Vom Recht an den Worten. Schreiben zwischen Acta und Piraterie


Ups -da war doch was? Einigen schien es vielleicht so, als hätten die Autorinnen und Autoren da etwas verschlafen, was sie in ihrer Existenz berührt. Und der Schauplatz den Medien überlassen. Der Straße. Dem Flashmob. Aber nur beinahe. Schriftsteller sind ja nicht qua Begabung die besseren Menschen. Deshalb geht es auch in ihren Reihen hoch her, wenn die Urheberrechts-Debatte entflammt. Ähnlich wie im Fußball gibt es ja auch in der Literatur verschiedene Ligen. Wobei die vielleicht nicht allein von Kunst und Können abhängen, sondern auch von der Gunst. Nämlich des Augenblicks sprich des Publikums sprich der Nachfrage. Aber die mit weniger Geld neiden denen, die ihr Auskommen schon haben, vielleicht den einen oder anderen Cent. Und die wohl Habenden wollen nichts abgeben von dem wohligen Stand. Auch verständlich, vom Verstand her betrachtet. Noch mehr, wenn wir das Herz fragen. Nur leider. Leider. Achsoleider. Wird Acta weder mit dem Herz noch mit dem Einzelverstand entschieden. Und noch nicht einmal hier, sondern ganz weit draußen, um ein Bild der Ferne zu bemühen, das sich sowohl auf geistige wie geographische Gefilde beziehen kann.

Die Autorinnenvereinigung hat heute das Schweigen der Literaten für sich gebrochen und eine Pressemeldung veröffentlicht, die ausgewogen und sachlich zu sein scheint – so jedenfalls wurde sie im Netz – der Quelle allen Urheber-Übels, der Höhle des kopistischen Löwen, sozusagen – bewertet. Hier ein Zitat daraus: „Weder ist eine notwendige Anpassung der Urheberrechte eine persönliche Beleidigung der Kreativen, noch ist Acta die Ausgeburt einer Verschwörung gegen das namenlose Heer der Internetnutzer. Jay Walther, Vorstandsvorsitzende der Autorinnenvereinigung e.V. , betont ihr grundsätzliches Ja zum Urheberrecht und gleichzeitig „ die Notwendigkeit, neue Wege zu suchen und zu finden, damit die Nutzung des geistigen Eigentums den Autorinnen und Autoren zu Gute kommt.“  Und hier der Link zur Facebook-Seite der Autorinnenvereinigung e.V.

Von röhrenden Hirschen und dröhnenden Bässen


Man müsste eine Erzählung gedreht haben. Gestern Abend im Goldenen Hirschen. Namensgeber das schmalbrüstige Mittelornament eines vielleicht hundertjährigen Schrankes, eingeklemmt zwischen Herren- und Damentoilettentüren im „Veranstaltungssaal“. In der Gaststube nebenan gibt es Balkanmenus und Maggiflaschen auf den Tischen! „Hier haben die Achtundsechzger im Viertel ihre Konzerte gehabt, damals, weißt schon. Alles was angesagt war, von den Stones zu den Beatles, von Cream bis The Doors.“ Also bin ich gekommen. Und steh vor der Tür. Damals, das muss dann gewesen sein, als es noch nicht verboten war, sich erkennungsdienstlich unkenntlich zu machen zwischen und hinter raumgeschlossenem Rauchgenuss. Damals, als die Polizei noch nicht trocken war hinter den Ohren und Gras nicht von Tabak unterscheiden konnte, geruchstechnisch, mangels eigener Selbsterfahrung. Heute Abend greift einer ganz cool im Schankraum nach der Kippe, und kurze Zeit später stehen die Spione vom KVR vor der Wirtin, und eine Anzeige gibt’s.

Ich schaue durch die Scheiben in vergangene Jahrzehnte. Blondinen mit frech gegelten Haaren und hautengen Lederleggins. Brunette und Overknees sehr kleine Schwarze und klimpernde Ohrgehänge. Und Jeans, natürlich, knallig und weit, Cowboystiefel, an denen imaginäre Sporen klirren, Männer mit breiter Krempe und wallenden Locken. Vorn auf der Bühne rocken sie ab mit verzückten Gesichtern. Wie vor dreißig, vierzig  Jahren. Ach was, ihre Musik, Trommelschlag und Synthesizer-Gitarre, hat die Zeit angehalten. Ich sehe es in ihren Augen. Sie sind jung. Sie sind heute im damals. Was sehen sie, wenn sie ins Publikum blicken? Blondinen mit aufgestylten Haaren, Brunette mit knalligen Jeans. Winkend und wiegend und klatschend und kreischend.

