte. Aber die Redaktion hat – natürlich aus Recherchegründen – eine Drohne gekauft. Ein sehr nützliches Gerät (ihr werden schon sehen).

Das Eisentor ist an einigen Stellen verrostet, der Hebel widersetzt sich beim Runterdrücken, und wie üblich schwingt das Tor nicht ins Schloss zurück, sondern bleibt einen Spaltbreit offen. Groß genug für eine Maus, eine Katze im Jagdfieber oder eine fluchtbereite Seele. „So ein Schmarrn“, schimpft Nadja sich selbst. „Noch kaum richtig drinnen, und schon fängt deine Fantasie an zu spinnen.“

Sie schlendert den schmalen Kiesweg entlang, jetzt wieder ganz im Reportermodus. Die Grabsteine hier am Anfang sind alt, viele moosbewachsen, mit Efeu umkränzt und verwittert, die Gräber verwildert. Von den Menschen, die hier vor über hundert Jahren beerdigt wurden, ist sicher nichts mehr übrig als die Inschrift.

Die Grabgeschichten

Anna S. aus Ostpreußen

An einem Grab bleibt Nadja stehen. Es ist verwahrlost wie die meisten Gräber, aber am Grabstein schmiegt sich eine Kletterrose empor. Ihr knorriger Stamm hat nur eine Blüte hervorgebracht, ein dunkler Blutstropfen am grauen Stein. Nadja bückt sich, um die Zeilen zu lesen, die ihr klar und entgegenleuchten. Fast so, als ob jemand sie liebevoll gereinigt hätte, damit die Tote nicht vergessen wird.

Hier ruht Anna S.

geb. 1898 – gest. 1923

Ein stilles Leben, in fremden Häusern verbracht,
ein junges Herz, im Schmerz der Stunde gebrochen.
Hier ruht sie, namenlos im Urteil der Zeit,
doch nicht vergessen vor Gott.

…Und von jemand anderem. Jemandem, der die Buchstaben vom Schmutz befreit, damit die Erinnerung an sie und an ihr Schicksal lebendig bleibt. Auch nach über 100 Jahren.  „Im Schmerz der Stunde gebrochen“. Was konnte das Herz einer jungen Frau damals brechen? Im Schmerz. In einer Stunde?

(….)

Na, wollt ihr wissen, wie’s weitergeht? Welche mörderischen Geheimnisse Nadja auf dem Friedhof sonst noch entdeckt? Wie sie zu einem Diamanten kommt? Und in welchen echten Krimi sie dort hineingezogen wird?

Am Sonntagabend erfahrt ihr es.

Bis dahin….. habt eine friedliche Zeit 🙂

Was, wenn Maria heute leben würde?


Natürlich gibt es viele Mariae. Ist nach wie vor ein beliebter Name, aktuell in seiner Kurzform „Marie“. Gestern habe ich in der Christmette darüber nachgedacht, wie und wer Maria heute sein könnte. Nicht 1.0, nicht 2.0, sondern Maria 1-4, aber immer eine von uns.

Maria, die Mutter Jesu, hat vor vielen tausend Jahren gelebt. Aber nicht nur dann.

Sie war nicht die erste und nicht die letzte in einer langen Folge von „Mariae“.

Die einen auf Händen getragen, minnebesungen, kleingehalten. Die anderen als Herrscherinnen verehrt und getötet. In diesem Spannungsfeld lebt Maria bis heute.

In dieser Christmette lade ich euch ein, vier Mal Maria heute kennenzulernen.

Maria 1: die Hausfrau

Die kennt ihr vielleicht sogar? Oder erkennt euch in ihr wieder, teilweise?

Von der staden Zeit im Advent hat sie nicht viel mitbekommen. Alles dekoriert. Plätzchen gebacken, mindestens 10 Sorten. Geschenke ausgedacht, gekauft und eingepackt. Das Haus geputzt.

Mann und Kinder zu Weihnachtfeiern gebracht und abgeholt. Zwischendrin die kranke Nachbarin zum Arzt begleitet. Oder so.

Den Baum geschmückt. Weihnachtsessen geplant, gekauft, gekocht.

Jetzt ist es 22 Uhr. Irgendwo läuten Glocken.
Jetzt einen Moment die Stille genießen. Wäre schön.

Maria 1 schaut aus dem Fenster. Sieht oben am Himmel ein helles Licht.
Was ist das?

Maria heute: die schwangere Geflüchtete

Maria 2 kennt ihr bestimmt. Persönlich oder aus den Medien. Den Nachrichten., den Sozialen Netzwerken. Je nach Medium neutral, positiv oder als Hasssymbol dargestellt.

Sie ist vor drei Monaten hier angekommen. Nach einer endlosen, lebensgefährlichen Flucht aus ihrer Heimat. Nicht, weil sie es dort nicht mehr lebenswert fand, cool oder hip. Nicht, weil sie sich in Deutschland die Zähne richten lassen wollte, oder ohne Arbeit im Geld schwelgen.

Nein, in ihrer Heimat wurde ihr Leben bedroht. Weil den Frauen dort alle Rechte genommen wurden: Das Recht auf Bildung. Das Recht, sich frei zu bewegen – ohne Mann an ihrer Seite. Das Recht, zu sprechen. Das Recht, sich zu kleiden. Das Recht, zu arbeiten.

Weil sie in ihrem Land von Männern immer und ungestraft misshandelt werden konnte. Maria 2 war Lehrerin. Vor dem Berufsverbot. Mit ihrem letztem Geld hat sie die Flucht bezahlt.

Während dieser Flucht wurde sie vergewaltigt. Mehrfach. Übrigens wie alle alleinreisenden Geflüchteten, sagten die Ärztinnen in den  Erstaufnahmeeinrichtungen.

Als Maria 2 hier ankommt, ist sie schwanger. Alleine. Fremd. Schutzlos, sogar in dem Haus, in dem sie leben muss, bis die Behörden über sie entscheiden.

Irgendwo läuten Glocken.

Jetzt tief Luft holen. Unbeschwert. Wäre schön.

Maria 2 schaut aus dem Fenster. Sieht oben am Himmel ein helles Licht.

Ist das für mich?

Maria heute: Die Klimaaktivistin

Maria 3 habt ihr vielleicht in eurer Familie?

Sie ist jung, intelligent. Unangepasst. Unangenehm.

