Nach Weihnachten ist vor Weihnachten


Weihnachten 2010 ist Vergangenheit. Aber für viele von Euch geht die stade Zeit noch bis Anfang Januar weiter. Deshalb hier noch eine Weihnachtsgeschichte, die nachhält. Viel Spaß beim Lesen.

Still, still, still…..

„Ein Bilderbuch-Weihnachten“, denkt der Monsignore, während er sich seinen Weg durch die flaumige Schneedecke bahnt. Des einen Freud, des anderen Leid. Max, der Küster, wird bald wieder mit der Schneeschippe ausrücken müssen. Unaufhaltsam rieseln die weißen Flocken herab. Ein Mantel aus heiliger Stille legt sich auf die Welt, wie in Zuckerwatte gepackt schlummert das barocke Kirchlein dem Abend entgegen. Bei diesem Wetter wagt sich niemand vorzeitig auf die Straßen, und der Besucherstrom der letzten Tage ist versiegt. In der Adventszeit ist die sonst so stille Kirche ein Publikumsmagnet. Nicht wegen der antiken Fresken, die den Altarraum schmücken, sondern wegen der historischen Krippe mit ihren lebensgroßen Figuren. Besonders das Christuskind hat es den Gästen angetan. Wie ein echtes Baby liegt es in seinen reich bestickten Windeln und lächelt seit Jahrhunderten jeden an mit einem Blick, der direkt ins Herz geht und schon so manches innere Eis aufgetaut hat. Und keinen stört der offensichtliche Widerspruch zwischen der christlichen Legende vom armen Jesuskind und seinem wohlgenährten Abbild in der goldverzierten Futterkrippe. „Weil die Menschen hier ja auch nicht wirklich arm sind, zumindest nicht materiell“, beantwortet der Monsignore seine eigene Frage.

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SMS-Adventskalender-Rückblick. Was war die Top-Story?


An alle Adventskalender-Krimi-Fans: Jetzt ist das letzte Türchen aufgegangen. Die beste Gelegenheit, restrospektivisch alle Krimis von 1 bis 24 Revue passieren zu lassen. Und zu bewerten. Welches war der beste? Ich freue mich auf Euer Votum, das Ihr am besten mit dem I like Button abgebt! Die Abstimmung läuft bis zum 31. Dezember 2010. Danach gibt’s vielleicht einen Jahresanfangs-Krimi in Weiterentwicklung der Gewinner-Story. Also: an die Buttons, fertig, LOS!

SMS-Adventskalender. 24. Dezember: Der gefallene Engel


Sie hatten es seiner Mutter schon bei seiner Geburt gesagt. Aus dem wird mal was werden. Ein Politiker. Ein Schauspieler.  Ein Verbrecher. Je nach Perspektive der Betrachter. Sie hatte zu all dem geschwiegen. Und abgewartet. Der Junge hatte Charisma, soviel war klar. Und auf den Mund gefallen war er auch nicht. Leider ließ er sich schon bald nichts mehr von ihr sagen und ging seine eigenen Wege.

Mit Dreißig hatte er Scharen von Fans. Die Frauen fielen reihenweise in Ohnmacht, wenn er auftrat. Die Männer hielten ihn bald für einen Geheimbündler. Mafia. Spionage. Ein Krimineller, jedenfalls.

Auf dem Höhepunkt seines Ruhms haben sie ihn dann verhaftet. Volksverhetzung. Ausgerechnet. Dieser Pazifist! Aber er – nahm sich nicht mal nen Verteidiger. Jetzt wurde es selbst den verrücktesten Fans zu blöd. Sie kehrten ihm nicht nur den Rücken, sie wollten sein Blut. Da wurde er hingerichtet. Ein Unschuldiger mehr.

Aber damit fängt die Geschichte erst an…..!

SMS-Adventskrimi. 23. Dezember:Die Baumfalle


„Vorsicht, VOOORSICHT! Die Decke! Ja, etwas nach links. Stopp! Einen Schritt nach rechts, ja, gut! So, hier kann er stehenbleiben. Jezt bitte grade stellen. GRADE! Mensch, Irmi, kannst du nicht grade gucken? Nach links. LINKS. Und jetzt so halten. Ach was, zu schwer! Wer wollte denn son großen Baum? DU! Als Statussymbol, damit die Nachbarn was ordentliches zu sehen kriegen, wenn sie durch die Fenster schauen. Sind ja groß genug. Allerdings schaust du nicht so gut aus, daneben, mit deinem ewigen Whiskeyglas in der Hand. Halt den Baum grade, verdammt! So jetzt steht er fest. Hier dein Whiskey, stell dich vors Fenster, dann sehen dich alle.“

Mit einem tückischen Zischen kippt der 3 Meter hohe Baum aus dem unbeschwerten Ständer. Auf Irmi. Mit einem splitternden Krach stürzen beide durch die hell erleuchtete Fensterfront in den Garten.

