Niklas und der siebte Sinn


NiklasAngeloheIch glaube ja nicht an Intuition. Das heißt, ich glaube zwar daran, nehme diesen Glauben aber nicht ernst, in mir, von mir. Deshalb bin ich gestern nach dem windgetriebenen Gang über die Erdbeerwiese ganz bewusst am Spielplatz entlang Richtung Wald gegangen. „Die Mutter auf der Schaukel hat auch kein Problem mit Niklas“, dachte ich und ärgerte mich über meine Furcht. „Mädchen“, schimpfte ich mich. Und lief weiter auf dem geteerten Weg. „Nur das kleine Stück bis zum Feld, und dann am Wiesenrain entlang. Auf der Straße ist die Gefahr, von herabfallenden Ziegeln getroffen zu werden, viel größer“. Dennoch, mein Herz klopfte so laut, dass ich es zu hören meinte. Kurz vor dem alten Steintor, dass verlassen den Anfang der Angerlohe markiert, setze die Böe ein. Fegte von oben in die kahlen Wipfel und schwang sich dann sirrend von Ast zu Ast herab. Die Stämme ächzten, als sei ihre RInde zu eng. Zwei, drei schnelle Schritte, und ich schmiegte mich eng an den schmalen Bogen. Er bot wenig Schutz. Dann kam mein weißer Hund dazu, drückte sich gegen mein Bein und warf mir einen durchdringend kohlschwarzen Blick zu. „Los, lauft!“, rief ich den Hunden zu, dreht mich von dem Steinbogen weg und begann, den Weg zurück zu rennen. Die zwei Hunde stürmten wie Harpien voran. Unmöglich, die Beklemmung zu beschreiben, die mich auf diesen wenigen Metern erfasste. Angst, nackt und kalt. Ein noch nie so erlebtes Gefühl. Und gleichzeitig der Ärger darüber. „Du Weichei“, dachte ich, aber ich musste weiter. Bis zur Wiese. Der Straße. Erst dann blieb der weiße Hund stehen. Drehte sich zu mir um. Und schien zu lächeln.

Heute bin ich über die Erdbeerwiese gegangen, am Spielplatz vorbei und auf dem Asphaltweg in Richtung steinernes Tor. Weit bin ich nicht gekommen. „Niklas“ hat eine riesige Buche gefällt, Stamm und Äste bedecken den Weg und das Tor.

Ich habe ihre letzten Atemzüge gehört, gestern Nachmittag, ich habe ihr Stöhnen gespürt, und für ein paar Sekunden waren wir vielleicht in unserer Angst vor dem Leben verbunden.

Bloggerin schenkt Lesefreude…. auch über den 23. März hinaus!


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OOOOOPS. Da habe ich ein Datum übersehen. Eine Deadline! Nein! Für Euch wird daraus einfach eine Liveline. Denn ich verschenke auch heute noch einen Miniataurus. Oder morgen. Oder so.

Na – wie sieht’s aus mit der Leselust? Ich freu mich auf euch. Ungeheuer…… !

Heute? Heute!


Die Vögel zwitschern. Die Tulpen stoßen grün durch den Mulch. Der Himmel hellblaut. Der Wind schweigt. Was ich heute mache? Ich fühle. Leer und Sehnsucht. Spannung und Freude. Trauer und Lust. Woran ich denke? An Morgen. Und Übermorgen. Bin ich kurzsichtig? Nein! Ich genieße den Tag und begreife die Stunden als das, was sie sind: unwiederbringliches Lebensgeschenk. Ich kann sie genießen und nehmen, solange sie dauern. Oder sie aufschieben, nur, um zu merken, dass sie mir unter dem Hindenken welken und zu vergangenen Zeiten zerfallen.

Ich lebe, also bin ich. Ich plane das Morgen und hoffe noch einen Tag über das Gestern hinaus. Mehr geht nicht. Ergo sum!

Ariadnefaden in Halle


Saal79„Heute werden Sie Zeugen eines Verbrechens, ohne dass Sie befürchten müssen, hinterher unter Eid darüber auszusagen“. Waren die Zuhörer im vollbesetzten Saal 79 im Landgericht Halle erleichtert? Zumindest erheitert. Und so erlebten sie mit Gereon Abendorf den Beginn seiner Trüffelsuche, die schnell zu einer Trüffelsucht wird. Sie lernten Ariane kennen und ihre Gegenspielerin Sophie, die beiden Bracken Agata und Orfilio. Und versetzten sich für 45 Minuten in das herbstliches Fünf-Seen-Land und das Slow-Food-Städtchen San Miniato. Während der Vorfrühling Halle in kühle Dunkelheit hüllte, flockte im Landgericht-Saal der erste Schnee. Drinnen knisterte es zwischen Gereon und der Chemikerin Sophie, und so manchner Zuhörer mag einen Hauch von Trüffeln erahnt haben.