Sie macht nicht, was von ihr erwartet wird: Schule, Ausbildung, Beruf, Arbeiten, Auto, Urlaub, Heirat, Kinder, Eigenheim.

Maria 3 macht sich Sorgen. Um die Welt, in der sie lebt. Sie fürchtet, dass bald niemand mehr hier wird leben können. Dass sie keine Zukunft hat. Dass Kinder morgen keine Zukunft haben.

Maria 3 erkennt die Zeichen des Klimawandels. Sieht, was alle sehen, aber sucht nicht nach Entschuldigungen. Sie glaubt, dass die Welt gerettet werden muss. Und wer, wenn nicht sie, kann das tun? Sie, zusammen mit immer mehr anderen, die auch so sehen, denken und handeln.

Maria 3 fühlt sich unverstanden. Von der Familie gemieden. Beschimpft. Heute, am Heiligen Abend, ganz besonders. Diese Berge von Geschenken, Essen, Konsum. Am Ende alles Müll.

Irgendwo läuten Glocken.

Nur einen Menschen finden, der versteht. Das wäre schön!

Maria 3 schaut aus dem Fenster. Da ist ein Licht oben am Himmel.

Der Anfang vom Ende?

Maria heute: alt und einsam

Maria 4 kennen wir alle, und keiner will so werden. Und doch…

Sie war eine wunderschöne Frau. Geliebt. Sie hatte ein tolles Leben. Kein einfaches, kein besonderes. Sie und ihr Mann haben alles gmeinsam gemacht und gemeistert. Sind zusammen Rad gefahren. Gewandert.

Sie war immer da für alle. Ihre Eltern, ihren Mann, die Kinder. Die Kinder sind weggezogen. Der Mann ist gestorben. Die Freundinnen und Freunde auch.

Irgendwann war das Alleineleben zu beschwerlich. Den Einkauf schleppen, den Blutdruck messen, die Wohnung putzen.

Die Kinder haben ein Heim für sie gefunden. Da sind alle so wie du, da passt du super rein, haben sie gesagt. Aber als alte Frau ist es nicht leicht, sich irgendwo neu einzufinden. Sie läuft schlecht, hört schlecht, und sehen tut sie auch nicht mehr gut.

Die Kinder kommen schon lange nicht mehr. Auch heute nicht, am Heiligen Abend. Sie haben ein Paket geschickt. Mit 4711. Dass es das noch gibt?

Irgendwo läuten Glocken.

Immer allein, da kann sie auch ganz verschwinden.

Maria 4 schaut aus dem Fenster ihres kleinen Zimmers. Da ist ein Licht obe am Himmel!

Holt mich das Christkind zu sich?

Das Wunder

Maria 1, 2, 3 und 4 treffen sich auf dem kleinen Platz, um den herum sie zufällig alle wohnen. Sie schauen auf das helle Licht am Himmel. Ein Stern? Ein Strahler? Eine Drohne? Was auch immer.

Sie schauen sich um.

Sie schauen sich an.

Sie lächeln.

Verbunden durch diesen Moment des Lichts. Das ist ein Wunder, denkt jede für sich.

„Wunder gibt es immer wieder“ singt Katja Ebstein. „Wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn.“

„Wir sehen nur mit dem Herzen gut“, sagt der kleine Prinz.

Ich wünsche euch und uns, dass wir in diesem göttlichen Licht, das heute Nacht geboren ist, die Wunder sehen, die uns begegnen. Und dass wir für andere zu solchen Wundern werden.

Ein bombastischer Start


Die erste Online Kriminacht der Mörderischen Schwestern war fulminant. 5 Autorinnen, 5 Krimis, jeder anders, jeder besonders. Von einer Unfallflucht mit tödlichen Folgen über einen Umwelthriller in Portugal, Blutströme im Wohnzimmer und einer deutschen Ermittlerin im verträumten Spanien bis zur dreizehnten Fee , die einer Journalistin ihr Leben stiehlt, war alles dabei.

Eine Reise durch Europa im zehn-Minuten-Takt. Interessant, zu erleben, wie unterschiedlich Autorinnen ihre Werke präsentieren. Das alles funktionierte ohne Premierenpatzer dank der wunderbaren Tina Wälde und ihrem Mann, unserem Mörderischen Bruder, die die Lesung perfekt organisiert und vorbereitet hatten. Nochmal ein RIESEN DANKESCHÖN dafür.

Es hat richtig Spaß gemacht, und die Kommentare waren alle super nett!

Wer von euch gestern nicht online live dabei sein konnte, muss auf den spannenden Abend nicht verzichten. Hier ist der Link, unter dem ihr euch die Lesung anschauen könnt, wann immer ihr Zeit habt!

Und wenn ihr dann auf den Geschmack gekommen seid: schaut euch auf der Seite der Mörderischen Schwestern um. Da gibt es ganz viel zu entdecken.

Wir lesen uns schon übermorgen, wenn das erste Türchen meines MiniKrimi Adventskalenders 2026 aufgeht.

Ich verrate euch schon mal so viel: Diesmal entführen euch meine Co-Autorin Lydia H. und ich wieder in die Edelsiedlung in der Minervastraße. Da passieren wieder viele schlimme, spannende, witzige, aberwitzige, kriminelle Dinge. Ich sage nur „it’s cosy crime time.“

Außerdem sind 12 meiner Mörderischen Schwestern dabei und präsentieren ihre neuesten Werke. Also: nicht verpassen. Am Sonntag geht’s los!

Wir lesen uns!

Was macht eigentlich…..


Was macht Jesus eigentlich am Samstag nach seiner Keuzigung? Am Karsamstag oder am Ostersamstag? Schon, wie wir diesen Tag zwischen Tod und Leben nennen, hat viel mit unserer Gewichtung dieser Zeit zu tun.

Karsamstag verharrt in der Trauer, gefangen in Tod und Vergänglichkeit. Ostersamstag öffnet den Hoffnungsblick hinter den Horizont.

Am Samstag zwischen Karfreitag und Ostersonntag ist der Spalt dieser Tür schon ein wenig geöffnet, die den Raum zum Leben freigibt.

Was macht Jesus am Samstag? In einigen Kirchen liegt er aufgebahrt in einem Blumenmeer. Eine Tradition, die bis ins 10. Jahrhundert zurückführt. Ein mir sehr lieber Monsignore schrieb heute auf Instagram dazu, Jesus räume heute schon mal die Unterwelt auf.