„Tja, Irmi, du wolltest son großen Baum. Und jetzt frohe Weihnachten, liebe Irmi. Der soeben verwitwete Klaus wirft seiner Ehefrau  einen letzten Blick zu und geht.

SMS-Adventskrimi. 22.Dezember:Verklappte Kräuter.


Seit Pisa haben Hautpschulen in Deutschland ein Problem mehr. Statt hinter Pausenmauern zu verdampfen, wird Nichtintegration im Scheinwerferlicht von Großdruckzeitungen und Politmagazinen breitgetreten. Das bringt die Lehrer auf die Palme. Um nicht den letzten pädagogischen Stolz zu verlieren, engagieren sie sich und die Klasse in sozioemotiven Spielen. Julklapp, zum Beispiel. In der Hoffnung,  Ali, Marcel, Emre und Monique könnten spielerisch die nordischen Pisatraumergebnisse einsaugen, rennt die Lehrerin, als Gutmensch getarnt, in den nahen 1 Euro-Shop und sucht ein kitschiges Teeservice – vallah, so eins wollte meine Mam schon immer! Sie schreibt Geschenkegutscheine für eine Nachhilfestunde. Und wünscht ihre Klasse auf den Nordpol, weil es schon fast acht ist und Patrick jetzt allein ins Kino geht. Oder mit Susi!

Am nächsten Tag wird julgeklappt. Turkan kriegt das Teegeschirr von Fidan – „hey meine Alte flippt aus, ich schwör!“. Monique kriegt die Nachhilfestunde. Die motivierte Lehrerin ein Päckchen Kräuterbonbons. Eine halbe Stunde später geht die Klasse gesammelt und johlend nach Hause. Die Lehrerin kniet kreidebleich vorm Lehrerklo, die Kräuterbonbons verstreut um sie herum, klebrig manipulierter Tatbestand von Integration.Wenn auch mit negativen Vorzeichen …..

SMS-Adventskrimi. 21. Dezember: Ausgebremst.


„So, Onkel Franz, jetzt steig ein. Du wirst seh’n, das Hotel wird dir gut gefallen. Lauter nette Leute in deinem Alter..“ „Ich weiß nicht, Kai. Das ist sehr nett von dir, dass du dich so für mich engagierst. Aber ich bin doch nur etwas geschwächt durch die Grippe. Ich kann das Haus nicht so lange allein lassen…“ „Mach dir keine Sorgen, Onkel Franz. Ich kümmere mich um alles. Glaub mir. Für dich mach ich das gerne. So, Achtung, anschnallen! Ich steig auch gleich ein, muss nur noch kurz telefonieren.“

„Hallo? Professor Linke? Hier Falkenberg. Ich komme jetzt mit meinem Onkel. Ist völlig durcheinander, der Ärmste. Glaubt, Ihre Klinik sei ein Hotel. Vorsicht, in dem Zustand ist er gewalttätig. Aber Sie haben ja genug Haldol…. hahaha.  Nein, nein, ich hab die Betreuung schon beantragt. Die Bezahlung regele ich, sobald ich die Vollmachten habe…“ „So, Onkelchen. Ab in die neue Heimat.“

„Wie – neue Heimat? Kai? Was hast du vor?“ „Nichts, nichts, Onkel. Hab nur laut gedacht.“ „Kai? ….. Ach Kai, entschuldige, ich bin so durcheinander. Ich glaube, ich habe aus Versehen die Wertpapiere mitgenommen. Die können auch hierbleiben. Nimm sie doch bitte an dich. Sie liegen im Koffer…“

Behend springt Kai aus dem auf der abschüssigen Straße geparkten Auto, öffnet den Kofferraum und sucht nach den Papieren. Da löst sich wie von selbst die Handbremse. Kai hat keine Chance.

SMS-Adventskalender. 20. Dezember: Die „Türkenvilla“


Das seit dem Sommer freundlich modeblau gestrichene Mietshaus steht an einer kleinen Ausfallstraße. Vereinzelt hängen Blumenkästen auf den einsamen Balkonen, oben weht ein Sonnenschirm unverdrossen im Dezemberwind, und das schon seit drei Jahren. Satellitenschüsseln räkeln sich von Fensterbrettern in die Welt. Der Name „Türkenvilla“ stammt angeblich noch aus der Zeit abblätternder Fassaden. Wintersonnenwende und die Nacht bedroht den dunklen Tag. Sturm kommt auf. Tannen verbiegen sich, und aus dem Himmel grollt es laut und lauter. Am Parkrand stehen plötzlich schwarze Limousinen Kette. Davor hurtige Graugestalten, so bemüht, mit dem Straßenalltag zu verschmelzen, dass sie keine Tarnung brauchen.