Sie sind ganz bestimmt kurzsichtig, die Herren dort vorn auf der Bühne. Und hypertonisch, da bin ich mir sicher. So gut genährt. Da muss die Muse Gelegenheitsauftritte küssen, und im Alltag schwingen sie Griffel und Lehrbuch. Aber immerhin. Schön aufgespielt. Und das Publikum liebt sie. Das sehen sie. Hören sie. Wie damals, wie vor dreißig, vierzig Jahren. Und die Begeisterung wischt alle Falten aus den Gesichtern der Alten. Der Fans. Jetzt stehe ich vor der Blondine, sie wedelt mit fleckigen Armen. Die Brunette trägt Botox statt Brille.

Ich suche ganz schnell einen Spiegel. Jugendliche Greise, alt und nicht weise, ewig gestrig und heute verrenkt im Spagat zwischen innen und außen.

Das wird eine Gaudi, in zehn, zwanzig Jahren. Darauf sind die Altenheime gar nicht ausgerichtet. Da muss ganz anders geplant werden, zukünftig. Von wegen Cafeteria! Music-Halls mit Groupie- Bereich und dezent drapierter Reanimations-Liege. Toiletten mit Lupenschmink-Spiegeln. Und die Oberschenkelhälse werden nicht länger beim Schieben des Einkaufstrolleys gebrochen, sondern beim Boogie.

Ich verhänge ganz schnell meinen Spiegel. Und verschiebe die Frage an mich noch ein Weilchen. …“wer ist die…… im ganzen Land?“

Vatersprachen


Lange, sehr zu lange habe ich gedachtglaubt, dass ich Vergangenheitserlebnisse verschlossen habe in der Dunkelstkammer meines Denkens, um mich vor   mir selbst zu schützen.

Lange, sehr zu viel habe ich gehofftfürchtet, dass ich nur den Schlüssel finden müsse zu diesen dunklen Denkverliesen, und schon würden mich die Angstplagen verlassen, meiner alberstickten Träume.

Nun wickele ich meine Kindheit auf wie ein schon halb verfilztes Knäuel altverblichner Wolle. Strang um Strang entwirre ich vor langer Zeit Verfühltes. Sitze sonntagmorgens brötchennagend da und Töne bringen mich zum Klingen. Wecken Erinnerungen auf wie Minotauren. Und ich spüre: Schmerz und Verbundenheit zu einem Menschen, den ich lang soviel zu lange mir gedacht und in dem Denken mir zurecht geformt, in harten, bösen Sätzen. Statt ihn in mir zu suchen, dem verwandten Sehen, Träumen, Drahtseiltanzen auf dem furchtbegossenen, sehnsuchtshassdurchflossenen Leben.

Ist es nie zu spät. Ich bin ein Vaterkind.

Auf der Mauer, auf der Lauer liegt der neue Prä….si….


Er ist verwirrt. Und ungekämmt. Er bittet um Verzeihung dafür, dass er keine Grundsatzrede halten wird, soeben aus Flieger und Taxi gestiegen. Und tut dann doch genau das. Programmatische Worte. Vertrauen. Einigung. Der Parteien, überoppositionell, diesmal. Er spricht von Zuneigung. Und meint die der Kanzlerin. Oder doch der DDR-Mitbewohnerin? Ich gebe zu, ich hätte zu den 57% gehört, hätte die BILD mich befragt. Ich hätte ihn gewollt. Und nun sitzt er da, self fulfilled aber wirklich profecy? Ein Prophet ist er nicht, oder doch? Dann aber kein Jesaja. Eher ein Jeremia. Aber spricht er im Auftrag des Volkes? Heiner Geißler, die ewig ideale Mephisto-Besetzung jeder Talkshow, bringt es auf den Punkt. Es ist ein gutes Ende, sicherlich. Aber ob alles gut ist, wird sich weisen. Wir haben jedenfalls praktischerweise wieder eine Gelegenheit verstreichen lassen, eine gute Frau ins Schloss Bellevue zu holen. Von der Leyen zum Beispiel hätte eine deutliche Wulff-Parallele aufzuweisen gehabt: den Merkelschen Abschiebebonus. Doch ganz abgesehen vom Parteibuch – soviel Frauenüberhang hätten weder Gabriel noch Fipsi toleriert.

