Gassigassen


Von wolkenbetupft bis drohendgebauscht spannt sich das Abendzelt über die Gassigangwelt.

Aus bunten Augen schauen hinter müden Gläsern Leben auf die Straßen. So viele. So verschieden. Und so gleich in ihrer unendlichen Endlichkeit.

Zwei Männerarme unter einem Kinderpo vor der Kulisse blauroter Frotteetücher. Badewonnen oder früher Brauch?

Laue Stimmen tanzen um die runden Lichtdioden,  Gläser glocken Wein fließt über helles Außenholz.

An einer Hauswand lungern halbwüchsige Geranien grau dem Wegerich entgegen. Daneben strahlen Rosenköpfe im Zinnober einer zirkelgraden Hecke.

Jaguarcabrios dösen vor Natursteinmauern, morsche Zäune halten Löwenzahn und Buchs. Im Flackerschein des Freitagskrimis sehn sich alte Augen einer langen Nacht entgegen.

Und hinter irgend einem Vorhang knotet sicher schon der Tod am letzten Abendrot.

Dem Hunde ist dies einerlei. Er hebt sein Bein nach rechts wie links, bepinkelt frisch gestrichne und zerfallne Mauern. Und ist ein rechter Zukunftszufallsbote.

Die Story vom toten Hund


Es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, dass sie nur wahr sein können. Kein Autor würde sie sich jemals ausdenken, weil er schon beim Schreiben die Stimmen der Kritiker im Ohr hätte: „Also das ist wirklich zu weit hergeholt. Ein Körnchen Wahrheit muss schon noch drin sein!“ Ebenso wenig wie ein Maler eine himbeerrote Sonne in einem orangegelben, azurgesäumten Meer untergehen lassen würde, selbst wenn er dieses Schauspiel mit eigenen Augen gesehen hätte. „Da können wir doch gleich eine Postkarte kaufen“, würden potentielle Käufer sagen. „Die ist dann wenigstens echt.“

Ich werde diese Geschichte hier dennoch aufschreiben. Sie ist in ihrer tragischen Komik so absurd, dass sie mich in die Nähe der skurrilsten surrealistischen Autoren stellen wird – vorausgesetzt, alles läuft wie üblich und keiner nimmt mir den Wahrheitsgehalt ab. Weiterlesen „Die Story vom toten Hund“

Frühlingskater


Jazziges Nachtklavier, schlagzeuggestreichelt. Nostalgiemelodien. Sommererinnerungssanft. Glasige Splitter zersprungen verklungener Jahre, sopranscharfe Nadeln im Herzen, im Kopf.