Oder ruht er im Grab? Ist er sich vielleicht selbst nicht ganz sicher, ob er auferstehen wird, morgen? Oder schläft er, endlich, geborgen und unerreichbar für die Welt mit ihren Wünschen, Forderungen, Drohungen, mit ihrer Heldenverehrung und ihrem Hass. Mit ihrer tödlichen Gewalt?

Natürlich ist es müßig, sich solche eine Frage zu stellen. Sie kam mir gestern während eines Orgelkonzerts in der Sendlinger Himmelfahrtskirche. Die Töne brausten, rauschten, zischten, dröhnten, sie flüsterten und schmeichelten. Und da es um Jesus ging, in diesem Bachkonzert, kam mir die Frage in den vom Alltag leergefegten Sinn.

Was mache ich an diesem Samstag? Ergebe ich mich der Hektik, die einem Fest beinahe zwingend vorauszugehen scheint? Wenn Menschen kaufen, als stünde das Ende der Konsumwelt bevor, über ich mich in Zurückhaltung.

Aber ich mähe und pflanze und dünge, als gäbe es morgen kein Urbi et orbi, sondern ein Obi et Orbi, wie der Kolumnist im Sonntagsblatt treffend schrieb.

Nein. ich feiere kein Frühlingsfest und auch nicht das Erwachen der Natur. Das zelebriere ich bei meinen täglichen Hunderunden und dokumentiere seit 2 Monaten, wie sich die Knospen aus dem Winterschlaf schälen.

Ich feiere das Licht, das meine Dunkelheit zerreißt. Nachhaltig. Auf ewig.

Auch, wenn mir gerade jetzt die Menschen und die Tiere, die ich liebe und die ich nicht mehr um mich habe, ganz besonders fehlen. Auch, wenn mir gerade jetzt die Kraft ausgeht und ich tatsächlich denke, dass ich im Grunde gerne dieser Sehnsucht und meinen Lieben folgen möchte. Lieber früher als später. Jetzt sofort. Gerade dann spüre ich die Dankbarkeit darüber. dass ich daran glauben darf: es geht weiter. Besser. Ohne diesen Glauben wäre ja auch meine Trauer abgrundtief und bodenlos.

Jesus, der Christus, war vielleicht nie so sehr Mensch wie am Karfreitag. Welche Schmerzen, welches Leid. Und welche Ängste. Jeder, ob er oder sie glaubt oder nicht, kann das nachvollziehen. Jedem ist Jesus an diesem Tag nah. Als einer von Millionen, die gequält, gefoltert und getötet wurden und werden. Als einer von uns, die wir sterben werden. Viele, die nicht glauben – an Gott. an Götter, an Schuld und Erlösung, betrachten mich heute mitleidig oder, auch das, verächtlich. Manche werden angesichts meiner Osterfreude sogar aggressiv. Dabei ist unsere Motivation genau die gleiche. Nur mit umgekehrten Vorzeichen.

All das Leid, die Ungerechtigkeit, das Unvollkommene, all die Gewalt auf unserer Erde und in unserer Welt – für mich sind gerade sie Grund und Anlass zum Glauben. Verankert im Ostergeschehen.

Egal, was Jesus heute gemacht hat.

Ich gehe ins Bett. Und freue mich darauf, morgen das Licht zu feiern. In mir. Und zu hoffen, dass ich es weitergeben kann. Wortlos und nur mit einem Lächeln.

Information und Predigt am Sonntag Reminiszere

Eine brennende Kerze steht vor einem Fenster

Fürbitte für die Christ*innen und Jesid*innen im Irak

Nachfolgend findet ihr den Text meiner Predigt von heute, 16.3.2025.

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

einmal im Jahr gedenken wir der verfolgten Christ*innen in der ganzen Welt. Sie bilden nach wir vor die größte verfolgte religiöse Gruppe. Weltweit sind mehr als 380 Millionen Christ*innen in 78 Ländern wegen ihres Glaubens intensiver Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Tendenz leider steigend.

Für uns schwer vorstellbar – aber wir haben bei uns ein Gemeindeglied, dass genau aus diesem Grund hierher geflohen ist. Wer mit ihm gesprochen hat, hat vielleicht eine Ahnung davon, wie gefährlich der Glaube in manchen Teilen der Welt sein kann, während er für uns selbstverständlich oder für viele sogar nebensächlich ist.

Dieses Jahr hat die EKD den Irak in den Mittelpunkt des Gedenkens gestellt.

Steht in der „Rangliste“ der Länder, in denen Christ*innen verfolgt werden,
auf Platz 17. Auf den Plätzen 1-5 stehen Nordkorea und Somalia, der Jemen, Libyen und der Sudan. Wir selbst kennen Menschen, die aus dem Irak bis zu uns nach München geflohen sind.

Aktuelle Situation im Irak

Auch wenn im Irak kein offener Krieg mehr herrscht und die Isis-Krieger als besiegt gelten – die Gewalttäter des Krieges leben weiter in dem Land. Vielen von ihnen waren aus der Armee von Saddam Hussein zur Isis übergetreten, die die Christ*innen und Jesid*innen verfolgt und ermordet haben.

Die Hauptsorge der Minderheiten im Irak ist es, dass es dem Iran gelingt, seinen Einfluss auszuweiten, um auch den Irak in einen Gottesstaat iranischer Prägung zu verwandeln. Ihre einzige Hoffnung ist die Erhaltung einer religiösen und kulturellen Vielfalt im Land, damit auch die Minderheiten in Zukunft friedlich dort leben können. Deshalb halten die Minderheiten im Irak zusammen. Meist treten Jesid*innen und Christ*innen gemeinsam auf, wenn sie ihre Stimme erheben.

Die Minderheiten im Irak tragen wesentlich zum reichen kulturellen und sozialen Mosaik des Landes bei. Ihre einzigartigen Sprachen, Kulturen, Traditionen und religiösen Praktiken machen den Irak zu einer lebendigeren Gesellschaft und zu einem der vielfältigsten Länder im Nahen Osten. Diese Vielfalt fördert den Zusammenhalt und das Verständnis füreinander. In wirtschaftlicher Hinsicht haben die Minderheiten im Irak seit jeher zur Alphabetisierung, zum Finanzwesen, zum Handel, zum Handwerk und zu verschiedenen qualifizierten Berufen beigetragen und das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Mehrheit bereichert.