Nun also Joachim Gauck. Was dürfen wir von ihm erwarten? Montagsbußritte quer durchs geeinte Vaterland, vielleicht? Ein Thesenpapier zur Freiheit im Netz, angeschlagen an das Portal der ACTA-Sünder? Dies dürfte aktuell in Deutschland der einzige Raum sein, in dem es noch Freiheitskämpfe auszufechten gibt. Außer in den Küchen der Republik-Restaurants. Aber diese modernen Sklaven fallen qua Pass nicht in die Zuständigkeit eines Bundespräsidenten. Er wird jedenfalls kaum mit Frau und Kleinkind auf Freundeskosten Sylt genießen. Allein altersmäßig steht er darüber. Und wenn er sich stattdessen in Rom zu einem gemeinsamen Abendmahl überreden lässt, von seinem Landsmann Benedikt? Gegenüber den daraus entstehenden weltpolitischen Konsequenzen ist so ein Sylt-Urlaub ein Tornado im Wasserglas. Ganz ehrlich – mit Margot Käßmann wäre das nicht passiert.

Aus tiefem Herzen finde ich sehr spannend, was da grade passiert. Allein vier der Gerüchtenominierten sind evangelische Theologen…….

Weder Benjamin Idriz noch der Dalai Lama wurden gefragt, offensichtlich. Und auch Hape Kerkeling durfte seine Alter Egos im Schrank lassen. Nein. Deutschland braucht Vertrauen. Gefühl und  – wie war das, Herr Gauck? – Zuneigung.

Hm. Bleibt abzuwarten, wie sich christliche Lehre und diplomatisches Parkett verbinden. Wange hinhalten ist da weniger gefragt. Immerhin: einmal Pfarrer, immer Pfarrer. Und als solcher dürfte Gauck jedenfalls nie um eine Rede – oder ihre Wendung – verlegen sein.  Vielleicht wird er ja unser Präsident der Herzen. Diesen Titel hat die junge Republik noch zu vergeben.

Und Bettina Wulff braucht auf die Nähe von Glamour und Dummheit nicht zu verzichten. Bei der prominenten Journalistin stehen Veronica & Co. sicher Schlange,  damit sie ihre Biografien schreibt…… Und ihr Mann gibt sichere Tipps zur optimalen Vermarktung der Selbstbeweihräucherungs-Oeuvres. Wenn das alles nicht genug Geld einbringt für den nächsten Fern-Urlaub, hier noch ein ganz heißer Vorschlag: die neue Staffel von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“, freut sich ganz sicher über gefallene C-Promis aus der Polit-Szene.  Vielleicht gibt Gauck dazu ja seine Absolution….

Himmelsbrut spuckt Wolkenblut


Unter der weißen Fracht verblasst die Welt zum Negativ.

Wolkenblut reißt tausend schwarze Wunden, sickert strömt fließt aus wird fest und überzieht die Abendhaut mit Glitzergrind.

Weiß erstickt den Straßenatem. Wächst auf Bäumen Dächern Zäunen in den Himmel, reicht sich selbst die Hand am Horizont. Drei Affen ist der Wintertag. Blind taub und stumm vor Schnee.

Silvesterlied


Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar…

Katharina schiebt ihren Rollator durch die Korridore. Die Pfleger sind alle weg, nur Johanna sitzt im Schwesternzimmer und schaut mürrisch drein. Draußen stöbert es weiß durch die Nacht. Da – ein Schuss! Und noch einer! „Alarm, alle in den Bunker“ schreit Herr Böhm. „Sind das die Russen oder die Amerikaner?“ fragt Frau Huber ängstlich. „Ab ins Bett, Herr Böhm! Es ist kein Krieg, Frau Huber. Das sind nur Knaller. Heute ist doch Silvester!“ Johanna hat alle Hände voll zu tun, um die Bewohner zu beruhigen. “Silvester?“ Katharina versucht, dem Wort einen Sinn zu geben. In der Kapelle  liegt ein aufgeschlagenes Gesangbuch. „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“ Katharina lächelt wage.

 Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last

„Jonas, so viele Raketen! Du schießt ein Vermögen in die Luft! Das können wir uns gar nicht leisten!“ „Mensch Isabell, du musst immer alles kaputt machen! Soll ich mich um Mitternacht hinstellen und den Kindern sagen: Lisa, Max, das letzte Jahr war echt bescheiden, Opa liegt im Krankenhaus, Papas Job steht auf der Kippe und Mama will sich scheiden lassen. Ja – hättest du das gerne?“ „Ach, Jonas. Nein! Aber  – die letzte Zeit war nicht einfach. Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Ich wünschte, wir hätten den Mut, zusammen weiter zu machen, im Neuen Jahr!“

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand…

Endstation mit und ohne Sehsucht. Uli steht im Gang. Hinter jeder Tür ein Sterbender, eine Kranke. Letzte Stunden und Minuten. Und dann? Menschen weinen, Kinder, Eltern, Partner. Uli möchte ihnen mehr schenken als Diagnosen und ärztlichen Rat. Hoffnung.

Lass warm und still die Kerze heute flammen, die Du in unsre Dunkelheit gebracht…

Eva sitzt in der Kirchenbank, in Worten versunken. Ich bin nicht allein. Das Licht leuchtet auch für mich, ich nehme es auf und es leuchtet in mir. Macht den Weg ins Morgen hell und schiebt Zweifel und Sorgen ins Dunkel.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Primus inter pares beim Goldbroiler Kriminalwettbewerb 2011!


Der GoldbroilerKriminalwettbewerb: Wir haben fünf Geschichten, die alle gleich gut und spannend sind, die alle den ersten Preis verdienten: Eine der Geschichten weicht in Poesie, Verrücktheit, Form und Erzählweise gekonnt ab. Der Tod eines Traumes von Marie Bastide. Sie bekommt nun den Ersten der ersten Preise.

HERZLICHEN DANK der Broilerbar für diese Ehrung! Danke Jay, danke alle. Hier für Nicht-Facebook-Nutzer mein Kurzkrimi, Gewinner des Goldbroiler-Kriminalwettbewerbs 2011:

Kein Kinderlied. Der Tod eines Traums.

1.
„Dicke rote Kerzen, Tannenzapfenduft..“ „Marie, leise, Papa schläft. War so viel los in der Schule!“. Sie legte sich aufs Bett, stöpselte das Lied ins Ohr. Die Wohnung duftete nach Zimt und Plätzchen. Marie liebte den Advent, die gemütliche Heimlichzeit.

Sieht aus wie eine dicke rote Kerze. Passt perfekt in den Adventskranz.  Keiner bemerkt, wer sich vor dem Blumenladen eine Zigarette anzündet und den Docht dazu.  Jetzt schnell weg und weiter, ein sichtlich unsichtbarer Schatten in der Menge wogender Mäntel. Der Kirchturm wird zum Logenplatz, die Straße zur Arena. Ein Knall, klirrendes Glas von zerberstenden Scheiben. Schreie. Schreie und Blut.

2.
„…Man begegnet hin und wieder schon dem Nikolaus“ Er hatte immer was Süßes im Sack. Anziehend und unheimlich zugleich. Ein geheimnisvoller Fremder. Bis er ihr zu nahe kam.

Bunt und laut und weihnachtsdurstig wimmelt die Samstagsmenge in der jubelbeschallten Einkaufsmeile. Alle freuen sich und viele nehmen gern den Glühwein, den ihnen der dick vermummte Nikolaus freundlich lächelnd anbietet. Sie kommen nicht weit. Rattengift wirkt schnell.

3.
„Lieb verpackte Päckchen, überall versteckt“. Am letzten Schultag wurde gewichtelt. Marie hatte Jo ein Schokoherz gekauft. Und er? Als sie ihr Päckchen auspackte, grölte die ganze Klasse. Ein kaputter Vibrator für „Lehrers Liebling“!

Letzter Schultag! Alle strömen in die Aula. Neunhundert Schüler bestaunen die Riesentanne mit den Paketen für arme Kinder darunter. Halleluja singt der Chor der Ehemaligen. Ritual und Tradition. Diesmal mit Feuerwerk: Ein Handy klingelt, und schon wirbeln Sänger, Äste, Kerzen durch die Luft. Wie vorgezogenes Silvester.

