Adventskalender MiniKrimi vom 2. Dezember 2018

Zu schön, um wahr zu sein

Zu schön, um wahr zu sein.

Die Balkone in der Minervastraße 89 sind einer der Gründe, warum die Wohnungen in dieser Neubausiedlung so unverschämt teuer sind. Man hat, vor allem ab dem 6. Stock, eine sensationelle Aussicht auf das Bergpanorama der bayerischen Alpen.

Ira, Filialleiterin eines renommierten Münchner Bankhauses, wohnte im dritten Stock. Aber seit einigen Wochen war auch ihre Aussicht einzigartig aufregend. Im Haus gegenüber waren auf der zweiten Etage neue Mieter eingezogen. Und statt in der Julisonne vor sich hin welkender Geranien war auf dem Balkon ein Bild von einem Mann zu sehen. Wirklich spektakulär. Ira gewöhnte sich an, den Nachbarbalkon aus dem Augenwinkel immer im Blick zu haben. 

Das Pärchen von gegenüber war sich offensichtlich nicht der Tatsache bewusst, dass es, umringt von Hochhäusern, quasi auf dem Präsentierteller saß. Das beobachtet man in der Stadt ja öfter. Ganz ungeniert turtelten die beiden an den heißen Sommerabenden, mal mehr, mal weniger angezogen, dort herum. Ira, die seit zwei Jahren keinen festen Freund mehr hatte. wurde beim Beobachten ganz heiß. 

Um die Details besser sehen zu können, kaufte sie sich ein neues Handy mit verschiedenen Objektiven und gab vor, die Vögel in den Bäumen auf dem Rasen vor den Häusern zu beobachten. Zwei Wochen später geschah es – die beiden Nachbarn begannen zu streiten. Imm häufiger und immer lauter. Der Mann lief dann in seiner Aufregung nackt auf den Balkon und zündete sich eine Zigarette an. Ina stockte der Atem, er hatte einen Körper wie Adonis! Es blieb nicht bei dem einen Streit – und Ira war genießende Zeugin.

Es kam, wie es kommen musste. Eines Abends bemerkte er, dass sie ihn beobachtete, und ging hastig zurück in die Wohnung. Am nächsten Tag traute Ira sich nicht, ihren Posten zu beziehen. Als es an der Tür klingelte und er vor ist stand, nur im Bademantel und darunter – nichts, da konnte Ira nicht einmal mehr denken, dass sich ihre kühnsten Träume erfüllt hätten.

Drei Stunden lang schwebte sie auf Wolke sieben, naja, schweben trifft ihre vielfältigen Positionen nicht im mindesten. Schließlich schlief sie ein, müde vom Sex und vom Champagner. Als sie aufwachte, brauchte sie nicht lange, um festzustellen, dass ihr Schmuck, ihr Bargeld, die Kredit- und die EC-Karten weg waren, samt den PIN-Codes. Sie wollte grade die Polizei anrufen, als ihr Handy vibrierte. Fotos von ihr, in unmöglichen Stellungen, und die lapidare Nachricht: „keine Polizei, sonst landest Du im Netz. Damit findest Du in Deinem Alter garantiert keinen Job mehr. Und schönen Gruß auch von meiner Freundin.“ 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s