Adventskalenderkrimi 2.0. 10 Dezember: Milchmädchenrechnungen.


Ich tue so, als sei nichts gewesen. „Eigentlich können wir die paar Meter auch laufen“, sage ich, während ich den Sicherheitsgurt einrasten lasse. Ich liebe dieses satte Geräusch, wenn der Motor kommt. Und erst das Gefühl unter der Fußsohle, wenn der Wagen abgeht. Hab ich viel zu lange vermisst! Seit ich meinen  987er Cayman S verkaufen musste. Am Ende meines anderen Lebens. Ich schmiege mich tief ins Leder und genieße die Fahrt. Viel zu kurz. „Wenn du Glühwein trinken willst, kann ich dich ja zurückfahren.“ „Auf einen Kaffee? Oder magst du lieber meine Briefmarkensammlung sehen?“ „Jetzt essen wir erst mal“. Das Lokal ist fast leer. Es riecht nach gegrilltem Fleisch und gebratenen Zwiebeln. Lecker! Viel leckerer als die vier trockenen Semmeln von Tengelmann, die ich normalerweise als Abendessen geplant hatte. Jetzt muss ich nur noch entscheiden, ob das heute mein Glückstag ist oder der Beginn einer ganzen Reihe von glücklichen Tagen. Frohe Weinachten und schöne Bescherung. Ich muss lachen, als ich die gegrillten Calamari bestelle, mit einer Flasche Chablis, gut gekühlt. „Du bist gut drauf“. Franck schaut mich über die Kerzen hinweg an. Der Kellner steht neben uns, Block in der Hand, Stift gezückt. Er zögert. „Ich bin heute zum Essen eingeladen“, erkläre ich, und er entspannt sichtlich. Franck bestellt vorab noch einen großen Vorspeisenteller und dann ein Gyros – „ich mag das so gerne“. Während des Essens erzählt er mir alles über seinen schicken Flitzer. Ich höre gerne zu. Dann kann ich in Ruhe essen. Nach dem letzten Bissen Mangomousse bin ich satt. Und sehe in Francks Augen, dass er definitiv einen ganz besonderen Nachtisch erwartet. Er zahlt die Rechnung mit Kreditkarte und legt ein üppiges Trinkgeld hin. Das wollte ich natürlich übernehmen, aber ich hatte mein Geld in der anderen Handtasche. Wie immer, halt. Wir haben den Chablis gekillt, und jetzt ist mir wohlig warm und abenteuerlich zumute. „Willste echt fahrn?“ „Klar doch. Ist es weit bis zu dir?“ „Nee. Magst nen Kaffee?“ „Ohhh ja gerne!“ Ich starte. Hui, wie toll! „Wohin?“ „Verdammt, ich hab ja gar nix daheim. Bin gestern erst ausm Ausland gekommen. Machts dir was aus, wenn wir zu dir fahren?“ „Ne gar nicht.“ Dann kann ich nochmal ins Bad. Oder ihm die Tür vor der Nase zuknallen. Mal sehen. Aber ich wüsste schon gerne, wie er so ist…….“STOPP!“ „Scheiße!“ Fast wäre ich dem Auto draufgeknallt, das plötzlich vor mir gebremst hat. So schwarz, der hat ja nicht mal Licht an. „Soll ich aussteigen und ihm die Meinung sagen?“ „Nein!“ Francks Stimme ist hart. Dann ganz weich: Du hast was Besseres zu tun.“ Und dann küsst er mich.

Alles auf weiß


Draußen tropft es weiß auf die Welt – und schmilzt zu braungrauen Pfützen auf Straßen und Wegen. Immerhin, für kurze Zeit wird so ein wenig Dreck verdeckt. Nicht nur der Hundekot im Park…..