4.
„Alte Lieder, Dunkelheit, Bald ist es so weit!“ Es war so einfach. Internet sei Dank. Erst der Flirt, dann die Kalaschnikow. Ein volles Magazin. Drei Treppen und ein Flur. Die Waffe entsichern. „Schöne Bescherung, Papa,  Schluss mit Weihnachtsmann“.  „Ich wusste, dass du das warst. Verzeih mir. Alles.“ Dann schießen alle gleichzeitig. Marie und das SEK.

Zeit finden………….


Nur noch drei Tage bis Weihnachten! Und noch fünf, sprich alle Geschenke zu kaufen! Mum, Pa, Sister, Oma, Freundin. Noch zwei Tage, um die Kohle dafür aufzutreiben! „Ich freu mich viel mehr über was Selbstgemachtes. Einen Kalender, zum Beispiel.“ O-Ton Mum. „Schenk mir keine Krawatte, die trag ich eh nicht. Schenk mir lieber, dass du mit mir Skifahren gehst, einen Tag lang.“ Sagt der Vater. „Ach, Kind, komm mich doch mal besuchen“, schrieb ihm Oma. Wünsche, die leider unerfüllbar sind. Denn Zeit ist genau das, was ihm fehlt, weiß Vic. Und er hat keine Ahnung, wo er die finden könnte. Weiterlesen „Zeit finden………….“

Alles auf weiß


Draußen tropft es weiß auf die Welt – und schmilzt zu braungrauen Pfützen auf Straßen und Wegen. Immerhin, für kurze Zeit wird so ein wenig Dreck verdeckt. Nicht nur der Hundekot im Park…..

Weiße Weihnacht. Komisch, wie die Menschen  – hier, zumindest – ihre emotionalen und auch intellektuellen Ansprüche zurückschrauben können, in der Adventszeit. Und ihre Erwartungen dessen, der und was da kommt. Schnee. Geschenke. Schnee und Geschenke. Und sonst nichts. Frieden? Nö. Klappt ja nicht mal interfamiliär. Sonderbar auch, dass sie  offenbar mit sensorischen Scheuklappen ausgestattet sind, die nur partielle Reize durchlassen. Kaufsensoren haben das Regiment übernommen, und das Hirn registriert vor allem Schnäppchen, Kerzen, Zimt- und Vanilledüfte und glänzende Kugeln in allen Variationen. Ich mache da keine Ausnahme. Meine Augen reagieren sogar ganz extrem, gepaart mit meinen Schleimhäuten. Nicht einmal nächtliches Isoptomax aus der Notapotheke vermochte meine Allergie zu dämpfen!

Alles auf weiß heißt nicht alles auf weis(e). Europa droht zu zerbrechen? In einer Zeit, in der längst nur noch drei Machtkontinente prognostiziert waren – hello Mr. Huxley – driften wir in den Nationalismus zurück? Russland wehrt sich schwarz gegen Revolutionen in orange, Jasmin und digital. Putin beschwört James-Bond-Fantasien herauf, Clinton hängt die Haare aus dem Fenster –  doch kommt da ein Rapunzelprinz?

Und England kapituliert vor der eisernen Festlandlady. „Politiker scheinen mehr auszuhalten als Normalos“, kommentierte gestern eine erstaunte und wohl übermüdete Journalistin die nie endende Energie der deutschen Bundeskanzlerin. Macht ist halt eine Droge.

Aber es geht doch um „uns“. „Wir“ sind das Volk. Die Völker. Sie haben es uns vorgemacht, in Tunesien, Ägypten, Lybien (ok ok, fb ist fast wie FBI nur kleingeschrieben, und naklar will der Westen seine Ölquellen erhalten). Aber wir – vergessen die paar Zelter an der Wallstreet und auf Europas Plätzen und wenden uns lieber Wichtigerem zu. Dem Christbaum am Marienplatz, der Flugentenvorbestellung, der besten Strategie zur Herstellung von Weihnachtsplätzchen und der Konservierung von Winterweiß. Weil jeder weiß: Weihnachten wird unterm Baum entschieden. Ja, passen wir nur auf, dass es nicht der nächste Schlagbaum wird!