Übrigens: Die ständige Sorge vor neuer Gewalt bewirkt, dass bisher nur etwa fünf bis zehn Prozent der Christ*innen in ihre alte Heimat zurückgekehrt sind, nachdem sie aus Angst um ihr Leben geflohen waren. Nicht nur in die autonome Region Kurdistan, sondern in die ganze Welt. Das gleiche gilt für die Jesid*innen.

Die chaldäische katholische Gemeinde in München schätzt die Zahl der chaldäischen Christ*innen in Deutschland auf rund 20.000, mit Schwerpunkten in Bayern, insbesondere in München, Augsburg und Nürnberg. In München leben geschätzt rund 4000 Jesid*innen.

Der Predigttext, den wir gerade gehört haben, spricht davon, mit welcher Motivation und Aufgabe Jesus auf die Welt kam und was daraus folgt. Er verbindet den Glauben sehr eng mit dem, was wir an Gutem tun, in G*ttes Namen. Jesus will die unheilvollen Verflechtungen lösen und uns durch seine Liebe zur Wahrheit führen, steht da. Wer die Wahrheit tut, der kommt zum Licht. Und im Licht brechen die Gebäude aus Lügen und Bosheit zusammen.


Das klingt abstrakt? Für uns vielleicht. Denn wir sind meist nicht lebensbedrohlich von solchen bösen Verflechtungen betroffen. Gottseidank. Aber die Christ*innen und die Jesid*innen im Irak klammern sich täglich an diese Gewissheit, dass die bösen Werke im Licht Jesu zerfallen werden. Der chaldäische Erzbischof Najeeb Michael von Mossul betont, dass allein dieser Glaube seinen verfolgten Gemeinden Hoffnung gibt – für uns kaum vorstellbar!

Gerade das Johannesevangelium gibt den Gemeinden Kraft. Denn auch Johannes stellt in einer Situation der Bedrängnis das Vertrauen auf die Kraft der göttlichen Liebe als Trost und Mutmacher immer wieder heraus.

Jesid*innen leiden noch mehr unter Verfolgung

Ich arbeite u.a. für eine private Hilfsorganisation, die schwer kranken Kindern in Deutschland lebensrettende Behandlungen ermöglicht. Eines dieser Kinder ist Aza – auf dem Faltblatt. Aza und ihre Familie sind Jesiden.

Die Situation der Jesid*innen ist noch dramatischer als die der Christen im Irak. Das sich hartnäckig haltende Vorurteil, sie würden eigentlich den Teufel anbeten, war in der Geschichte immer wieder Grund, sie blutig zu verfolgen. Bis heute werden Jesid*innen in weiten Kreisen der muslimischen Mehrheitsbevölkerung im Irak als Ungläubige gesehen. 

2014 verübte die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) einen brutalen Völkermord an den Jesiden. In nur wenigen Tagen brachten sie 10.000 Jesid*innen jeden Alters auf grausame Weise um. 7.000, vor allem Frauen und Mädchen, wurden verschleppt und als (Sex)-Sklavinnen an IS-Kämpfer verkauft. Einige konnten sich selbst befreien oder wurden mit hohen Lösegeldsummen von ihren Familien freigekauft. 3.000 sind aber noch immer in Gefangenschaft.  Der deutsche Bundestag hat den Völkermord an den Jesid*innen im Januar 2023 anerkannt. 

Aza und ihre Familie sind Jesiden. Das Mädchen kam als Baby nach Deutschland. Ihr Dorf wurde angegriffen, Frauen verschleppt. Wenn die Flucht nicht gelungen wäre, wäre Aza ganz sicher getötet worden, denn sie kam mit einer Behinderung auf die Welt: ihr linkes Bein ist nur halb so lang wie das rechte. Inzwischen ist Aza schon 7 Jahre alt. Sie geht in Deutschland in die Schule, und ein amerikanischer Beinverlängerungsspezialist bemüht sich, die Beine so weit wie möglich anzugleichen. Wäre sie im Irak geblieben, wäre sie tot.

Die Mutter spricht gut Deutsch und macht eine Ausbildung zur Familienhelferin. Aber es hat lange gedauert, bis sie die Ängste vor Verfolgung und die Albträume hinter sich lassen konnte.

380 Millionen Schicksale

Liebe Brüder, liebe Schwestern, hinter jedem der 380 Millionen Verfolgten steckt ein Mensch mit einem Schicksal, so wie Aza. Es ist wichtig, sie nicht zu vergessen. Es ist wichtig, auf verschiedenen Ebenen für sie einzutreten. Politisch. Kirchlich. Betend – wie wir das heute tun.

Und helfend. Zum Beispiel, wenn Geflüchtete es bis zu uns schaffen. Viele kommen nicht mit einem perfekten Aktenordner mit allen Papieren, die in Deutschland verlangt werden. Das bringt die Flucht so mit sich. Bzw. gibt es in vielen Ländern gar nicht all die Dokumente, die die deutschen Behörden verlangen. Das fängt bei der Geburtsurkunde an und hört bei der Heiratsurkunde noch lange nicht auf. Dennoch brauchen die Allermeisten Hilfe. Dennoch suchen die Allermeisten Schutz. Dennoch wollen die Allermeisten nur in Frieden und Sicherheit leben. Mit ihrer Familie und ihrem Glauben. Das gilt nicht für verfolgte Christ*innen.

Es ist unsere Aufgabe, ihnen nicht die Tür vor der Nase zuzuknallen. Es gibt einen Unterschied zwischen Migration und Flucht. Während Flucht eine erzwungene Entscheidung aufgrund von Gewalt und Konflikten ist, stellt Migration eine freiwillige Bewegung aus sozialen und wirtschaftlichen Notlagen dar. Auch diese Notlagen können lebensbedrohlich sein, fallen aber nicht unter die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK, 1951). Deutschland hat diese Konvention unterzeichnet, und das gibt uns Helfenden den rechtlichen Rahmen für unser Engagement. In der Konvention steht u.a. – Grundsatz des Non-Refoulement (Art. 33 GFK):

Als Christ*innen müssen wir, wo und wie es in unserer Macht steht, helfen

Geflüchtete dürfen nicht in ein Land abgeschoben werden, in dem ihnen Verfolgung aufgrund von Rasse, Religion, Nationalität, politischer Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe droht. Dieser Schutz gilt unabhängig davon, ob die Person als Flüchtling anerkannt wurde oder nicht.