Weiße Weihnacht. Komisch, wie die Menschen  – hier, zumindest – ihre emotionalen und auch intellektuellen Ansprüche zurückschrauben können, in der Adventszeit. Und ihre Erwartungen dessen, der und was da kommt. Schnee. Geschenke. Schnee und Geschenke. Und sonst nichts. Frieden? Nö. Klappt ja nicht mal interfamiliär. Sonderbar auch, dass sie  offenbar mit sensorischen Scheuklappen ausgestattet sind, die nur partielle Reize durchlassen. Kaufsensoren haben das Regiment übernommen, und das Hirn registriert vor allem Schnäppchen, Kerzen, Zimt- und Vanilledüfte und glänzende Kugeln in allen Variationen. Ich mache da keine Ausnahme. Meine Augen reagieren sogar ganz extrem, gepaart mit meinen Schleimhäuten. Nicht einmal nächtliches Isoptomax aus der Notapotheke vermochte meine Allergie zu dämpfen!

Alles auf weiß heißt nicht alles auf weis(e). Europa droht zu zerbrechen? In einer Zeit, in der längst nur noch drei Machtkontinente prognostiziert waren – hello Mr. Huxley – driften wir in den Nationalismus zurück? Russland wehrt sich schwarz gegen Revolutionen in orange, Jasmin und digital. Putin beschwört James-Bond-Fantasien herauf, Clinton hängt die Haare aus dem Fenster –  doch kommt da ein Rapunzelprinz?

Und England kapituliert vor der eisernen Festlandlady. „Politiker scheinen mehr auszuhalten als Normalos“, kommentierte gestern eine erstaunte und wohl übermüdete Journalistin die nie endende Energie der deutschen Bundeskanzlerin. Macht ist halt eine Droge.

Aber es geht doch um „uns“. „Wir“ sind das Volk. Die Völker. Sie haben es uns vorgemacht, in Tunesien, Ägypten, Lybien (ok ok, fb ist fast wie FBI nur kleingeschrieben, und naklar will der Westen seine Ölquellen erhalten). Aber wir – vergessen die paar Zelter an der Wallstreet und auf Europas Plätzen und wenden uns lieber Wichtigerem zu. Dem Christbaum am Marienplatz, der Flugentenvorbestellung, der besten Strategie zur Herstellung von Weihnachtsplätzchen und der Konservierung von Winterweiß. Weil jeder weiß: Weihnachten wird unterm Baum entschieden. Ja, passen wir nur auf, dass es nicht der nächste Schlagbaum wird!

Adventskalenderkrimi 2.0. 9. Dezember: Abgefahren.


Ich zögere. Stehe auf. Drücke mir das Sofakissen vor den Bauch. Wie eine schusssichere Weste. Einen Panzer. „Giiisaaa, hey, was los?“ Ich schleiche zum Balkon. Schalte mit einem schnellen Entschluss meine Gedanken ab. Und reagiere aus dem Bauch heraus. Ich öffne die Balkontür, trete zwei Schritte in das schneematschnasse Dunkel. „Ich komme gleich, war nur noch mal kacken“. Ok ich habe die Zeitungswerbung gesehen, damals im Kino. Vielleicht schocke ich ihn damit? Und vor allem keine Verwunderung zeigen! Ich warte auch nicht auf seine Antwort. Schließe die Tür mit, lasse den Hebel fest einrasten. Schlüpfe in Mantel, Mütze, Schal und renne die Treppen runter. Das Flurlicht ist schon wieder kaputt! Meine Finger sind gefühlte zwei Zentimeter von der Haustür entfernt, da geht sie auf. Frau Niederreuther mit Hund, beide grau und betröpfelt. „Nabend“, nuschele ich. „Sie sollten den netten jungen Mann nicht so lange warten lassen. Sonst schnappen wir ihn Ihnen noch weg, gell, Cindy“, sagt die Niederreuther und kichert ihren Hund an. Achsoooo, mein Herz plumpst vom Hals in den Brustkorb zurück. Ich sollte wirklich weniger Krimis anschauen und endlich mal wieder war Gebildetes lesen. Poe vielleicht, oder Schiller. Oder Glauser. „Sorry, dass du so lange warten musstest. Und DANKE, dass du gewartet hast“, hauche ich vielleicht einen Tick zu sanft. „Ist schon ok, das macht dich sehr weiblich“, grinst er. „Aber jetzt hab ich mir nen Glühwein verdient, oder?“ „Mindestens“, antworte ich und hake mich mutig bei ihm. „Wenn du willst, können wir auch mit meinem Auto fahren“, sagt Franck. Mit einer betont beiläufigen Handbewegung zielt er auf die Reihe parkender Autos an der Pappelallee. Ein Blinken antwortet. „Wow, DAS ist DEIN Auto?“ entfährt es mir, als wir uns dem nagelneuen, silberleuchtenden 911er nähern. „Mann gönnt sich ja sonst nichts“, kontert Franck und ich höre den Stolz in seiner Stimme schwingen. „Bis heute“, setzt er leise hinzu. Aber ich hab’s trotzdem gehört.