Ihre Telefone schrillen, summen. Der Helikopter steht direkt über dem Haus. Zerschneidet grell den Abend. Ich gehe trotzdem raus. Der Hund muss mal. Seine Uniformphobie macht sich in heiserem Gebelle Luft. Bald kommen alle Nachbarn vor die Tür. „Was geht hier ab?“ „Ach nichts. Wir sind schon weg. Ein Helikopter? Wo?“

Wie ein Spuk bin ich die Geister wieder los. Und nicht nur ich. Hinter dem Sonnenschirm erscheint ein Arm und wirft ein Päckchen auf den Gehweg.

SMS-Adventskrimi. 19. Dezember: Schiller der Thriller


Weihnachtszeit ist Zweisamzeit. Tim ist es leid, alles alleine genießen zu müssen. Glühwein, Bratwurst und Lebkuchen schmecken geteilt einfach besser. Seit er seinen eigenen Single-Blog hat, braucht er nicht einmal mehr die Online-Börsen zu besuchen. Schon nach drei Kommentaren zu seinen Single-Life-Berichten hat Hot Candy ihn zum Candleligtdinner eingeladen. „Wenn Du Lust auf einen erotischen Abend hast, gerne mit dem Feuer spielst und über Kamasutra nicht nur philosophieren willst – dann komm heut Abend zu mir. Der Schlüssel liegt unterm Blumentopf am Fenster.“ Dazu eine Adresse ganz in seiner Nähe.Wer könnte dazu schon nein sagen? Tim hat noch nie was anbrennen lassen. Außer bei Nora. Die hatte nach seinem letzten Seitensprung nur verbrannte Erde zurückgelassen, in seiner Wohnung. Zum Glück war er gut versichert…

Punkt acht schaut Tim unter den Blumentopf. Dabei zieht er sich prompt einen Kaktusstachel ein. „Kranich“ steht auf dem  provisorischen Klingelschild. Er lacht. „Na warte. Hot Candy, mein Vögelchen“. Im selben Moment geht die Tür auf, und in der eisernen Umarmung einer Angoraunterhose ist Tim schnell seinen letzten Atem los. „Hättest du in der Schule mal besser aufgepasst“. Nora nimmt das Namenschild ab und steigt trällernd über den reglosen Körper. „Sieh da, sieh da, Timoteus…“

Just another icy day


Wieder strahlt der Horizont heller als die Himmelslagen über der Straße. Darauf stehen heute morgen zum Glück keine Autos und auch keine Dealer. Die schlafen wahrscheinlich alle noch…. Die Krähen ziehen flache Kreise – ob Krabat wieder auf die Suche fliegt? Statt Krimis zu dichten korrigiere ich heute LK-Facharbeiten. Auch mal ganz nett. Ich bräuchte einen Latein-Fachmann, am besten einen Prof. oder so. DRINGEND! Na – wer nennt mir einen? DANKE! Odi et amo. Und so.

Und dann geht’s ans Parmigiana-vorbereiten. MMhhh lecker! Als Nachtisch eine Preiselbeermuffintorte. Wer will ein Stück? Mit Williams…. 🙂

SMS-Adventskrimi. 18.Dezember: Spießer contra Dealer


Es ist aber auch sowas von dunkel, heute. Paar Straßenlaternen machen ziemlich Schatten. Bei der Kälte geht niemand raus, am Abend. Die Leute sitzen vorm Samstagabend-Action-TV. Beste Zeit. Zwei Autos fahren in die kleine Seitenstraße. Neuer BMW, alter Mercedes. Idealer Platz.

Vier Typen steigen aus. Kapuzenköpfe mit Arschbaggys und Dockers dran. Gucken sich um. Gegenüber aufm Streetballplatz nur Schnee. Auf der andern Straßenseite Reihenhäuser. Spießerstraße. Alles bingo. Der mit der Baseballkappe schüttelt Ziggis aus der Schachtel. Einer bückt sich hinters Lenkrad, hebt den Kopf, guckt sich um. Die andern schlendern lässig ganz nah ran. Gemurmel. Sie tauschen Päckchen gegen Scheine. Schmeißen die Kipppen auf die Straße. Fahren weg.

Hinterm dunklen Spießerfenster greift sie nach dem Telefon. Pech gehabt, ihr Säcke.