Einmal im Jahr an die religiös Verfolgten zu denken, ist wenig. Aber nehmen wir es als Erinnerung, auch während der restlichen 364 Tage offen zu sein, sie zu sehen, für sie einzutreten, wo es uns möglich ist, und für sie zu beten – für alle aus religiösen Gründen Verfolgten in aller Welt. Heute können für als Zeichen dafür eine Kerze ins Fenster stellen.

Amen.

Hier findet ihr Informationen und Texte der EKD zur Fürbitte für verfolgte Christ*innen

Und hier erfahrt ihr mehr über die Situation von verfolgten Christ*innen weitweit

Es brennt! Löscht mit!


Brandmauer, Flächenbrand, Beben, Dammbruch, Flut – schon die Sprache, mit der das aktuelle politische Geschehen in Deutschland behandelt wird, ist dramatisch und katastrophenschwanger. Mit Neuwahlen am Horizont und wenig Aussicht auf einen erfolgreichen winterlichen Mikrowahlkampf (zu wenig Zeit, zu wenig Aktive, zu wenig Menschen auf den Straßen und Plätzen) verlagert sich der Showdown im Kampf um die Wähler*innengunst ins Parlament. Ins Allerheiligste unserer Demokratie, also.

Dort gehört er m.E. nicht hin. Denn im Bundestag sollen Entscheidungen getroffen werden, die unmittelbare Auswirkungen auf das Leben der Menschen im Land haben, so sie die weiteren rechtstaatlichen Instanzen erfolgreich durchlaufen. Was dem Migrationsantrag von Friedrich Merz nie gelungen wäre. Verfassungsrechtliche Bedenken, Widerstand aus der Gesellschaft, fehlender Konsens im Bundesrat – und schließlich die Unpraktikabilität und Unausgereiftheit hätten dem Entwurf sehr bald den Garaus gemacht.

Warum also hat Fritze Merz diesen Antrag überhaupt eingereicht? Ich halte es für lohnend und wichtig, diess Frage zu beantworten (was in diversen Talkshows ja bereits gemacht wurde).

Wir rekapitulieren zunächst die zentralen Punkte des Antrags:

  1. Dauerhafte Grenzkontrollen und Zurückweisungen: Die Einführung permanenter Kontrollen an den deutschen Grenzen, mit der Möglichkeit, Personen ohne gültige Papiere oder ohne Aufenthaltsrecht direkt zurückzuweisen.
  2. Aussetzung des Familiennachzugs für subsidiär Schutzberechtigte: Ein vorläufiger Stopp des Familiennachzugs für Personen, die nur einen eingeschränkten Schutzstatus besitzen.
  3. Verschärfte Abschieberegelungen: Die Einführung strengerer Maßnahmen zur Abschiebung ausreisepflichtiger Personen, einschließlich längerer Abschiebehaft für Straftäter.
  4. Ablehnung der erleichterten Einbürgerung: Eine klare Absage an die von der aktuellen Regierung geplanten erleichterten Einbürgerungsregelungen.
  5. Steuerliche Entlastungen: Vorschläge zur Steuerbefreiung von Überstundenzuschlägen und eine Reduzierung der Umsatzsteuer in der Gastronomie.
  6. Sozialpolitische Maßnahmen: Die Einführung einer sogenannten „Aktiv-Rente“ zur Unterstützung älterer Arbeitnehmer.

Dieses 15-Punkte-Programm soll im Falle eines Wahlsiegs der Union innerhalb der ersten 100 Tage umgesetzt werden.

Schon der erste Punkt ist wegen Deutschlands Unterschrift unter die Genfer Konvention nicht durchsetzbar. Warum? Stellt euch vor, ihr müsst eure Heimat bei Nacht und Nebel verlassen und habt keine gültigen Papiere (nicht jedes Land ist so bürokratisiert wie Deutschland, und selbst hier gibt es Menschen ohne gültigen Ausweis – mich z.B.). Bzw. Ihr habt aufgrund der politischen Situation nicht die Möglichkeit, Papiere zur Ausreise zu erlangen. Gerade, wenn tatsächlich Gefahr für Leib und Leben besteht, kommen Geflüchtete oft ohne Papiere hier an. Oder die Schlepper haben ihnen alles abgenommen. Die geringste Zahl von Menschen auf der Flucht hat einen sauberen Ordner mit allen Papieren dabei, die in Deutschland gefordert werden (Ausweis, Geburts- und ggf. Heiratsurlunde, Schulabschlusszeugnisse, Diplome etc.).

Tatsächlich habe ich während meiner Arbeit im Bereich Migration nur wenige Menschen erlebt, die mit Papieren gekommen sind. Darunter die Familie eines hochrangigen togoischen Generals. Der hätte die aber gar nicht gebraucht, denn er war bekannt. Die allermeisten stehen ohne Papiere vor dir – dafür mit blankem Entsetzen im Gesicht. Natürlich gibt es unter ihnen auch Kriminelle und psychisch Kranke. Erstere kommen allerdings meistens sehr schnell durchs Asylverfahren, weil sie durch die internationale Mafia mit allem Nötigen versorgt werden. Die deutschen Behörden nicken dann sehr oft einfach alles ab.

Und die psychisch Kranken? Erhalten leider allzu oft nicht die dringend notwendige Behandlung – was der Verweigerung eines Menschenrechts nahe kommt. Dadurch verschlimmert sich ihre Krankheit. Hinzu kommt, dass die deutschen Beörden, Ämter etc. in solchen Fällen nicht ausreichend kooperieren („ist ja nur ein Ausländer“) – mit in Einzelfällen katastrophalen und tödlichen Folgen.

WIchtig ist, festzuhalten: die Zahl solcher von Geflüchteten begangener Straftaten ist in der Relation sehr gering, auch, wenn die Medien und die Rechtsrextremen anderes sagen. Die meisten Femizide passieren durch deutsche Männer, z.B. Trotzdem sagt mir eine Krankenschwester beim Blutabnehmen, sie habe im Dunkeln Angst vor ausländischen Männern. So funktioniert „gute“ Propaganda. Interessanterweise habe ich noch nie gehört, dass jemand Angst vor ausländischen Frauen hat. Aber „alle Ausländer raus“?

