Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Aber vom Thron. Statt in Himmelblau sollten die Azzurri sich lieber in Sack und Asche kleiden, vor ihrem immanenten Heimflug. Um die Absturzgefahr zu minimieren.
Mein Kampf
Das Gedächtnis meiner Mutter ist wie ein Aprilhimmel. Oder ein Junihimmel. In diesem Jahr. Sie lehnt in der Tür, so klein und faltig in Gesicht und Hosen. Der Rückzug ist nicht nur innerlich. Auch dem draußen entzieht sie sich immer mehr, in einem globalen Schrumpfungsprozess. Vergessen das Drama vor einer Stunde. Worum ging es noch? Medikamente? Das Auto? Der Hund? Sie schaut mich an. Sagt: „Weißt du, wenn ich in deiner Situation wäre und meine Mutter hätte diese Krankheit (sie vermeidet den Namen, umgeht und umschreibt ihn, schützt Vergessen vor, wobei dies vielleicht ihr letztes erinnertes Wort sein wird, so, wie ich sie kenne), dann würde ich Mitleid mit ihr haben. Ich würde sie bewundern dafür, wie stark sie ist, wie sie um ihre Unabhängigkeit kämpft! Aber du….“ Weiterlesen „Mein Kampf“
Das Medikamententablett
Sonntagmittag. Regenhimmel. Draußen wischen in Minutenabständen Autoreifen Wasser von der Fahrbahn, platschend. Vor dem Fenster tropfen die Geranien. Meine Mutter steht im Zimmer. In beiden Händen hält sie leere Medikamententabletts, wie die, die man im Krankenhaus bekommt. „Mittwoch, Donnerstag“, ruft sie mich. „Wo ist heute? Muss ich heute keine Medikamente nehmen?“ „Doch, heute morgen habe ich dir schon 4 gegeben. Die nächsten Tabletten gibt es gleich zum Mittagessen.“ „Wo sind meine Medikamente? Ich will meine eigenen Medikamente nehmen, ich muss regelmäßig meine Medikamente nehmen!“ „Ja. Aber während du in der Tagesklinik bist, übernehmen die da die Medikamentengabe. Und weil du letzte Woche damit durcheinandergekommen bist und daheim nochmal deine eigenen Tabletten genommen hast, musste ich die alle wegpacken.“ Weiterlesen „Das Medikamententablett“
Parkgänger
Sie ziehen ihre Spuren durch den Park. Schneckenläufe zwischen flüsternden Geschichten, Einsamheiten in den Fängen blattverliebter Lispelwinde. Weisheitsweiß von Blickwipfel zur Hosenspitze schlendern sie zwei Finger breit
über den Schattenwegen. Dunkle Ausweichaugen werfen ihre Ruten hinter deinem Rücken. Manche schleppen einen Hund im Tau, auch er nur eine blass getuschte Täuschung alternder Lebendigkeit. Andere kleben harzbeträumt auf braunen Bänken ohne Sonnenmut. Schießen stumm und nachgespäht Vermutungen auf deinen Gang. Gartenzwerge Restbestände eines ausgespielten Liebesmemory.
Sommersonnenmorgen
LebensLinien
Fata non Morgana
Chemo
Krankheit ist Lösung. Lösung ist heiter.
Von der Autobahn geht es mitten hinein in die Filmkuliss
enlandschaft einer heilen Welt. Grüne Bergrücken, vor denen sich adrette Alpenhäuser an weiß blühende Apfelbäume schmiegen. Satte Weiden, buntes Fleckvieh, Raps so weit das Auge reicht. Am Talrand ragen weißbekränzte Gipfel in den Schlagrahmhimmel. Am Friedhof entlang und dann hinter dem Heuschober rechts über die Brücke. Das Haus des Bergdoktors entspricht allerdings schon auf den ersten Blick nicht der Filmvorstellungs-Vorlage. Ein Jahrhunderte alter Guts- und Gasthof, der Generationen von Reisenden und Wanderern als Rast- und Ruhepunkt gedient haben mag, Tulpen wiegen sich im Rasenwind, auf dem Pflaster des Parkplatzes stehen große Wagen.
Biedermeier-Eleganz in Weiß und Blau empfängt den Gast. Flausch schluckt die Schritte, und der Duft nach frisch gewaschener Wäsche weht durchs Treppenhaus. Ein Rollstuhl lehnt an der Aufzugwand. Der Unterschied zu einem Romantikhotel liegt in der Abwesenheit gedämpfter Lounge-Musik. Und in der stillen Heiterkeit, die unaufgesetzt den Raum durchschwingt. Weiterlesen „Krankheit ist Lösung. Lösung ist heiter.“
Professionelle Barmherzigkeit?
Hungrige speisen, Durstige tränken, Kranke pflegen. Drei von sieben Werken der Barmherzigkeit, die das Christentum als Beispiele für Hilfeleistungen kennt und nennt. Hilfeleistungen, die zum sozialen Funktionieren einer mit-menschlichen Gesellschaft nötig sind. Hilfeleistungen, die Christen aus ihrer religiösen, aus ihrer an Christus angebundenen Glaubensgewissheit heraus leisten. Sollten….! Weiterlesen „Professionelle Barmherzigkeit?“