Wie es weiter geht mit dem genialen Meisterkoch? Ob er den Stern im Trüffelhimmel erringt? Wird Ariane ihre Liebe zu ihm neu entdecken? Oder verdreht Sophie Gereon den Kopf? Ziehen die beiden in die Toscana? Oder erlebt der Wilde Hund eine neue Romanze?

Das alles steht im Miniataurus. Und wer nach der Lektüre unbändigen Appetit auf Trüffeln hat, der kann eines der Gerichte im Anhang ganz einfach ausprobieren. Genuss für alle Sinne.

Hier gibt’s das Buch online zu bestellen: als klassisches Printprodukt oder als E-Book.

Miniataurus-Premiere zum Auftakt der Leipziger Buchmesse. Kriminacht „Halle liest mit“! Ihr auch?


Am Donnerstag, 12. März 2015 ab 19.00 Uhr lese ich auf der Kriminacht von “Halle liest mit” im Landgericht Halle, Hansering 13, aus meinem Krimi “Miniataurus”. Hier ein Auszug aus dem Programm:

“Höhepunkt von „Halle liest mit“ ist die „2. Kriminacht im Landgericht“ mit sechs parallelen Krimi-Lesungen, einer Krimi-Show und acht Krimi-Autoren (Do., 12. März, 19 Uhr, Landgericht Halle). Als Warm-up stimmt der hallesche Autor Stephan Ludwig mit seinem vierten und aktuellen Krimi „Zorn – Wie sie töten“ auf die zweite Zorn-Verfilmung in der ARD ein.”

Mehr Informationen gibt es hier: http://www.halle.de/de/Kultur-Tourismus/Freizeit/index.aspx?RecID=1290

Frühe Erkenntnis


Es geschah heute Morgen. Auf der Gabelsberger Straße, auf dem Stück zwischen Alter Pinakothek und der neuen Hochschule für Film und Fernsehen. Plötzlich fühlte ich, dass ich ok bin, so, wie ich bin. Mit meinen Jahren auf dem Buckel und den Falten im Gesicht, den Knicken in der Optik und den Extrawindungen für einen überquellenden Gedankenspeicher. Dass ich ruhig Angst haben darf vor dem Lebenshorizont und all dem, was davor noch auf mich wartet. Dass ich schön bin, dass ich reich bin, dass ich glücklich bin, jetzt und genau in diesem Augenblick. Dass ich kein Kind mehr sein muss, um mir zu gefallen, und auch kein abnehmbares Abziehbild.

Wow – das war ein überwältigendes Gefühl. Schade, dass ich den Rückspiegel nicht herunterklappen konnte, um mich in diesem Moment zu sehen. Mit dem Richtung Nasolabialfalte verlaufenden weil allzu fetthaltigen Lippenstift, den morgendlichen Augensäcken und dem grauen Haaransatz.

Als die nächste Ampel auf rot sprang und ich den Spiegelblick nachholte, war er nämlich schon vorbei, der tolle „Ichbinoksowieichbin“-Moment.

Naja, ich fahre die Strecke bald wieder.

Ein neues Jahr


Januarbaum

Gute Vorsätze zum Jahresanfang? Lassen sich am Jahresende gut planen. Und wie sieht es am Morgen des ersten Januar aus? Früh raus und vor dem Frühstück eine Runde laufen. Wie früh ist früh? Und wann soll es losgehen? Ach, heute lieber doch noch nicht…

Nur noch zu den Mahlzeiten essen, und immer auch Gemüse. Aber noch nicht zum Katerfrühstück, da passen Weißwürste doch besser. Oder Hering. Vor allem aber Bier. Ach, weniger Alkohol, das war gestern doch auch noch ein guter Vorsatz. Allerdings ist der Teufel mit Belzebub am besten zu bekämpfen. Also her mit dem Stoff. Aber nur noch heute!

So oder ähnlich geht es dann dahin, mit den guten Vorsätzen. Und das schon am ersten der nächsten 365 neuen Tage.

Ich habe mir für 2015 eigentlich nur zweierlei vorgenommen. Erstens, bei allem, was ansteht, zu überlegen, ob es besser gleich zu machen ist, und dies dann auch zu tun. Und das im Kleinen. Das ist einfach, und es ist mir heute bereits geglückt, was soviel bedeutet wie:  es klappt auch in den 364 kommenden Tagen.

Und das zweite: ich will versuchen, an jedem Tag jede Minute zu schätzen. Wertzuschätzen. Ohne sie durch den Schatten der Ungewissheit zu trüben, den das Morgen nun einmal wirft.

Obe mir dies gelingt? Für mich gilt: der Weg ist das Ziel.

Machen wir uns auf. Und gehen 2015 entgegen. Unserem. Ganz persönlichen. Sehen wir nicht den 31.Dezember als das Erfolgsmaß aller Dinge, sondern den Abend jedes neuen Tages. Also, auf geht’s. Starten wir…. Der 2. Januar ist unsere nächste Etappe. Wir sehen uns.

So strahlend sonnig, wie das neue Jahr begann, möge es für uns und euch und alle werden.