Doch ich schweife ab. Auch die weiteren migrationsspezifischen Punkte des Merz-Antrags kollidieren mit gesundem Menschenverstand (wir brauchen Arbeitskräfte, sollen denen aber die Arbeitsaufnahme erschweren?) oder dem Rechtsstaat.

Warum also dieser Antrag?

Alle möglichen Antwortszenarien machen mir Angst.

  • Merz will die Wähler*innen am rechten Rand abfischen und zeigen, dass, wie schon von Frau Klöckner auf Instagram formuliert („Für das, was ihr wollt, müsst ihr nicht AfD wählen. Dafür gibt es eine demokratische Alternative: die CDU.“), die CDU auch für rechtsnationalistische Gesinnungen eine Heimat sein kann.
  • Merz will ausprobieren, ob die anderen Parteien, die den Brandmauer-Konsens unterschrieben haben, damit erpressbar sind – und er also alles durchsetzen kann, was er sich so vorstellt.
  • Merz will sich, das Parlament und die Öffentlichkeit schrittweise darauf vorbereiten, dass er seine Politik auch gerne mithilfe einer faschistischen Partei verwirklichen wird.
  • Merz ist so dermaßen von sich selbst eingenommen, dass er fest davon überzeugt ist, sein Wort sei Gesetz bzw. könne es jederzeit werden, unabhängig von jeglichen demokratischen Prozessen. Er kennt keine Verantwortung, außer für sich selbst.

Egal, welches Szenario der Wahrheit am nächsten kommt: alle sind erschreckend und beweisen, dass es diesem Kanzlerkandidaten nicht um das Wohl der Menschen in Deutschland geht, sondern einzig um sich. Nicht mal um seine Partei. Denn sonst hätte er sich einen Moment Zeit genommen, um auf diejenigen zu hören, die ihn (und als Kennerin der Prozesse, die einem solchen Antrag innerparteilich vorausgehen, bin ich davon überzeugt, dass es die gegeben hat) vor den möglichen Konsequenzen in der Öffentlichkeit gewarnt haben. Warum haben einige CDU-Abgeordnete bei der namentlichen Astimmung zum Zustrombegrenzungsgesetz dagegen gestimmt? Vielleicht aus demokratischem Pflichtbewusstsein. Aber ich denke, sie taten das vor allem, weil ihnen im Zweifel das Hemd näher ist als die Hose, sprich, weil der Protest in ihrem Wahlkreis sie für den 23. Februar ein persönliches Debakel befürchten ließ.

In diesem Zusammenhang frage ich mich, worauf die ungewöhnliche Stille des Bayerischen Ministerpräsidenten bezüglich der aktuellen Ereignisse im politischen Berlin beruhen mag…

Erstaunlich auch, dass Merz offenbar nicht mit den erfolgten deutschlandweiten Protesten gerechent zu haben scheint. Das deutet für mich schon fast auf „trumpeske“ Züge hin.

So betrachtet, ist also auch das knappe Scheitern des Gesetzentwurfs am Freitag (349 Abgeordnete stimmten gegen den Entwurf, 338 dafür, bei fünf Enthaltungen) kein Sieg der Demokratie. Aber es bedeutet eine Atempause, in der wir uns sammeln können für weitere Proteste. Für ein Aufschreien, Aufschreiben gegen das rechte Schreckgespenst an den parlamentarischen Wänden.

ich fürchte, es ist in der Tat 5 vor 1933. Und wir wissen, wie das Wegschauen ausgegangen ist, damals. Das „ich bin ja nicht betroffen“ – weil kein Jude und keine Jüdin, kein*e Behinderte*r, kein*e Sinti oder Roma, kein*e Linke*r. Am Ende war ein ganzes Volk be- und getroffen. Ein ganzes Land. Ganz Europa.

Ha, sagt ihr, schau doch mal in dein italien. Was macht die Meloni denn da? Ja, ich schaue dorthin. Mit Bangen. Aber – wir italiener sind halt doch anders. Zu individualistisch für eine stringente Massenbewegung. Was sich in der Vergangenheit als politische Instabilität erwiesen hat, ist jetzt vielleicht ein Glück. Übrigens: auch der zweite Transport von Geflüchteten nach Albanien musste zurückgepfiffen werden. Wäre das in Deutschland auch möglich?, frage ich.

Fazit: Merzens Generalprobe ist im Parlament im zweiten Anlauf gescheitert. Das ist kein Grund zum Aufatmen, aber ein Beweis dafür, dass „das Volk“ sehr wohl Macht hat.

Meine Bitte: Nutzt diese Macht. Zeigt durch eure Haltung, durch eure Präsenz, durch das, was ihr sagt, jeden Tag, beim Bäcker, in der Kirche, an der Ampel., im Büro, in der Kita, dass wir mehr sind. Mehr als die Neofaschisten, mehr als die Fake News Verbreiter. Mehr als die Hasser. Dass wir daran glauben, dass auch komplizierte Situationen am besten in einer Demokratie zu bewältigen sind. Und dass Wohlstand immer ein Geben und Nehmen ist, dass wir „ein gutes Leben“ nie für uns alleine werden verwirklichen können, sondern nur in der Gemeinschaft.

Und: lest euch das Wahlprogramm der AfD durch – in Häppchen, mit Tee oder Wein zur Beruhigung, und zitiert es in euren Gesprächen! Denn, frei nach dem Film „One life“: Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.“ D.h. wer einen AfD-Sympathisanten gewinnt, gewinnt die ganze Wahl.

MiniKrimi Traumgespinst


Ich möchte vorausschicken, dass dieser MiniKrimi einzig meiner Fantasie entspringt und jede Ähnlichkeit zu real existierenden Personen rein zufälliger Natur ist!

Spannende Caption: ich habe bewusst die WordPress-eigene KI für das Beitragsbild genutzt – und jede Ähnlichkeit von Big D mit bekannten Menschen wurde „vorauseilend“ minimiert. Es brauchte 6 Versuche, um zumindest das aktuelle Bild zu kreieren…..

Leider (?) nur ein Traum

Mal ehrlich, meine Herren – Jungs? Wovon habt ihr geträumt, nachts, in eurer Pubertät? Was hat euch angefixt, unter der Bettdecke, so mit 15? Der Bravo Starschnitt von Suzy Quatro? Jeanne Moreau in Jules et Jim? Oder doch Sophia Loren mit „tu vuoi fa l’americano“?