Adventskalenderkrimi 2.0. 8. Dezember: Psycho.


Ich steh total auf Krimis. Als Bücher und als Filme. Aber nicht die modernen Schreck-Konserven aus dem SB-Shop der Horror-Platitüden. Ich mag die Klassiker. Die Vögel. Wenn die mit schwarzem Flügelschlag den grauen Leinwandhimmel verdunkeln, dann versinke ich in den Sofakissen, schlürfe von meinem Martini-Cocktail – ok meistens ist es nur kalter Chablis, aber auch weiß, wenigstens, und zittere wohlig. Oder ich stehe in der Dusche. Heiße Tropfen rennen an meinem Körper herunter, in welligen Strahlen, versammeln sich zu meinen Füßen zu einem See. Immer mehr Tropfen zu einem immer größer ausufernden See. Der Duschvorhang bewegt sich – das Fenster ist gekippt. Höre ich Schritte im Flur? Ich schaue auf meine Beine. Das Wasser färbt sich rot, rubinrot. Ein roter Fluss, der mich umhüllt. Ich stehe ganz still. Dann fange ich an zu schreiben. Lautlos. Und reiße mit einem Ruck den Duschvorhang zur Seite.

Aber das ist kein Film. Unten ruft jemand meinen Namen. Jemand, der genau weiß, wo ich bin. Ohne dass ich weiß, warum.

Adventskalenderkrimi 2.0. 7.Dezember. Verbotene Früchte.


Unentschlossen zuckele ich hinter ihm her. Woher kennt er den Weg? Da bleibt Franck stehen. Dreht sich um. „Hey – ich dachte, du bist ne ganz Forsche. Hab ich dich falsch eingeschätzt? Hast du Angst? Vor mir?“ „Spinnst du?“ sprudele ich. Etwas zu schnell, wie ich finde. „Ich dachte nur, weil ich doch Hundedreck am Schuh habe…“. Franck lacht. „Was glaubst du, warum wir uns kennengelernt haben? Oder funktioniert Aberglauben bei dir immer nur negativ?“ Er streckt seine Hand nach meiner aus. Zieht mich zu sich ran. Mir geht das alles zu schnell. Aber ich kann mich nicht wehren. Oder will ich es nicht? Pah! Wär doch gelacht! „Auch wenn ich dich nicht für Jack the Ripper halte. Warte bitte hier auf mich. Bin in zehn Minuten unten“. Sage ich und verschwinde im Torbogen des Nebenhauses. Vor dort komme ich durch den Innenhof über die Hintertür in meinen Block. Uff. Ganz habe ich meine innere Alarmanlage also noch nicht abgeschaltet. Mit dem Stinkeschuh in der Hand renne ich die Treppe rauf. Vielleicht sollte ich weniger rauchen? Atemlos komme ich im 2. Stock an. Sperre die  Tür auf. Mist! Hab ich doch vergessen, die Balkontür zuzumachen! Schnell die Stiefel angezogen, Bluse oder Pulli? Ach egal. Plötzlich hab ich keine Lust mehr auf das Essen. Auch wenn mein Kühlschrank leer ist. Und auch nicht auf den Typen. Ich bleib einfach daheim. Er weiß ja nicht, wo ich wohne.

Schlagartig geht’s mir besser. Ich setze mich aufs Sofa und sehne mich nicht mal nach ner Zigarette. Schalte den Fernseher ein. Mache alle Lichter aus. Und lausche der Stille.

………….

„Gisa. Giiiisa. Komm schon, es ist kalt“. Die Stimme steht direkt unter meinem Balkon.

