Sie ziehen ihre Spuren durch den Park. Schneckenläufe zwischen flüsternden Geschichten, Einsamheiten in den Fängen blattverliebter Lispelwinde. Weisheitsweiß von Blickwipfel zur Hosenspitze schlendern sie zwei Finger breit
über den Schattenwegen. Dunkle Ausweichaugen werfen ihre Ruten hinter deinem Rücken. Manche schleppen einen Hund im Tau, auch er nur eine blass getuschte Täuschung alternder Lebendigkeit. Andere kleben harzbeträumt auf braunen Bänken ohne Sonnenmut. Schießen stumm und nachgespäht Vermutungen auf deinen Gang. Gartenzwerge Restbestände eines ausgespielten Liebesmemory.
Sommersonnenmorgen
LebensLinien
Fata non Morgana
Chemo
Krankheit ist Lösung. Lösung ist heiter.
Von der Autobahn geht es mitten hinein in die Filmkuliss
enlandschaft einer heilen Welt. Grüne Bergrücken, vor denen sich adrette Alpenhäuser an weiß blühende Apfelbäume schmiegen. Satte Weiden, buntes Fleckvieh, Raps so weit das Auge reicht. Am Talrand ragen weißbekränzte Gipfel in den Schlagrahmhimmel. Am Friedhof entlang und dann hinter dem Heuschober rechts über die Brücke. Das Haus des Bergdoktors entspricht allerdings schon auf den ersten Blick nicht der Filmvorstellungs-Vorlage. Ein Jahrhunderte alter Guts- und Gasthof, der Generationen von Reisenden und Wanderern als Rast- und Ruhepunkt gedient haben mag, Tulpen wiegen sich im Rasenwind, auf dem Pflaster des Parkplatzes stehen große Wagen.
Biedermeier-Eleganz in Weiß und Blau empfängt den Gast. Flausch schluckt die Schritte, und der Duft nach frisch gewaschener Wäsche weht durchs Treppenhaus. Ein Rollstuhl lehnt an der Aufzugwand. Der Unterschied zu einem Romantikhotel liegt in der Abwesenheit gedämpfter Lounge-Musik. Und in der stillen Heiterkeit, die unaufgesetzt den Raum durchschwingt. Weiterlesen „Krankheit ist Lösung. Lösung ist heiter.“
Professionelle Barmherzigkeit?
Hungrige speisen, Durstige tränken, Kranke pflegen. Drei von sieben Werken der Barmherzigkeit, die das Christentum als Beispiele für Hilfeleistungen kennt und nennt. Hilfeleistungen, die zum sozialen Funktionieren einer mit-menschlichen Gesellschaft nötig sind. Hilfeleistungen, die Christen aus ihrer religiösen, aus ihrer an Christus angebundenen Glaubensgewissheit heraus leisten. Sollten….! Weiterlesen „Professionelle Barmherzigkeit?“
Moment. Aufnahme.
Woran bemisst sich der Wert eines Lebens?
Außenweltlich betrachtet wohl an seinem Bedeutungsgrad für die ihn umgebenden Strukturen. Gesellschaft. Zum Beispiel.
Vom göttlichen Standpunkt aus ist die Frage nach dem Wert an sich obsolet. Wert und Sein sind eins und schöpferbedingt systemimmanent.
Ich empfinde mein Leben als WERT ob dieser funkelnden, leuchtenden, hallend schallenden Momente intensiven Erlebens. In bleischweren Tintentiefen. In ätherleichten Freudenhöhen. Ihr seid mein Lebenswert. Freunde, Kinder, Blicke aus dem Fenster auf rauschendes Grün, ein Lauschen am murmelnden Wasser. Ein Schluck vom milchschaumigen Café au lait.
Und es ist gar nicht schlimm, dass ich um so intensiver genieße, je deutlicher in mir das Bewusstsein um die Endlichkeit dieser Erfahrungserlebnisse jahresreift.
Es zählen Auge und Blick, Moment und Aufnahme. Um so mehr, als ihre Mengen bemessen sind.
Crux crucis
Es wogt. Es dampft. Es drückt. Es lacht. Es schwitzt. Es friert. Es ruft. Es eilt. Es hungert. Es dürstet. Es trinkt. Es schmatzt. Es ergießt sich. In unter auf und über München.
Es nimmt sich wichtig. Es macht sich wichtig. Es zeigt sich. Es übertönt. Es übertüncht. Es gleichmacht. Es verspricht. Es entspricht. Es verzieht. Es postuliert. Es deduziert. Es karikiert. Es markiert. Es paradiert. Oben unten hinter vor den Bühnen.
Es klingt. Es singt. Es jubelt. Es faltet. Es runzelt. Es schmunzelt. Es streckt. Es reckt. Es gröhlt. Im Rhythmus und daneben.
Er ist. Er atmet. Betet. Tröstet. Begleitet. Beschirmt. Durchschaut. Verzeiht. Er lebt. TrotzDem. InAllem.
Abgelegt.
Der Unterschied zwischen einem lebenden und einem toten Wesen ist der größte Gegensatz, den wir Menschen uns vorstellen können, sobald wir ihn einmal, zum ersten Mal, erlebt haben. Ein toter Körper ist wie ein ausgezogenes Kleid. Liegt auf dem Bett wie eine abgeworfene Insektenhülle. Eckig und mit tödlicher Schärfe gezeichnet. Ohne die Weichheit, die lebendige Bewegung ihm eingibt. Bewegung, die klingt. Auf eine ganz eigene, sehr persönliche Weise. Ist dieser Klang verweht, schneidet die Stille tief in den Raum. Kälte fließt aus dem abgeworfenen Mantel, aus atmender Haut wird eisiges Wachs. Weiterlesen „Abgelegt.“