Big D hatte als 15-Jähriger nur einen Traum. Nacht für Nacht. In seinem schmalen Bunkerbett in der NYMA träumte er nicht von seinem Elternhaus oder seiner Schule in Queens, die ihn wegen „Verhaltensproblemen“ vor die Tür gesetzt hatte. Nein. Er sah sich in einem nur von Kerzen erleuchteten Saal, umringt von einer Schar glühender Anhänger in Smoking und Abendkleidern, die alle gekommen waren, um seinen Geburtstag zu feiern. Als Höhepunkt – im wörtlichen Sinn – wurde dann eine riesige Torte hereingeschoben, so eine wie in Singing in the rain, und heraus sprang: Marilyn Monroe. Sie schmiegte sich an ihn und hauchte verführerisch „Happy Birthday, Mister President“.

Dieses Bild verfolgte den ebenso unglücklichen wie missglückten Jungen durch seine gesamte – wir müssen ehrlich sein – nicht sonderlich erfolgreiche Schulkarriere – und weit darüber hinaus.

Big D – der damals noch nicht so genannt wurde, wobei das erstaunlich ist, weil sein Ego eigentlich schon immer mindestens so groß war wie seine Selbstüberschätzung – wusste genau: Um in den USA ganz nach oben zu kommen, brauchst du vor allem Geld. Und Beziehungen. Aber die erkaufst du dir am einfachsten mit – Geld. Also setzte der junge Mann alles daran, das familieneigene Immobilienunternehmen zu einem Imperium auszubauen. Weil er einerseits sehr risikofreudig und andererseits von keinerlei ethischen Skrupeln geplagt war, gelang ihm das eine ganze Zeit lang ziemlich gut. Denn während andere in seinem Alter Sportwagen sammelten, Yachten oder Freundinnen, galt seine Sammelleidenschaft vor allem einer „Sache“: der Macht. Er wurde reicher, er wurde bekannter. Und in dem Maß, in dem sein Einfluss auf die Finanz- und Wirtschaftswelt wuchs, wuchs auch die Zahl der Menschen, die ihn nicht mochten, verachteten, hassten.

Aber „D“ hatte sich aus dem Geschichtsunterricht genug gemerkt, um zu wissen, dass mit Anerkennung und Berühmtheit auch viel Missgunst einhergeht. Viel Ruhm, viel Neid – ihr kennt den Spruch. Gleichzeitig war D fest entschlossen, nicht solch kapitale Fehler zu begehen wie einige seiner Vorgänger, etwa Julius Caesar oder Napoleon. Nein. Er war nicht nur vorsichtig – er verstand es, sich mit einer mehrschichtigen getreuen Phalanx zu umgeben, die über ihn und seine Schritte und Tritte wachte.

Den engsten Kreis bildeten dabei Leute, die ihn nicht unbedingt mochten oder seine Meinungen teilten, die aber von ihm unmittelbar und in großem Ausmaß profitierten. Das waren seine treuen Opportunisten.

Dann gab es solche, die an gar nichts glaubten und niemanden mochten, außer eine sehr gute Bezahlung. Das waren seine Bodyguards.

Und dann gab es eine riesige und kontinuierlich wachsende Schar von Menschen, die an seinen Lippen hingen und jedes seiner Worte für bare Münze nahmen, oder es je zu hinterfragen – oder hinterfragen zu können. Denn diese Menschen waren schlicht oder, genauer gesagt, dumm. Sie glaubten seinen Versprechungen eines goldenen Zeitalters, in dem ihnen die gebratenen Tauben in den Mund fliegen und all ihre Widersacher tot umfallen würden. Ein Beispiel: während der Corona-Pandemie erklärte D öffentlich, statt sich mit einem hochgefährlichen und bislang an nur wenigen Millionen Menschen erprobten Vaccin impfen zu lassen, genüge es, einfach Desinfektionsmittel in großen Mengen zu trinken. Ich bin ja der Meinung, das war für ihn sowas wie eine Generalprobe dafür, wie weit er mit der Loyalität seiner Anhänger*innen rechnen konnte. Die Antwort war beeindruckend: tatsächlich bis zum Tod!

Aber ich schweife ab. D, inzwischen von seinen „Freunden“ „The D“ genannt, hatte natürlich nicht nur Erfolge. Im Gegenteil: seine Methode führte zwangsläufig dazu, dass seine geschäftlichen Kartenhäuser zusammenbrachen. Immer und immer wieder. Denn auch die treuesten Gefolgsleute der Kategorie 1 – engste Vertraute und Geschäftspartner – ließen sich nicht auf ewig hinhalten oder sogar verprellen. Und weil The D nur seinen eigenen Profit im Kopf hatte, gingen sie letztendlich leer aus. Und versuchten, es ihm heimzuzahlen.

Doch er schaffte es immer wieder, wie ein Phönix mit neuem Glanz aus der Asche seiner Pleiten aufzuerstehen. Größer und erfolgreicher als zuvor. Denn bei allem Auf und Ab verlor er sein großes Ziel nie aus den Augen. Ihr erinnert euch. Die Torte! Marilyn! Gut, die war inzwischen austauschbar, weil unerreichbar. Aber Blondinen gab und gibt es ja genug. Echte und nicht so Echte.  Bei der Auswahl bediente D sich im Laufe der Jahre natürlich ausgiebig. Sein Herz aber verlor er nie, so viele andere er auch brach. Nicht einmal als Penny, eine süße und äußerst talentierte Musical-Sängerin, sich von seinem D-Tower in den Tod stürzte, spürte er dort, wo bei anderen die Gefühle sitzen, den geringsten Stich. Penny hatte ihre Karriere hingeworfen, um sich ganz und gar ihrem Mentor D zu widmen, nur, um kurz darauf durch eine Fox-News-Journalistin ersetzt zu werden. Die behielt er auch nicht lange, und die Reihe seiner Exxen soll, so sagen sie, so lang sein wie die Panamerikana (immerhin 30 Tsd. Km!).

The D scherte sich nicht um die wachsende Schar der Leute, die ihn hassten. Dank seiner Phalanx fühlte er sich unbesiegbar. Das hatten allerdings auch Caesar & Co. von sich geglaubt.