Immer einen Tag hinterdrein


Ich weiß – und es ist keiner Diskalkulie geschuldet: der Adventskalenderkrimi hinkt immer einen Tag hinterher. Ich verspreche: am Wochenende versuche ich, den Türchenrückstand wieder aufzuholen. Aber momentan ist der Tätigkeitsaufwand meiner „Erwerbsarbeit“ (das hört sich an wie—– keine Ahnung 🙂 ) so hoch, dass Tag und Nacht zu wenig Stunden haben! Danke für Euer Verständnis…!

Adventskalender 2.0: 6. Dezember.Wild Turkey.


„Prima. Hast du n Vorschlag? Ich bin neu in der Gegend und kenn mich noch nicht wirklich gut aus“. Franck schaut mich an, als wolle er den Schneemann zum Schmelzen bringen, der hinter meinen Augen lauert. Dabei brennen tief in mir drin schon alle vier Adventskerzen. Und das völlig grundlos. Bleib auf dem Teppich, Süße. Da ist einer einsam – noch einer! – und hat keinen Bock, allein zu Abend zu essen. Mehr nicht. „Da gibt’s nen guten Griechen an der Ecke“, sage ich und schiebe mit der Fußspitze drei Schneekörner vor mir her. „Die haben auch Huhn und so“. Keine Ahnung, warum ich das erwähne. Der Typ sieht eher nach Schweinshaxe aus als nach Cesars Salad, wenn überhaupt.  „Grieche klingt doch gut. Kriegen wir wenigstens was für unsere Finanzspritzen.“ Hmmm, ich schon, denke ich. „Ich muss mich noch schnell umziehen und  Geld holen“, sage ich. „Treffen wir uns in einer halben Stunde?“ „Ich hab ne bessere Idee,“ antwortet Franck. „Ich begleite dich nach Hause, trag deine Tüten und helfe dir dabei, dein Kind ins Bett zu bringen“. „Welches Kind?“ frage ich. Dann lachen wir beide. Aber bevor ich was antworten kann, z.B. Nee ich zeig dir lieber nich gleich wo ich wohne, ist er losmarschiert. Genau in meine Richtung………

Weihnachten ausgebrannt?


Es ist nicht mehr als eine Randnotiz auf Google News, rechte Spalte: Weltmeister Kabashi tot. Weltmeister? Ich denke an Schach, aber der Name klingt eher albanisch als russisch. Gewichtdopen, ehm, -heben, eher? Nein. Thaiboxen, entnehme ich der Meldung. 35, tot in seiner Münchner Wohnung aufgefunden. Angesichts der Tatsache, dass auch Christa Wolf keine ganze Seite bekam und nur ein paar Wenigminuten in den öffentlichen TV-Nachrichten (bei den Privaten hast du ohne Doppelvorname keine Chance auf Erwähnung, gell, Gina-Lisa), hat er es doch auf einen  gewissen Zeilenwert gebracht, nach seinem Ableben. Kein Vergleicht natürlich mit anderen Größen aus Sport und Unterhaltung. Vom Torwart über diverse Sänger und Sängerinnen. Aber er war ja auch älter. Nicht so alt zwar wie Joe Frazier, aber zu alt, um ein Recht zu haben, sich melancholisch zu Tode zu dopen – und sich dadurch einen Namen in der Hall of Fame zu sichern. Früher Tod muss keine Gnade sein.

Wir sterben  – hoffentlich nicht vor Weihnachten an Überdosen. Aber wir kranken daran. Immer mehr immer öfter. Anrufe wie „Du, ich schaff den Auftrag vor Weihnachten nicht mehr, in habe Burn Out“, sind an der Tagesordnung. Ebenso wie die Absagefloskel „Sorry komme nicht zur Weihnachtsfeier, bin ausgebrannt.“ Soll ja schon bei manchen Handys als Textvorlage angeboten werden. Ja. Wir brennen mit den Adventskerzen um die Wette. Rennen hierher und dorthin. Verrennen uns. Wollen es jedem und allen recht und schön und gemütlich machen. Geld haben wir scheinbar (!) genug. Leider aber keine Zeit. Ich mache da keine Ausnahme. Oder! Doch! Jetzt gerade nämlich müsstesollte ich einen Artikel schreiben. Meine Rechnungen ausdrucken. Drei wichtige Telefonate führen. Staubsaugen. Reifenwechsel terminieren.