Und so kam es, wie es kommen musste. Big D, wie er inzwischen von Fans und Gegnern genannt wurde, erkletterte alle Stufen der Macht. Und stand irgendwann ganz oben. Unter seinen Füßen das Volk. Um ihn herum die aktuellen Opportunisten. Und draußen, jenseits eines großen Zaunes, all jene, die sich immer noch fragten, wie er es hatte soweit bringen können. Wie sie es soweit hatten kommen lassen.

Und jetzt, endlich, war es soweit. Big D war wieder 15. Er stand in einem nur von Kerzen erleuchteten Saal, umringt von einer Schar glühender Anhänger in Smoking und Abendkleidern, die alle gekommen waren, um seinen Geburtstag zu feiern. Als Höhepunkt wurde kurz vor Mitternacht eine riesige Torte hereingeschoben, eine genaue Replique von der aus Singing in the rain. Trommelwirbel, dann: Stille. Allenthalben „Ah“ und „oh“! Der Deckel der Gigantentorte wurde von zwei schlanken Armen hochgehoben, und eine langbeinige Blondine entstieg dem kunstvollen Gebäck. Wie lange hatte Big D diesem Moment entgegengefiebert. Wie lange hatte er nach ihr gesucht und sie endlich gefunden. Die Verkörperung all seiner Träume. Stella, blutjung und nur in zarten Tüll gehüllt. „Happy Birthday, Mister President“, hauchte sie. Bückte sich kurz und stand dann in ihrer ganzen Schönheit vor ihm und den Gästen. In den Händen allerdings kein Mikrofon, sondern eine geladene Kalaschnikow. „Fare well now, Mister President“, hauchte sie, immer noch zärtlich. Und schoss. Eine Runde und dann noch eine. Und noch eine.

Tja – statt Singing in the rain hatte sie sich ganz offensichtlich die Schlüsselszene von Some like it hot zum Vorbild genommen.

Bevor sie von den ihr längst treu ergebenen Bodyguards nach draußen geleitet wurde, stupste sie den am Boden liegenden Big D mit der Spitze ihrer Silbersandalette an und sagte noch: „Mit liebsten Grüßen aus dem Jenseits von meiner Mutter Penny. Fahr zur Hölle.“

Welttag des Buches


Mein Vater, der kluge Karikaturist, hat mit spitzer Feder eine Waage gezeichnet. In der einen Schale liegen Bücher, gestapelt, meterhoch. In der anderen ein Gänsekiel. Ratet. was scjwerer wiegt?

Was bewegt uns Autor*innen, immer wieder immer noch das zu schreiben? Ist denn nicht längst alles gesagt, auch, wenn vielleicht noch nicht von allen? Ich kann nur für mich sprechen. Und wenn ich das, was in mir brodelt, stichelt, drückt und zwickt nicht rauslasse, als sinngebende Zeichen auf weißgraubunt, dann zerfrisst es mich, zerreist und beißt es mich um meinen Verstand.

Gottlob war es bisher immer so, dass das, was ich schreibe, bei anderen eher Balsam ist als Gift und eher Freude hervorbringt als Abscheu oder, schlimmer, Langeweile.

Scribo ergo sum. Ich schreibe, also bin ich.

Seid Ihr da bei mir?

Dann freuen wir uns gemeinsam auf die nächsten Geschichten.

Karfreitag


„Am Karfreitag regnet es doch normalerweise“, hat ein Freund mir gerade am Telefon gesagt.. Tut es das? Ich erinnere mich an sonnig sommerwarme Karfreitags-Nachmittage in meiner Kindheit. Da saß ich auf dem Balkon und malte mit meinem Vater ausgeblasene Eier für den Osterstrauß an. Er abstrakt, ich kindlich gegenständlich. Leider sind die kleinen Kunstwerke meines Vaters und zum Glück meine Kreationen nicht mehr erhalten.

Mit 18 verbrachte ich denkwürde Karfreitagsstunden mit meinem Freund beim „Metonkel“ mitten in einem schon maigrünen Wald. Wir saßen auf klapprigen Campingstühlen vor seinem alten Bauwagen und tranken aus schmutzigen gesprungenen Gläsern trüben Met zum Zwitschern unsichtbarer Vögel. Weder den Wagen noch den Metonkel und schpn gar nicht diese Vögel gibt es heute noch.

Ein Hauch von Vergänglichkeit liegt über diesem Tag. Eigentlich sollte es regnen.

Der Tod ist wie ein Punkt am Ende des Satzes. Unweigerlich nötig, weil auch die schönsten Wortgebilde sich nicht in die Unendlichkeit fortsetzen können. Und ihrer Einzigartigkeit beraubt, wären sie auch nicht mehr schön, Vor allem gäbe es dann nur noch begrenzten Raum für Neues. Stellt Euch vor, wenn jeder Satz, gedacht oder gesprochen, ewig wäre! Wir würden ersticken und verstummen vor der Gewalt all dieser nie gestillten Worte.

Aber zum Glück wurde irgendwann die Interpunktion erfunden.

Sie gilt für unsere Sätze und auch für unser Leben. Irgendwann ist Schluss. Das wird uns Christen heute durch das Leiden Jesu und aller anderen Gekreuzigten vor Augen geführt. Durch den zerrissenen Vorhang im Tempel. Und die Angst der Zurückgebliebenen.

Aber natürlich stirbt Jesus nicht zufällig gerade in dieser Jahreszeit. Pessach. Zuckerfest. Frühlingserwachen. Im Tod liegt schon der Keim zum Werden. Dieses Motiv ist älter als jede Religion. Sie ist der Pulschlag, seit es Leben gibt.

Trauer und Freude dürfen nebeneinander liegen, aufeinander, durcheinander. Du hast jemanden verloren, der dir fehlt? Weine. Und lache. Denn kein Verlust ist ewig. Mindestens in deinem Herzen und in deinen Erinnerungen kannst du Verlorene finden. Glaube mir! Versuche es.

Ich leide heute mit Jesus Christus und mit allen, die gequält und getötet wurden und werden. Ich bin dankbar für ihren Mut.

Als Christin bin ich außerdem unendlich froh darüber, dass mir ohne Ansehen meiner Schwächen, meiner Fehler, meiner Feigheiten eine Tür geöffnet wurde, die vom tiefsten Karfreitagsschwarz direkt ins Grün führt. Ins Blau. Ins Licht.