Stattdessen sitze ich am Mac und  – sinniere. Nehme mir die Freiheit, Zeit zu haben, ohne sie zu besitzen. Und jetzt kommt das Beste: ich verschenke sie. Euch, liebe Leser! Freut euch, ihr Christen und Nichtchristen und genießt die drei Minuten hier auf meinem Blog. Entspannt. Denkt nach, kritisiert, lacht oder ärgert euch. Egal. Für drei Minuten habe ich euer Hamsterrad angehalten. Wenn das kein Nikolausgeschenk ist!

Adventskalenderkrimi 2.0: 5.Dezember.Niko.Läuse.


Schwarz getönte Scheiben werden runtergekurbelt. „Hey Alter“, ruft eine Stimme mit südlichem Zungenschlag. Keine Reaktion auf dem Parkplatz. „HEY, Alter“. Nochmal. Ich schaue Franck ins Gesicht. Er schaut mir ins Gesicht. Grinst. Breit. „Ehm, meinen die vielleicht dich?“ frage ich ihn. „Die wer?“ fragt er zurück. „Na die da im schwarzen Wagen.“ „Du bist ja echt ne Sahneschnitte. Ein fiktives Baby daheim, Ebbe im Portmonnaie, dafür aber Fantasie für ne ganze Fußballmannschaft“. „Ich glaube, die hams mehr inner Hose als im Hirn“, kommentiere ich säuerlich. Dann fällt mir ein: „Oder…spielst du…?“ „Hey Alter bistu taub?“ Ein Bushidoverschnitt hat sich aus dem schwarzen Wagen herausgefaltet und vor uns aufgebaut. Spätestens jetzt müsste ich dringend heim aufs Klo. Leider sind meine Füße mit dem Betonboden verwachsen. Franck reißt den Kopf hoch, aggressiv wie ein Kampfhahn. „Willste was von mir, hey, du?“ Und schiebt seine Schultern in Richtung Bomberjacke. Der Typ ist doppelt so breit wie er, das kann nicht gut gehen. Oder? „Sorry, Kumpel, nix passiert. Hab disch verwechselt. Schön Abend noch“. Dabei wandert ein lasziver Blick an mir herunter. Kopf Busen Hüfte Beine. „Pass mal auf, dass sie dir keine Laus ins Nest legt“. Wie ein Spuk rollt der schwarze Wagen in die Nacht. „Wollen wir was essen gehen?“ höre ich Francks wieder weichgespülte Stimme. Ich spüre, dass der Beton unter mir sich in Treibsand verwandelt. „Hm hm“, sage ich schnell, bevor ich etwa versinke.

Adventskalenderkrimi 2.0: 4. Dezember. Déjà vu.


Er ist es wirklich. Der Typ aus der Schlange an der Supermarktkasse. „Na, deine Oma hatte wohl ne Spontanheilung?“ höre ich mich sagen und kriege einen Schreck vor mir selbst, weil ich in mir drin doch ganz andere Worte geformt hatte: Oh, danke, wie süß von dir! „Klar, sie ist zum Babysitten bei deinem Kleinkind“, grinst der Typ. Streckt mir die Hand entgegen und sagt: „Franck. Mit ck.“ Meine ausgestreckte Hand zielt auf die Zigarette – ich muss mich einfach an was festhalten. „Gisa“, flüstere ich heiser und ganz schnell, um den Stimmen in meinem Kopf keine Chance zum Widerspruch zu geben. Verdammt, warum muss bei mir immer alles so kompliziert sein? Warum kann ich nicht einfach an einer zugigen Supermarkt-Ecke stehen und friedlich ne Zigarette rauchen, mit nem niedlichen Typen – ohne mir vorzustellen, dass gleich eine schwarze Limo vorfährt, zwei schwarze Männer aussteigen und das Feuer auf mich eröffnen? „Kannst du nicht einfach ne Zigarette rauchen, ohne dir Romane auszudenken?“ echot Franck und holt mich in eine unwirkliche Wirklichkeit zurück. Wie im Film fängt es plötzlich an zu schneien, und ein schwarzer Wagen biegt von der hellen Straße in den dunklen Parkplatz ein…..